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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Phlegon von Tralleis #1: Ein Geist erscheint (459 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.03.2020 um 15:46 Uhr (Zitieren)
Hieron von Alexandreia oder von Ephesos [Ἱέρων ὁ Ἀλεξανδρεὺς ἢ Ἐφέσιος] berichtet, daß ein Geist [φάσμα] auch in Aitolien erschienen ist.
Einer der Bürger, ein gewisser Polykritos, war für eine Amtszeit von drei Jahren vom Volk zum Aitolarchen gewählt worden, das ihn unter den Bürgern wegen seines seit seinen Vorfahren vorhandenen Adels für würdig erachtete. Während er im Amte war, nahm er sich eine Frau aus [dem benachbarten] Lokris zur Gemahlin, schlief mit ihr drei Nächte lang und schied dann in der vierten Nacht aus dem Leben.
Die Frau blieb als Witwe in dem Haus. Als die Zeit für die Niederkunft gekommen war, gebar sie ein Kind mit zwei Geschlechtsorganen, einem männlichen und einem weiblichen, die in ihrer Art wundersam unterschiedlich waren: Der obere Teil der Geschlechtsorgane war voller Kraft und männlich, wohingegen der Teil um die Schenkel weiblich und recht zart war.
Darüber erschreckt, brachten die Verwandten das Kind auf die Agora. Man berief eine Volksversammlung ein, holte Opferpriester und Seher herbei und beriet über das Kind. Von diesen erklärten manche, daß es zu einem Konflikt zwischen Aitolern und Lokrern kommen werde – das Kind sei ja von seiner Mutter, die aus Lokris stammte, und von seinem Vater, einem Aitoler, getrennt worden; andere meinten, daß man das Kind und die Mutter nach jenseits der Grenzen fortschaffen und verbrennen solle.
Als sie dies schon beschließen wollten, erschien Polykritos – der Mann, der zuvor verstorben war – in der Versammlung in der Nähe des Kindes; er trug schwarze Kleidung.
Die Bürger waren über diese Erscheinung erschreckt und viele hatten bereits mit der Flucht begonnen, als er sie dazu aufrief, mutig zu sein und sich nicht durch die Anwesenheit eines Geistes verwirren zu lassen. Nachdem er die Unruhe und Aufregung zum größten Teil beigelegt hatte, sprach er in einer sanften Stimme [λεπτῇ τῇ φωνῇ] wie folgt:

(Phlegon von Tralleis: Das Buch der Wunder. Hrsg. v. Kai Brodersen. Darmstadt 2002, S. 26-29)

Hieron von Alexandreia oder Ephesos ist nicht bekannt; ich nehme nicht an, daß damit der Mathematiker und Ingenieur Heron von Alexandreia gemeint ist.
 
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