Γραικύλος schrieb am 02.02.2020 um 12:09 Uhr (Zitieren)
Hier wird auf die hübsche Anekdote, wem das Reich gehören solle, verzichtet und stattdessen in den Topf mit Verschörungstheorien gegriffen. Auch wenn der Philosoph Plutarch Distanz zu ihnen wahrt - berichten muß er sie doch.
(Plutarch: Große Griechen und Römer. 6 Bde. Herausgegeben von Konrat Ziegler. München 1980; Bd. 5, S. 97-100)
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Republik Bayern schrieb am 02.02.2020 um 21:05 Uhr (Zitieren)
Tut mir Leid, falls ich dir etwas vorwegnehme, aber laut der zuverlässigsten der uns vorliegenden Quelle von Arrian heißt es:
,,οι δε και ταδε ανεγραψαν, ερεσθαι μεν τους εταιρους αυτον οτω την βασιλειαν απολειπει, τον δε υποκρινασθαι οτι τω κρατιστω."
Was bedeutet das "oti" vor "to kratisto"?
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Γραικύλος schrieb am 02.02.2020 um 23:06 Uhr (Zitieren)
Das kam ja schon bei Diodorus Siculus vor, dem ältesten antiken Autor, der das zitiert.
Arrian, nach der Zeitenwende lebend, kommt noch.
Welches Problem gibt es mit dem ὅτι (daß)?
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 03.02.2020 um 16:29 Uhr (Zitieren)
Rein syntaktisch leitet das ὅτι einen Nebensatz ein, der für die Antwort auf die Frage ὁτῷ τήν βασιλεῖαν απολεῖπει das damit benannte Prädikat nicht noch einmal aufführt/aufführen muß; man könnte es auch auffassen als einen ausgeschriebenen Doppelpunkt mit folgender direkter Rede.
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Republik Bayern schrieb am 04.02.2020 um 22:51 Uhr (Zitieren)
Ich hatte davor schon nachgesehen, und ja, es heißt "dass". Es wurde aber überhaupt nicht übersetzt. Deswegen war mir nicht klar, warum eine Konjunktion nicht übersetzt wird. "Er antwortet, dass 'dem Besten'" würde ja wenig Sinn ergeben.
Und mir ist bewusst, dass Arrian einer der späteren Quellen ist. Dennoch sind sich Historiker anscheinend einig, dass seine Quelle die zuverlässigste sei:
- "Arrian's Anabasis has traditionally been regarded as the most reliable extant narrative source for Alexander's campaigns." (Englischer Wikipedia-Eintrag zu "The Anabasis of Alexander")
- "All diese Werke, in denen Alexander sehr positiv betrachtet wurde, sind heute verloren, doch wurden Ptolemaios und Aristobulos beide von Arrian benutzt, der im 2. Jahrhundert n. Chr. eine Alexandergeschichte anfertigte."
--> Arrian
- "Zum anderen sind die Autoren der so genannten Vulgatatradition zu nennen, die vor allem den dramatisch-romanhaften Aspekten von Alexanders Leben Beachtung schenkten, daher aber bisweilen nur wenig zuverlässig sind."
--> Diodor, Rufus, Justinus, Trogus, Plutarch
(Wikipedia: "Alexanderhistoriker")
- "Arrian hingegen war wenigstens um eine ansatzweise kritische Durchsicht des Materials bemüht. Wenngleich er dieses Ziel nicht in allen Punkten erreicht hat (so ist die positive Grundtendenz hinsichtlich Alexander offensichtlich), stellt sein Werk der allgemeinen Forschungsmeinung nach dennoch die zuverlässigste Alexandergeschichte dar, die uns überliefert ist, vor allem was die Ereignisgeschichte betrifft."
Arrian begründet es ja auch darin, dass es für einen König schändlich wäre, über das Geschehene zu lügen. Deshalb nahm Arrian Ptolemaios' Werk. Natürlich ist das zu bezweifeln, aber immerhin kennen wir die Quellen. Und sowohl Ptolemaios als auch Aristobulos (der auch Kallisthenes als Grundlage nahm) waren auf Alexanders Feldzuügen dabei.
Da ich nur Arrians Werk bei mir zu Hause habe, weiß ich nicht, welche Quellen die anderen benutzt haben. Werden die Quellen bei Rufus, Plutarch und den anderen überhaupt genannt?
Jedenfalls danke für die Aufklärung
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Γραικύλος schrieb am 05.02.2020 um 14:45 Uhr (Zitieren)
DNP schreibt s.v. "Alexanderhistoriker", nachdem er die Zeitgenossen abgehandelt hat: