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Die Pest in Byzanz
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Γραικύλος schrieb am 18.03.2020 um 15:09 Uhr (
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Prokop berichtet:
Damals [im Jahre 542] brach eine Seuche aus, die fast die gesamte Menschheit dahingerafft hätte. Für alle Himmelsschickungen haben vielleicht Wagehälse noch eine Erklärung ihrer Ursache zur Hand, wie ja gern selbst Fachleute auf diesem Gebiete Gründe, die kein Mensch verstehen kann, vorgaukeln oder fremdartige Naturlehren erdichten, dabei aber nach ihren eigenen Worten nichts Vernünftiges zu sagen wissen, sondern es für ausreichend betrachten, wenn sie einige von den nächstbesten Leuten mit ihrer betrügerischen Rede überzeugen. Für dieses Unglück jedoch kann man einen Grund weder nennen noch ausdenken, außer man sucht ihn bei Gott.
Denn die Heimsuchung beschränkte sich nicht auf einen bestimmten Teil der Erde oder auf gewisse Menschen und dauerte auch nicht bloß über eine Jahreszeit hin, woraus man vielleicht sogar gewagte Schlüsse auf einen Anlaß ziehen könnte, sie umfaßte vielmehr die ganze Erde, schädigte alle Menschenleben, obschon die Betroffenen sich weit voneinander unterschieden, und schonte weder Naturanlage noch Alter. Denn mögen auch die Menschen hinsichtlich Wohnsitz, Lebensweise, Wesensart, Beschäftigung oder sonstwie nichts Gemeinsames miteinander haben, bei dieser einen Krankheit brachte der Unterschied keinen Vorteil. Befiel doch die Seuche die einen zur Sommerszeit, die anderen im Winter, wieder andere zu den übrigen Jahreszeiten. Jeder mag nun seine Ansicht darüber äußern, Gelehrter und Himmelsdeuter, so wie er gerade denkt, ich jedenfalls will nun daran gehen und berichten, von wo diese Krankheit ihren Ausgang nahm und wie sie die Menschen austilgte.
Sie brach in Ägypten bei den Einwohnern von Pelusion aus. Dann teilte sie sich und gelangte auf ihrem Wege einerseits nach Alexandria und dem übrigen Ägypten, andererseits zu den Palästinensern, die an Ägypten angrenzen. Von dort breitete sie sich in entsprechenden Zeitabständen immer weiter aus, so daß sie schließlich die ganze Erde erfaßte. Man konnte nämlich den Eindruck gewinnen, als ob die Seuche nach einem festgelegten Plane verfahre und in jedem Land eine bestimmte Zeit verweile. Dabei überging sie auf ihrem Schreckenszuge niemand, sondern dehnte sich auf ihrem Wege bis zu den äußersten Grenzen der bewohnten Erde aus, so als fürchtete sie, es könnte ihr einer ihrer Winkel verborgen bleiben. Keine Insel, keine Höhle, kein Berggipfel, wo Menschen ihre Heimstätte hatten, wurde von ihr geschont. Ja, sogar wenn sie an einem Lande vorbeigezogen war und dabei die dortige Bevölkerung nicht befallen oder nur leicht berührt hatte, später aber in die betreffende Gegend zurückkehrte, dann erfaßte sie die Nachbarn, die sie zuvor aufs härteste heimgesucht hatte, gar nicht, während sie von jenem Land nicht früher wich, als bis es genau und richtig den gleichen Tribut an Toten wie zuvor die Umwohner geleistet hatte.
Ihren Anfang nahm die Krankheit jeweils an der Küste und stieg dann ins Binnenland empor. Im zweiten Jahre aber und zwar mitten im Frühling erreichte sie Byzanz, wo auch ich mich damals aufhielt. Dabei ging es folgendermaßen zu: Viele sahen Gespenster in verschiedenster Menschengestalt, und alle, die ihnen begegneten, glaubten, von dem Manne, den sie da trafen, an irgendeiner Körperstelle einen Schlag zu erhalten; mit dem Augenblick aber, wo sie diese Erscheinung hatten, waren sie auch schon von der Krankheit befallen. Anfänglich versuchten die Betroffenen, die Erscheinungen von sich abzuwehren, indem sie die heiligsten Namen anriefen und nach Möglichkeit die übrigen frommen Bräuche übten; indes half ihnen dies gar nichts, da auch die Mehrzahl derer, die in den Heiligtümern Zuflucht suchten, sterben mußte. Später wollten sie nicht einmal mehr auf den Zuruf ihrer Freunde hören, sondern schlossen sich in ihren Zimmern ein und taten so, als merkten sie nichts, obwohl doch laut an ihre Türen geklopft wurde. Offensichtlich fürchteten sie, der Rufer sei einer der bösen Geister. Einige überfiel die Seuche nicht auf diese Weise, sie hatten vielmehr ein Traumgesicht und meinten, ihnen widerfahre ebendasselbe durch das Traumbild oder sie hörten eine Stimme, die ihnen ankündigte, daß sie unter die Zahl der dem Tod Verfallenen eingetragen seien. Die meisten aber merkten weder im wachen Zustande noch im Traum etwas von dem drohenden Unheil und wurden dann einfach von der Krankheit befallen.
Dies ging so vor sich: Sie bekamen plötzlich Fieber, entweder beim Erwachen aus dem Schlaf oder beim Umhergehen oder bei irgendwelcher sonstigen Tätigkeit. Gegen früher unterschied sich dabei der Leib weder in Hautfarbe noch fühlte er sich trotz des Fieberanfalles heiß an; nicht einmal eine Entzündung war zu beobachten. Das Fieber trat vielmehr anfangs und bis zum Abend hin so schwach auf, daß die Erkrankten selbst oder der behandelnde Arzt mit keinerlei Gefahr rechneten; denn niemand von den Befallenen schien daran sterben zu müssen. Indessen entstand teils noch am gleichen, teils am darauffolgenden Tage, teils auch wenige Tage später eine Schwellung, und zwar nicht nur dort, wo auch der Bubon [Schamgegend] genannte Körperteil am Unterleib sich befindet, sondern auch in der Achselhöhle, bei einigen sogar neben den Ohren und irgendwo an den Schenkeln. Bis zu diesem Stadium erging es allen von der Krankheit Ergriffenen fast gleich. Was den weiteren Verlauf angeht, so kann ich nicht sagen, ob der verschiedenen Körperbeschaffenheit auch die Verschiedenheit der Zustände entsprach oder ob sich diese nach dem Willen dessen richteten, der die Krankheit geschickt hatte. Die einen überkam nämlich eine tiefe Bewußtlosigkeit, die anderen wurden tobsüchtig, und beide Gruppen hatten dabei an den der Krankheit eigenen Erscheinungen zu leiden. Wer das Bewußtsein verloren hatte, wußte nichts mehr von all seinen sonstigen Gewohnheiten und machte den Eindruck, als gebe es für ihn kein Erwachen. Wenn sich nun jemand um diese Menschen kümmerte, nahmen sie wohl dazwischen hinein Nahrung zu sich, einige aber, für die niemand gesorgt hatte, starben auch sogleich an fehlender Verpflegung. Die von Irrsinn Befallenen hingegen litten an Schlaflosigkeit und vielen Wahnvorstellungen. Sie meinten, Leute gingen auf sie los und wollten sie töten, worüber sie außer Fassung gerieten und mit fürchterlichem Geschrei die Flucht ergriffen. Ihre Betreuer hatten mit ihnen ihre dauernde Not und mußten fortwährend Schlimmstes mitmachen. Deshalb hatten alle mit ihnen ebenso großes Mitgefühl wie mit den Kranken[,] und zwar nicht, weil sie durch ihren Umgang der Ansteckung ausgesetzt waren – denn weder Arzt noch Privatmann wurden von dieser Seuche befallen, wenn sie die Kranken oder Toten berührten, und viele, die un-ausgesetzt auch gänzlich fremde Menschen bestatteten oder pflegten, blieben wider Erwarten trotz dieser Dienstleistung verschont , während eine Menge anderer Leute ohne weiteres von der Krankheit ergriffen wurde und sogleich dahinstarb –, sondern weil sie so große Mühen auf sich nehmen mußten. Aufgabe der Krankenpfleger war es ja, ihre Schützlinge, wenn sie aus ihren Betten fielen und sich auf dem Boden wälzten, wieder in ihre frühere Lage zu bringen und diejenigen, die sich aus den Häusern stürzen wollten, gewaltsam zurückzustoßen und wegzuziehen. Wer aber an ein Wasser kam, wollte hineinspringen, nicht sosehr aus dem Verlangen zu trinken – die meisten drängten ja ans Meer –, sondern vor allem aus Sinnesverwirrung. Große Mühe verursachte den Pflegern auch die Ernährung der Patienten, die nur mit Beschwerden die Speisen zu sich nehmen konnten. Und so kamen viele durch das Fehlen eines Betreuers ums Leben, indem sie entweder verhungerten oder sich von einer Höhe herab zu Tode stürzten.
Verfiel aber einer nicht in Bewußtlosigkeit oder Raserei, dann ging die Schwellung in Brand über, und er mußte unter unerträglichen Schmerzen sterben. Vermutlich hatten wohl auch alle anderen Kranken ebenso zu leiden, doch da sie ihrer Sinne ganz und gar nicht mächtig waren und die Geistesstörung ihnen die Empfindung nahm, kam ihnen der Schmerz nicht zu Bewußtsein.
In ihrer Ratlosigkeit und Unkenntnis der Krankheitserscheinungen meinten einige Ärzte, der Krankheitsherd müsse in den Geschwülsten liegen, und entschlossen sich daher, die Leichen zu untersuchen. Sie öffneten einige Geschwülste und fanden darin einen sehr großen Karbunkel. Es starben aber die einen sogleich, andere erst nach vielen Tagen; dabei war der Körper bei einigen von linsengroßen, schwarzen Blasen übersät, und diese Kranken lebten keinen einzigen Tag mehr, sondern verschieden alle auf der Stelle. Eine Menge bekam auch noch Blutbrechen, was den raschen Tod herbeiführte. Darauf möchte ich indessen hinweisen, daß die angesehensten Ärzte vielen den Tod voraussagten, die kurz darauf wider Erwarten gesund wurden, während sie vielen die Genesung in Aussicht stellten, die dann alsbald sterben sollten. So entzog sich die Ursache dieser Krankheit jeder menschlichen Berechnung; denn für alle gestaltete sich der Ausgang völlig unbestimmt, und während den einen die Bäder halfen, waren sie anderen ebenso schädlich. Von denen, die keine Betreuung erfuhren, starb eine große Zahl, viele aber kamen auch überraschend mit dem Leben davon. Heilverfahren hinwiederum hatten entgegengesetzten Erfolg; kurz gesagt, kein Mittel war erfunden, mit dem ein Mensch der Krankheit vorbeugen oder nach Erkrankung sein Leben erhalten konnte, vielmehr trat die Seuche ohne jede Veranlassung auf[,] und ebenso vollzog sich das Überleben von selber. Schwangere Frauen, die von der Krankheit befallen wurde, mußten mit dem Tod rechnen; die einen starben nämlich während einer Fehlgeburt, die gebärenden Mütter aber wurden sogleich zusammen mit ihren neugeborenen Kindern hinweggerafft. Drei Frauen sollen jedoch, während ihre Säuglinge starben, lebend davon gekommen sein. Hingegen wurde in einem Fall, wo die Frau unter der Geburt verschied, das Kind zur Welt gebracht und blieb am Leben.
Alle nun, bei denen sich die Geschwulst vergrößerte und in Eiter überging, wurden von der Krankheit frei und waren gerettet; denn offensichtlich hatte damit der Karbunkel seinen Höhepunkt überschritten, und so galt dies ganz allgemein als Zeichen der Genesung. Wo jedoch die Geschwulst ihr bisheriges Aussehen beibehielt, drohte das eben von mir erwähnte traurige Schicksal. Bei einigen Kranken verdorrte auch nur der Schenkel, auf dem die Geschwulst entstanden, nicht aber in Eiter übergegangen war. Andere bezahlten ihre Genesung wieder mit einem Sprachschaden. In ihrem weiteren Leben konnten sie nur noch lallen oder mühsam undeutliche Laute von sich geben.
Die Seuche dauerte in Byzanz vier Monate lang, drei davon stand sie auf ihrem Höhepunkt. Anfangs lag die Zahl der Sterbefälle nur wenig über dem gewohnten Maß, dann aber nahm das Unheil weiter zu, bis die Todesopfer täglich etwa fünftausend und schließlich zehntausend und mehr erreichten.
Zunächst sorgte jeder für die Beisetzung der in seinem Haus Verstorbenen, wobei man freilich die Leichen auch in fremde Gräber warf und dies heimlich oder unter Gewaltanwendung tat. Später geriet alles durcheinander; denn Sklaven blieben ohne Herrn, vorher schwerreiche Leute mußten der Hilfe ihres Gesindes entbehren, das entweder krank darnieder lag oder gestorben war, und viele Häuser standen sogar völlig menschenleer. So kam es, daß in der allgemeinen Notlage mancher Vornehme viele Tage lang unbeerdigt blieb. Hier mußte der Kaiser [sc. Iustinian I.] natürlich Vorsorge treffen. Er stellte dem Theodoros Leute der Palastgarde, außerdem Geldmittel zur Verfügung und befahl ihm, sich der genannten Aufgabe anzunehmen. Dieser Theodoros leitete das kaiserliche Zivilkabinett, wobei er dem Kaiser jeweils die Gesuche der Bittsteller vorzutragen und ihnen dessen Entscheidungen mitzuteilen hatte. Referendarius nennen die Römer dieses Amt auf Lateinisch. Wer nun in seinem Hause noch nicht gänzlich vereinsamt war, bestattete selbst seine Angehörigen. Hingegen ließ Theodoros unter Verwendung der kaiserlichen und eigenen Geldmittel die unversorgten Toten beisetzen.
Als sämtliche bisherigen Begräbnisstätten mit Leichen überfüllt waren, grub man der Reihe nach alle Plätze um die Stadt herum auf, legte dort, so gut man konnte, die Toten hinein und ließ es dabei bewenden. Indessen waren die mit solcher Aufgabe beschäftigten Männer bald der Zahl der Sterbenden nicht mehr gewachsen. Sie bestiegen daher die Türme der Stadtmauer in Sykai, deckten die Dächer ab, warfen die Leichen, wie sie gerade kamen, hinein und häuften sie regellos aufeinander. Nachdem sie so fast alle Türme mit den Toten angefüllt hatten, setzten sie wieder die Dächer darauf. Infolgedessen drang ein übler Geruch in die Stadt und belästigte die Einwohner umso mehr, wenn auch noch der Wind aus dieser Richtung wehte.
Damals geschahen die Bestattungen ohne all die herkömmlichen Feierlichkeiten. Die Toten erhielten weder das übliche Geleite noch den gewöhnlichen Trauergesang; es mußte genügen, wenn man eine Leiche auf den Schultern bis zum städtischen Ufergelände trug und dort hinwarf, wo dann die Toten auf Kähne verladen und haufenweise irgendwohin verfrachtet wurden.
In jener Zeit ließen auch die bisherigen Parteigänger des Demos von ihrer gegenseitigen Feindschaft ab, nahmen sich gemeinsam der frommen Fürsorge um die Toten an und trugen eigenhändig die Leichen fremder Menschen zur Beerdigung hinaus. Aber auch alle, die früher Gefallen daran gefunden hatten, bei schimpflichen Verbrechen dabei zu sein, gaben ihre ungesetzliche Lebensweise auf und befleißigten sich eines gottesfürchtigen Wandels. Sie stellten sich damit freilich nicht auf vernünftiges Denken um und waren auch nicht plötzlich irgendwie zu Freunden eines tugendsamen Lebens geworden; denn wenn es nicht ein guter Gott gnädig fügt, sind die Menschen nicht imstande, so ohne weiteres von angeborenen oder durch lange Gewöhnung erworbenen Eigenschaften loszukommen. Doch damals waren sozusagen alle durch die Ereignisse tief erschüttert[,] und im Glauben, sie müßten alsbald sterben, bekehrten sie sich natürlich unter dem harten Zwang für den Augenblick zu einem anständigen Leben. Sobald sie jedoch, der Seuche ledig, gerettet waren und sich nunmehr in Sicherheit wähnen durften – das Übel hatte sich ja irgendwelchen anderen Menschen zugewandt –, änderten sie schnell wieder ihre Gesinnung zum Schlechteren und taten noch mehr als zuvor mit ihrer verkehrten Handlungsweise groß, so daß sie gänzlich ihrer Gemeinheit und sonstigen Gesetzlosigkeit erlagen; denn wenn auch nur mit Widerstreben, muß man es wohl als wahr bezeichnen, daß die Pest, sei es zufällig, sei es absichtlich, gerade die schlechtesten Menschen genau aussuchte und am Leben ließ. Doch das hat sich erst in der Folgezeit herausgestellt.
Damals konnte man hingegen kaum einen Menschen auf dem Markt in Byzanz sehen, sondern alle, die gesund waren, saßen daheim und pflegten die Kranken oder beklagten die Toten. Wenn man aber wirklich jemand treffen konnte, der sich in die Öffentlichkeit hinauswagte, dann trug er eine Leiche. Alle Arbeit ruhte, die Handwerker stellten ihre sämtlichen Tätigkeiten ein und ließen liegen, was sie an Vorhaben gerade zu erledigen hatten. So herrschte in einer Stadt, die großen Überfluß an allen möglichen Gütern hatte, schwere Hungersnot. Brot jedenfalls oder sonst etwas Eßbares in ausreichendem Maß zu bekommen, schien eine schwierige und wichtige Sache. Darum mußten auch einige Kranke offenbar aus Lebensmittelmangel vor der Zeit sterben. Kurz gesagt, man konnte in Byzanz keinen einzigen Menschen in einem Prunkgewand sehen, zumal auch der Kaiser erkrankte – bei ihm bildete sich ebenfalls eine Geschwulst –, vielmehr trugen in einer Stadt, welche die kaiserliche Regierung des gesamten römischen Reiches in ihren Mauern barg, alle Leute nur Oberkleider wie einfache Bürger und verhielten sich still.
So etwa stand es um die Pest im übrigen Römerreich und in Byzanz. Sie befiel aber auch Persien und alle anderen Barbarenländer.
[Prokop: Perserkriege. Hrsg. v. Otto Veh. München 1970 (= Prokop, Werke III), S. 355-371]
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