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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Philon von Alexandria über Sklaverei (571 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.04.2020 um 18:50 Uhr (Zitieren)
Philon, der wichtigste Denker des jüdischen Hellenismus, behandelt in seinem Traktat „Jeder Tugendhafte ist frei“ (ihr korrespondierendes Gegenstück „Jeder schlechte Mensch ist ein Sklave“ ist leider verloren) den Unterschied zwischen der äußerlichen, körperlichen Sklaverei und der inneren, seelischen Unfreiheit.

Ihn zu lesen, ist eine Abwechslung gegenüber den ständig zitierten Texten von Aristoteles und Seneca d.J. zum Thema.
Philon kommt Senecas stoischer Position nahe, allerdings vor Seneca.
Unter Sklaverei versteht man teils eine Knechtschaft der Seele, teils des Leibes; Herren über den Leib sind Menschen, über die Seele herrschen Boshaftigkeit und Affekte [ἡ μὲν γὰρ ἄδειαν σωμάτων ἀπ‘ ἀνθρώπων δυνατωτέρων, ἡ δὲ διανοίας ἐκεχειρίαν ἀπὸ τῆς τῶν παθῶν δυναστείας ἐργάζεται]. Dasselbe gilt von der Freiheit: teils gewährt sie dem Körper Schutz vor mächtigeren Menschen, teils bewirkt sie, dass der Geist von der Herrschaft der Affekte frei ist.
Das erstere macht niemand zum Gegenstand einer Erörterung; denn es gibt zahllose menschliche Schicksale, und oft verloren viele sehr Vortreffliche durch widrige Zeitläufe die Freiheit, die sie ihrer Herkunft nach besaßen. Vielmehr befasst sich unsere Untersuchung mit Charakteren, die sich von Begierden, Ängsten, Lüsten und Trauer nicht fesseln ließen, die gleichsam aus einem Gefängnis entkamen und die Fesseln, an die sie gekettet waren, abstreiften.
Wir wollen die spitzfindigen Vorwände und die Bezeichnungen wie „im Haus geborener Sklave“ [οἰκοτρίβων], „gekaufter Sklave“ [ἀργυρωνήτων] oder „Kriegsgefangener“ [αἰχμαλώτων] gänzlich außer Acht lassen, da sie mit dem Wesen des Menschen nichts zu tun haben, sondern nur auf Meinungen basieren. Demgemäß wollen wir den wahrhaft Freien zum Gegenstand unserer Untersuchungen machen, der allein Unabhängigkeit besitzt, auch wenn Unzählige sich zum Herrn über ihn aufwerfen. Denn laut wird jenes Wort des Sophokles rufen, das sich in nichts von einem Orakelspruch unterschei-det: „Gott ist mein Herr, jedoch kein Sterblicher [θεὸς ἐμὸς ἄρχων, θνητὸς δ‘ οὐδείς].“

(Philon: Quod omnis probus liber sit 17-19)

Der Sophokles-Vers wird zitiert bei Aristoteles, Eudemische Ethik 1242a 37, mit Ζεύς statt θέος; da das anapästische Metrum dies eigentlich erfordert, ist anzunehmen, daß es bei Sophokles so gestanden hat und Philon sich gegenüber dem Text eine Freiheit herausnimmt.
 
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