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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die verwundbaren Götter (506 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 18.03.2020 um 14:58 Uhr (Zitieren)
Daß die Griechen sich ihre Götter zwar als unsterblich, aber nicht als unverwundbar dachten, bezeugt Homer:
[...]
Als nun der mordende Ares den edlen Tyliden gewahrte,
Ließ er den ungeheuren Periphas gleich an der Stelle
Liegen, wo er zuerst ihm gewaltsam das Leben entrissen,
Eilte dann auf Diomedes zu, den reisigen Helden.
Als die Gegeneinandereilenden jetzt sich genähert,
Streckte sich Ares über das Joch hinweg und die Zügel
Mit der Lanze von Erz, in Begier, ihm das Leben zu rauben.
Doch es ergriff sie Athene, die strahlenäugige Göttin,
Stieß sie vom Sessel hinweg, daß ganz umsonst sie vorbeifuhr.
Jetzt erhob sich als zweiter der Rufer im Streit Diomedes
Mit der Lanze von Erz, und es drängte sie Pallas Athene
Gegen die Weiche des Bauchs, wo die eherne Binde sich anschloß:
Dorthin traf er den Gott und zerfleischte die blühende Haut ihm,
Zog dann die Lanze zurück. Da brüllte der eherne Ares
Laut, als schrieen zugleich neuntausend oder zehntausend
Männer im Kriege, sobald sie das Toben des Ares erregten.
Und es erzitterten alle die Troer umher und Achaier,
Voller Entsetzen: so brüllte der unersättliche Ares.
Wie aus Wolken geballt, ein finsterer Nebel sich bildet,
Wenn nach drückender Schwüle der Wind mit Brausen emporfährt:
Also erschien dem Tydeussohne der eherne Ares,
Als er, in Wolken gehüllt, zum weiten Himmel hinanstieg.
Rasch erreicht’ er den ragenden Göttersitz des Olympos,
Setzte sich, Trauer im Herzen, zu Zeus, dem Sohne des Kronos,
Zeigte das göttliche Blut, das niedertroff aus der Wunde,
Und mit Klagen begann er und sprach die geflügelten Worte:
Zürnst du nicht, Vater Zeus, beim Anblick solcher Gewalttat?
Stets doch haben wir Götter die bitterste Qual zu erdulden,
Einer vom Willen des andern, den Menschen allein zu Gefallen!
Dir sind wir alle feind, denn du erzeugtest die Törin [sc. Athene],
Welche verderblich immer nur trachtet nach frevelen Taten!
Alle die anderen Götter, so viel den Olympos bewohnen,
Folgen dir untertänig, wir fügen uns, jeder, gehorsam.
Dieser allein begegnest du weder mit Worten noch Taten,
Sondern lässest sie tun, da du selbst die Verhaßte gezeugt hast.
Sie hat jetzt Diomedes, den trotzigen Sprossen des Tydeus,
Angespornt zu wütendem Kampf mit unsterblichen Göttern!
Kypris hat er zuerst an der Hand beim Knöchel verwundet;
Drauf bestürmt’ er mich selbst, von Ansehn gleich einem Dämon!
Aber mit eilenden Füßen entrann ich ihm! Lange vielleicht noch
Ränge ich dort mit Qualen im gräßlichen Haufen der Leichen;
Oder ich lebte, ein Krüppel, gelähmt vom Schlage des Erzes!
[...]

(Ilias V 846-887)
 
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