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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Verbot, Griechisch zu lehren (570 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.06.2020 um 11:33 Uhr (Zitieren)
Mit der folgenden Stelle des Talmud (Mischna Sota IX, 11-15) habe ich Verständnisprobleme. Ich gebe den Kontext wieder und hebe die fragliche Passage fett hervor:
Seitdem das Synhedrion aufgehört hat zu existieren, hat auch der Gesang in den Hochzeitshäusern aufgehört, wie es heißt: Nicht mehr trinkt man Wein mit Gesang. Seitdem die ersten Propheten gestorben sind, haben die Lichtenden und Schlichtenden zu wirken aufgehört. Seitdem das Heiligtum zerstört ist, hat der Schneidewurm und der Wabenseim aufgehört; Männer des Glaubens finden sich in Israel nicht mehr, wie es heißt: Rette, Herr, denn zu Ende ist es mit den Frommen ... Rabban Schimon, Gamliels Sohn, sagt, Rabbi Jehoschua habe gesagt: Seit dem Tage, da das Heiligtum zerstört ist, gibt es keinen Tag, der keinen Fluch hätte; es steigt der Tau nicht zum Segen herab, und der Geschmack der Früchte ist weggenommen. Rabbi Jose sagt: Auch das Mark der Früchte ist weggenommen. Rabbi Schimon, Elasars Sohn, sagt: Die Reinheit hat den Geschmack und den Duft mit sich weggenom-men. Die Zehnten haben das Mark des Getreides mit sich weggenommen. Und die Weisen sagen: Die Huren und Zauberer haben alles zugrunde gerichtet.
Im Krieg mit Vespasian erließen sie Verordnungen gegen Bräutigamskränze und gegen die Hochzeitstrommel. Im Krieg mit Titus erließen sie Verordnungen gegen Brautkränze und dagegen, daß jemand seinen Sohn Griechisch lehrte. Im letzten Krieg erließen sie Verordnungen dagegen, daß die Braut in der Sänfte durch die Stadt geführt werde; unsere Meister aber ließen es zu, daß die Braut in der Sänfte durch die Stadt geführt werde. [...]
Rabbi Pinchas, Jaïrs Sohn, sagt: Nachdem das Heiligtum zerstört wurde, schämten sich Genossen und Freie und verhüllten ihr Haupt; und spärlich wurden die Männer der Tat, aber die mit Ellenbogen und Maul nahmen überhand. Aber keiner forscht und keiner sucht und keiner fragt: Auf wen sollen wir uns stützen? Auf unsern Vater in den Himmeln. Rabbi Elieser, der Große, sagt: Von dem Tag an, da das Heiligtum zerstört wurde, begannen die Weisen wie die Kinderlehrer zu werden und die Kinderlehrer wie die Synagogendiener und die Synagogendiener wie die Ungelehrten, und die Ungelehrten ka-men immer mehr herunter. Aber keiner fragt und keiner sucht: Auf wen sollen wir uns stützen? Auf unsern Vater in den Himmeln.

Der Talmud. Ausgewählt, übersetzt und erklärt von Reinhold Meyer. München 1999, S. 188-190)

Die Zitate aus den Psalmen werden in der Ausgabe angegeben, und auch die merkwürdigen Begriffe (wie Schneidewurm und Wabenseim) werden erläutert. Kein Problem.
Aber was ist mit dem Passus über die rituellen Änderungen während des Krieges gegen Vespasian und Titus sowie während des Bar-Kochba-Aufstandes unter Hadrian gemeint?
Soll damit deutlich gemacht werden, wie streng man es damals noch genommen hat, bevor die Dekadenz einsetzte, oder sind diese kleinlichen Regeln bereits Symptom der Dekadenz? Zumindest "der letzte Krieg", also der Bar-Kochba-Aufstand, liegt ja schon nach der durch die Zerstörung des Tempels eingeleiteten Zeitenwende.
Ist also das Verbot, Griechisch zu lehren, ein Zeichen des Verfalls, oder daß man sich später nicht mehr daran hielt?
 
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