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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod Alexanders des Großen #5 (575 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.02.2020 um 00:08 Uhr (Zitieren)
Jetzt wird es phantastisch: der Alexanderroman.
V. DER BERICHT DES ALEXANDERROMANS: anonymer Verfasser (3. Jhdt. u.Z.)

3, 31 In Makedonien lehnte sich Antipater gegen Olympias, die Mutter Alexanders, auf und behandelte sie, wie es ihm gefiel. Sie beschwerte sich oftmals bei Alexander über Antipater, denn sie fühlte sich gekränkt, da sie doch Alexanders Mutter war. Und als sie sich schließlich nach Epirus begeben wollte, hinderte Antipater sie daran. Als Alexander die Briefe seiner Mutter Olympias erhalten und aus ihnen von ihrer traurigen Lage erfahren hatte, schickte er Krateros als Statthalter des Landes zu Antipater nach Makedonien. Antipater aber erriet die Absicht Alexanders; er hörte, daß Krateros anrückte, und erkannte, daß die Soldaten seinetwegen nach Makedonien und Thessalien zurückkamen. In seiner Furcht beschloß er, Alexander zu ermorden. Er fürchtete nämlich, wegen seines Verhaltens gegen Olympias ins Gefängnis geworfen zu werden, zumal er gehört hatte, daß Alexander überaus hochfahrend geworden sei wegen seiner Erfolge. So überlegte er und bereitete ein tödliches Gift, das man weder in bronzenen noch gläsernen noch irdenen Gefäßen aufbewahren konnte, weil es sie gleich zerstörte. Er schüttete es in eine bleierne Büchse und barg diese in einer anderen, eisernen. Diese gab er seinem Sohn und schickte ihn nach Babylon zu Iullos, dem Mundschenken des Königs Alexander, nachdem er ihm von der Furchtbarkeit und todbrin-genden Gewalt des Giftes erzählt hatte, damit er, wenn ihm im Krieg von den Feinden Übles widerfahre, davon nehme und sterbe.
Sobald der Sohn Antipaters in Babylon angelangt war, besprach er sich heimlich mit Iullos, dem Mundschenken Alexanders, wie das Gift beizubringen sei. Nun hegte Iullos einen Groll auf Alexander, weil der ihn vor wenigen Tagen wegen einer Verfehlung mit dem Stock auf den Kopf geschlagen und bös verletzt hatte. Aus Zorn gegen Alexander also verband Iullos sich mit dem Sohn Antipaters zu dem Verbrechen. Iullos zog auch einen gewissen Medios hinzu, den Alexander gleich ihm gekränkt hatte. Sie verabredeten miteinander, wie sie Alexander das Gift zu trinken gäben. Als nun Alexander sich eines Tages nach einem großen Gelage ausruhte, kam Medios am folgenden Tage zu ihm und bat ihn, als Gast in sein Haus zu kommen. Alexander nahm die Einladung an und kam zu seinem Gastmahl. Neben König Alexander waren noch andere bei Tisch. Unter ihnen wußten Perdik[k]as, Ptolemaios, Olkios, Lysimachos, Eumenios und Kas[s]andros nichts von dem Mordanschlag. Alle anderen, die mit Alexander bei Tische waren, hatten teil an dem frevelhaften Werk und waren mit Iullos, dem Mundschenken der Königs Alexander, im Bunde und hatten sich miteinander verschworen. Denn sie verlangten schon nach Alexanders Herrschaft. Als Alexander sich mit ihnen niedergelassen hatte, gab Iullos ihm einen Becher ohne Gift. Es entspann sich ein Gespräch zum Zeitvertreib, und schon war geraume Zeit mit Trinken vergangen, da reichte Iullos einen anderen Becher mit dem Gift. Alexander nahm ihn zu seinem Unheil und trank – plötzlich aber schrie er auf, als ob ein Pfeil seine Leber durchbohrt hätte. Doch er hielt noch kurze Zeit an sich und zwang den Schmerz nieder, als er nach Hause ging. Den Anwesenden befahl er, das Gelage fortzusetzen.
3, 32 Sie aber lösten völlig verstört sofort das Gelage auf und warteten draußen, was nun käme. Alexander aber gab endlich seinen Schmerzen nach und sagte: „Roxane, hilf mir bitte ein wenig!“ Von ihr gestützt, begab er sich in seinen Palast und legte sich nieder.
Als es Tag wurde, ließ er Perdik[k]as, Ptolemaios und Lysimachos zu sich kommen und sagte, kein anderer außer ihnen solle eintreten, bis er sein Testament gemacht habe. Da entstand unter den Makedonen ein Geschrei und ein Auflauf vor dem Palast Alexanders. Sie wollten seine Wachen töten, wenn sie ihnen nicht den König zeigten. Alexander fragte nach der Ursache des Lärms, und Perdik[k]as trat zu ihm und berichtete die Worte der Makedonen. Da befahl Alexander, sein Lager so aufzustellen, daß das gesamte Heer an ihm vorbeimarschieren und ihn sehen konnte, indem sie zu einer Tür hereinkamen und zur anderen hinausgingen. Perdik[k]as gehorchte dem Befehl des Königs Alexander. Nur die Makedonen kamen herein und sahen ihn an, wie er da elend auf dem Bette lag. Und einer von ihnen, ein Mann von stattlicher Gestalt, doch ein gewöhnlicher Soldat, trat zum Lager Alexanders hin und sagte: „Zum Heil, König Alexander, hat dein Vater Philipp regiert, zum Heil auch du, König! Du verläßt uns; es wäre gut, wenn auch wir stürben mit dir, dem Befreier Makedoniens.“ Und Alexander streckte unter Tränen seine Rechte aus, mit einer Gebärde des Trostes.
3, 33 Dann ließ er seinen Sekretär eintreten und bestimmte über seine Frau Roxane: „Wenn mir von meiner Frau Roxane ein männlicher Erbe geboren wird, sei er Herrscher der Makedonen; ist das Kind weiblich, so mögen sie frei ihren König wählen.“
Seiner Mutter befahl er folgendes zu schreiben: „König Alexander grüßt seine allerliebste Mutter! Wenn du diesen meinen letzten Brief erhältst, so bereite ein prunkvolles Mahl als Dank an die göttliche Vorsehung, daß sie dir einen solchen Sohn geschenkt hat. Aber wenn du mich ehren willst, so gehe selbst aus und lade alle, groß und klein, reich und arm, zu diesem Mahl und sage ihnen: ‚Seht, das Mahl ist bereitet, kommt und labt euch! Doch komme niemand von euch, der einen Kummer kennt, sei es gegenwärtig oder von früher her, denn ich habe ein Mahl nicht der Trauer, sondern der Freude bereitet.’ Lebe wohl, Mutter!“ So tat Olympias, und es kam niemand zu ihrem Mahl; weder groß noch klein, noch reich oder arm fand sich, der ohne Kummer gewesen wäre. Da erkannte die Mutter sogleich seine Weisheit, daß Alexander dort die Lebenden verlassen habe und ihr zum Trost so geschrieben habe: Sie sollte wissen, daß ihm nichts Besonderes widerfahren sei, sondern etwas, das allen geschehen ist und geschieht.
Als Alexander dies und vieles andere gesprochen hatte, entstand ein Nebel in der Luft. Ein großer Stern senkte sich aus dem Himmel auf das Meer herab, mit ihm ein Adler, und das Kultbild in Babylon, das sie Zeus nannten, schwankte. Der Stern erhob sich wieder in den Himmel, ihm folgte der Adler. Und sobald der Stern im Himmel verschwand, sank Alexander in den ewigen Schlaf.

(Leben und Taten Alexanders von Makedonien. Der griechische Alexanderroman nach der Handschrift L. Herausgegeben von Helmut van Thiel. Darmstadt 1983, S. 161-165)
 
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