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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod des Elagabal #2 (580 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.02.2020 um 13:49 Uhr (Zitieren)
II. DER BERICHT DES HERODIAN (ca. 180-240 u.Z.) in den „Historiai“, V. Buch, Kap. 8

Während so alles von alters her als ehrwürdig Geltende in der Trunkenheit des Übermuts verhöhnt ward, griffen Unwillen und Unzufriedenheit bei allen Menschen und zumal bei den Soldaten immer mehr um sich. Sie fanden es an ihm anstößig, daß er vor ihren Augen sein Gesicht sorgfältiger schminkte, als es selbst für eine anständige Frau schicklich war, daß er sich mit goldenen Halsgeschmeiden und üppigen Gewändern unmännlich putzte und in solchem Aufzuge im Angesichte aller Welt als Tänzer auftrat. Um so stärker wandten sie ihre Neigung dem Alexander [Severus] zu, auf den sie als auf einen anständig und wohl erzogenen Jüngling bessere Hoffnungen setzten. Sie wachten über seine Sicherheit auf alle mögliche Weise, da sie sahen, daß Antoninus ihm nach dem Leben trachte. Auch seine Mutter Mammäa ließ ihren Sohn nichts von den Speisen und Getränken zu sich nehmen, die ihm von jenem geschickt wurden; und nicht die kaiserlichen, zu gemeinsamem Dienste angestellten Mundköche und Mundschenken durfte ihr Sohn benutzen, sondern solche, welche die Mutter aus ihren zuverlässigsten Leuten dazu ausgewählt hatte.

Auch gab sie heimlich Geld her, um es verborgenerweise unter die Soldaten zu verteilen, um deren Zuneigung für ihren Alexander auch durch Geld, worauf die Soldaten am meisten sehen, zu verstärken.
Als Antoninus diese Dinge erfuhr, suchte er natürlich auf alle mögliche Weise dem Alexander und seiner Mutter heimlich ans Leben zu kommen. Aber alle Nachstellungen verhinderte und vereitelte die gemeinsame Großmutter beider, [Julia] Mäsa, eine Frau, die überhaupt sehr gerieben und durch ein langjähriges Leben am Kaiserhofe gewitzigt war, da sie als Schwester von [Septimius] Severus’ Gemahlin Julia die ganze Zeit hindurch mit ihr in der kaiserlichen Hofburg gelebt hatte. Daher entging ihrer Aufmerksamkeit keiner von den Anschlägen des Antoninus, der von Natur ein aufgeblasen großsprecherisches Wesen hatte und rückhaltlos und öffentlich alles seine Anschläge besprach und ausführte. Als er nun mit seinen Nachstellungen nicht zum Ziele kam, wollte er dem jungen Menschen die Cäsarwürde entziehen, und so wurde von da ab dem Alexander weder bei Anreden, noch wenn er sich öffentlich zeigte, die ihm als Cäsar gebührende Ehre erwiesen. Allein die Soldaten verlangten heftig nach ihm und waren es übel zufrieden, daß man ihn so der Regierung entsetzen wollte.

Da ließ Antoninus das Gerücht aussprengen, daß Alexander im Sterben liege, und machte damit einen Versuch, wie die Soldaten ein solches Gerede aufnehmen würden. Diese aber, die den jungen Menschen nicht mehr erblickten und denen die Nachricht ein Stich ins Herz war, schickten in ihrem Zorne dem Antoninus nicht mehr die gewöhnliche Wache, sondern schlossen sich in ihrem Lager ein und verlangten den Alexander in ihrem Heiligtume zu sehen.

Antoninus, der in große Angst geriet, ließ den Alexander kommen, ihn an seiner Seite in der kaiserlichen Sänfte, die reich mit Gold und Edelsteinen verziert war, Platz nehmen, und begab sich so mit dem Alexander in das Lager. Als nun die Soldaten die Thore zu ihrer Aufnahme öffneten und sie in den Tempel des Lagers führten, empfingen sie den Alexander mit übermäßigem Jubel und Lebehochrufen, während sie sich gegen den Antoninus sehr kühl verhielten. Das nahm der letztere sehr übel; sein Unwille stieg noch mehr, nachdem er die Nacht im Tempel des Lagers zugebracht hatte, er geriet in Zorn gegen die Soldaten und gab Befehl, die Hauptschreier, welche dem Alexander übermäßig zugejubelt hätten, als Rädelsführer von Meuterei und Krawall zur Bestrafung festzunehmen. Die hierüber aufgebrachten Soldaten, die schon ohnedies den Antoninus haßten und sich des unwürdigen Kaisers zu entledigen wünschten, jetzt aber es auch zugleich für ihre Pflicht hielten, ihren Kameraden, die man verhaftete, zu Hilfe zu kommen, benutzten die günstige Gelegenheit und den gerechten Vorwand; sie töteten den Antoninus selbst und seine Mutter Soämis – die als Kaiserin-Mutter anwesend war – samt der ganzen kaiserlichen Umgebung, deren man im Lager habhaft wurde und die als Diener und Genossen seiner Verbrechen galten. Die Leichname des Antoninus und der Soämis überließen sie jedem, dem es beliebte, sie herumzuschleifen und Spott damit zu treiben, und so wurden dieselben denn auch eine ganze Zeit lang unter Mißhandlungen durch die Stadt geschleift, und zuletzt in die Abzugskanäle geworfen, welche in den Thybrisstrom münden.

So fand Antoninus, nachdem er den oben gemeldeten Lebenswandel geführt hatte, zugleich mit seiner Mutter im sechsten Jahre seiner Regierung den Untergang. Die Soldaten ihrerseits riefen den Alexander, der noch sehr jung war und ganz unter der Leitung seiner Mutter und Großmutter stand, zum Kaiser aus, und führten ihn hierauf zum kaiserlichen Palaste.

(Herodian: Geschichte des römischen Kaisertums seit Mark Aurel. Berlin/Stuttgart 1897, S. 156-159)
 
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