Γραικύλος schrieb am 02.04.2020 um 23:28 Uhr (Zitieren)
Jonathan Franzens letzter Roman "Unschuld" (2015) handelt u.a. von der Jugend eines gewissen Andreas Wolf in der DDR, Sohn eines Ministers und ZK-Mitglieds sowie einer Professorin für Anglistik, entfernt verwandt mit dem Regisseur Konrad Wolf und dem Spionage-Chef Markus Wolf.
Andreas steht zum Kummer seiner Eltern auch als privilegierter Student den in der DDR herrschenden Verhältnissen subversiv gegenüber. Eines Tages gelingt es ihm, eine Redakteurin der Kulturzeitschrift Weimarer Beiträge zum Abdruck eines seiner Rätselgedichte zu veranlassen.
Da Andreas dank seiner Mutter zweisprachig aufgewachsen ist, nimmt es nicht wunder, daß das Gedicht in zwei Versionen erscheint (die im Original nebeneinander stehen):
Jonathan Franzen: Unschuld. Reinbek bei Hamburg 2015, S. 184-186)
Als die Zensurbehörde begreift, was da geschrieben, was die Lösung dieses Rätsels ist, sind die Folgen fürchterlich: die Zeitschrift wird aus den Regalen entfernt und eingestampft, die Redakteurin entlassen, ihr Chef degradiert und Andreas von der Universität verwiesen.
Übrigens ist, um es etwas schwieriger zu machen, die Lösung des englischen Textes deutsch, die des deutschen Textes englisch.