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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod Alexanders des Großen #3 (559 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.02.2020 um 12:09 Uhr (Zitieren)
Hier wird auf die hübsche Anekdote, wem das Reich gehören solle, verzichtet und stattdessen in den Topf mit Verschörungstheorien gegriffen. Auch wenn der Philosoph Plutarch Distanz zu ihnen wahrt - berichten muß er sie doch.
III. DER BERICHT DES PLUTARCH: Parallelbiographien – Alexandros und Caesar (ca. 50 – 120 u.Z.)

75. Nachdem Alexander nun einmal den göttlichen Dingen gegenüber schwach, schreckhaft und ängstlich geworden war, war keine ungewohnte und seltsame Erscheinung so geringfügig, daß er sie nicht als Anzeichen und Vorbedeutung nahm, sondern das Königsschloß war voll von Leuten, die opferten, Reinigungszeremonien vollzogen, weissagten und Alexander mit albernen Ängsten erfüllten. So ist es eben; etwas Schlimmes ist Ungläubigkeit und Mißachtung der Götter; schlimm ist aber auch der Aberglaube, der wie Wasser immer in das tiefer Liegende hinabzieht ... [Lücke im Text].
Als jedoch die Orakel über Hephaistion von dem Gott eingegangen waren , legte er die Trauer ab und überließ sich wieder Festlichkeiten und Trinkgelagen. Nachdem er für Nearchos eine glänzende Bewirtung gegeben und danach, wie er es gewohnt war, ein Bad genommen hatte, war er im Begriff, sich zu Bett zu legen, ließ sich aber von Medios erbitten, noch zu einem Gelage zu ihm zu kommen. Dort trank er die ganze Nacht und den folgenden Tag und fiel darauf in ein Fieber - ohne den Becher des Herakles ausgetrunken oder plötzlich einen heftigen Schmerz im Rücken wie von einem Lanzenstich empfunden zu haben; sondern solche Dinge glaubten einige Leute schreiben zu müssen, um für ein großes Drama noch einen tragischen, hochpathetischen Ausgang zu erfinden. Aristobulos hingegen sagt, er habe, als er schon hohes Fieber hatte und heftigen Durst fühlte, Wein getrunken; darauf sei er in Fieberwahn verfallen und am Dreißigsten des Monats Daisios gestorben.

76. In den königlichen Tagebüchern steht jedoch folgender Krankheitsbericht. Am Achtzehnten des Monats Daisios schlief er im Badezimmer wegen des Fiebers. Am folgenden Tage zog er nach dem Bade ins Schlafzimmer und verbrachte ihn beim Würfelspiel mit Medios. Dann nahm er abends noch ein Bad, brachte den Göttern die Opfer, aß etwas und bekam nachts wieder Fieber. Am Zwanzigsten nahm er ein Bad, brachte wieder das gewohnte Opfer, lag im Bade und verbrachte die Zeit mit Nearchos, indem er sich von seiner Fahrt und dem großen Meere erzählen ließ. Am Einundzwanzigsten tat er dasselbe, wurde noch heißer, hatte eine schlechte Nacht und fieberte den folgenden Tag über stark. Er ließ sich wegbringen und lag an dem großen Schwimmteich. Jetzt sprach er mit den Generalen über die offenen Offiziersstellen, daß sie sie mit bewährten Leuten besetzen sollten. Am Vierundzwanzigsten hatte er hohes Fieber, ließ sich aber wegbringen, um die Opfer zu vollziehen, und befahl, daß die höchsten Offiziere sich am Hofe aufhalten und die unteren Chargen draußen übernachten sollten. Er ließ sich in das jenseitige Schloß bringen und schlief am Fünfundzwanzigsten ein wenig, aber das Fieber ging nicht zurück. Als die Generale kamen, konnte er nicht sprechen, ebenso am Sechsundzwanzigsten. Daher glaubten die Makedonen, er sei schon tot, kamen mit Geschrei an die Türen und stießen Drohungen gegen die Gardeoffiziere aus, bis sie ihren Willen durchsetzten. Die Türen wurden ihnen geöffnet, und sie zogen einer hinter dem andern im bloßen Unterkleid an dem Krankenbett vorbei. Am selben Tage wurden Python und Seleukos in den Serapistempel geschickt, um zu fragen, ob sie Alexander dorthin bringen sollten. Aber der Gott gab den Bescheid, sie sollten ihn an Ort und Stelle lassen. Am Achtundzwanzigsten gegen Abend starb er.

77. So steht es größtenteils wörtlich in den Tagebüchern geschrieben. Einen Verdacht auf Giftmord hegte in der ersten Zeit niemand. Erst im sechsten Jahre danach ließ Olympias , wie man sagt, auf Grund einer Anzeige viele töten und die Gebeine des schon verstorbenen Iolas aus dem Grabe reißen, weil er dem König das Gift kredenzt habe. Diejenigen, welche behaupten, daß Aristoteles dem Antipatros zu der Tat geraten habe und daß überhaupt durch ihn das Gift nach Asien geschafft worden sei, nennen einen gewissen Hagnothemis als ihren Gewährsmann, der es seinerseits von dem König Antigonos gehört habe. Das Gift sei eiskaltes Wasser gewesen, das von einem Felsen bei Nonakris als feiner Tau herabriesele; man fange es auf und verwahre es in einem Eselshuf, weil kein anderes Gefäß es fassen könne, sondern von der Kälte und Schärfe des Wassers zerfressen werde. Die meisten halten jedoch die ganze Erzählung von dem Giftmord für reine Erdichtung, und sie haben als nicht geringen Beweis dafür die Tatsache anzuführen, daß der Leichnam infolge des Streites der höchsten Führer viele Tage lang ungepflegt in der erstickend heißen Gegend dalag und dennoch keinerlei Zeichen einer solchen Zerstörung aufwies, sondern rein und frisch blieb.
Roxane war damals schwanger und wurde deshalb von den Makedonen hoch geehrt. Sie war eifersüchtig auf Stateira, verlockte sie durch einen gefälschten Brief, zu ihr zu kommen, und als sie kam, ließ sie sie samt ihrer Schwester töten und die Leichen in einen Brunnen werfen und verschütten, dies alles unter Mitwissen und Mithilfe des Perdikkas. Denn dieser stand sofort auf dem Gipfel der Macht, weil er gleichsam als Schutz und Schirm der königlichen Gewalt den Arrhidaios mit sich führte, der dem Philipp von einer Dirne niederer Herkunft namens Philinne geboren, aber geistig minderwertig war infolge einer körperlichen Krankheit, die ihm freilich nicht von Natur eigen war noch ihn von selbst befallen hatte, sondern er soll sogar, wie es heißt, als Kind gute Anlagen und einen nicht unedlen Charakter verraten haben, dann aber von Olympias durch ein Gift innerlich verdorben und um seinen gesunden Verstand gebracht worden sein.
... [Das Ende des Textes ist verloren.]

(Plutarch: Große Griechen und Römer. 6 Bde. Herausgegeben von Konrat Ziegler. München 1980; Bd. 5, S. 97-100)
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Republik Bayern schrieb am 02.02.2020 um 21:05 Uhr (Zitieren)
Tut mir Leid, falls ich dir etwas vorwegnehme, aber laut der zuverlässigsten der uns vorliegenden Quelle von Arrian heißt es:

,,οι δε και ταδε ανεγραψαν, ερεσθαι μεν τους εταιρους αυτον οτω την βασιλειαν απολειπει, τον δε υποκρινασθαι οτι τω κρατιστω."

Was bedeutet das "oti" vor "to kratisto"?
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Γραικύλος schrieb am 02.02.2020 um 23:06 Uhr (Zitieren)
Das kam ja schon bei Diodorus Siculus vor, dem ältesten antiken Autor, der das zitiert.
Arrian, nach der Zeitenwende lebend, kommt noch.

Welches Problem gibt es mit dem ὅτι (daß)?
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 03.02.2020 um 16:29 Uhr (Zitieren)
Rein syntaktisch leitet das ὅτι einen Nebensatz ein, der für die Antwort auf die Frage ὁτῷ τήν βασιλεῖαν απολεῖπει das damit benannte Prädikat nicht noch einmal aufführt/aufführen muß; man könnte es auch auffassen als einen ausgeschriebenen Doppelpunkt mit folgender direkter Rede.
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Republik Bayern schrieb am 04.02.2020 um 22:51 Uhr (Zitieren)
Ich hatte davor schon nachgesehen, und ja, es heißt "dass". Es wurde aber überhaupt nicht übersetzt. Deswegen war mir nicht klar, warum eine Konjunktion nicht übersetzt wird. "Er antwortet, dass 'dem Besten'" würde ja wenig Sinn ergeben.

Und mir ist bewusst, dass Arrian einer der späteren Quellen ist. Dennoch sind sich Historiker anscheinend einig, dass seine Quelle die zuverlässigste sei:
- "Arrian's Anabasis has traditionally been regarded as the most reliable extant narrative source for Alexander's campaigns." (Englischer Wikipedia-Eintrag zu "The Anabasis of Alexander")
- "All diese Werke, in denen Alexander sehr positiv betrachtet wurde, sind heute verloren, doch wurden Ptolemaios und Aristobulos beide von Arrian benutzt, der im 2. Jahrhundert n. Chr. eine Alexandergeschichte anfertigte."
--> Arrian
- "Zum anderen sind die Autoren der so genannten Vulgatatradition zu nennen, die vor allem den dramatisch-romanhaften Aspekten von Alexanders Leben Beachtung schenkten, daher aber bisweilen nur wenig zuverlässig sind."
--> Diodor, Rufus, Justinus, Trogus, Plutarch
(Wikipedia: "Alexanderhistoriker")
- "Arrian hingegen war wenigstens um eine ansatzweise kritische Durchsicht des Materials bemüht. Wenngleich er dieses Ziel nicht in allen Punkten erreicht hat (so ist die positive Grundtendenz hinsichtlich Alexander offensichtlich), stellt sein Werk der allgemeinen Forschungsmeinung nach dennoch die zuverlässigste Alexandergeschichte dar, die uns überliefert ist, vor allem was die Ereignisgeschichte betrifft."

Arrian begründet es ja auch darin, dass es für einen König schändlich wäre, über das Geschehene zu lügen. Deshalb nahm Arrian Ptolemaios' Werk. Natürlich ist das zu bezweifeln, aber immerhin kennen wir die Quellen. Und sowohl Ptolemaios als auch Aristobulos (der auch Kallisthenes als Grundlage nahm) waren auf Alexanders Feldzuügen dabei.

Da ich nur Arrians Werk bei mir zu Hause habe, weiß ich nicht, welche Quellen die anderen benutzt haben. Werden die Quellen bei Rufus, Plutarch und den anderen überhaupt genannt?

Jedenfalls danke für die Aufklärung
Re: Der Tod Alexanders des Großen #3
Γραικύλος schrieb am 05.02.2020 um 14:45 Uhr (Zitieren)
DNP schreibt s.v. "Alexanderhistoriker", nachdem er die Zeitgenossen abgehandelt hat:
Außer Iustinus, der nicht viel bietet, sind die einzigen ganz erhaltenen Autoren Plutarchos und Arrianos. Von Diodors Buch ist fast alles erhalten, von Curtius Rufus drei Viertel. Die zwei letzteren (und auch Iustinus) schöpfen meist aus einer gemeinsamen Quelle, wohl Kleitarchos, die man auch bei den anderen findet. Diese Tradition nennt man die Vulgata. Arrianos will hauptsächlich Ptolemaios und Aristobulos herangezogen haben, benützt aber oft Nebenquellen ohne verläßliche Angabe. Unser Alexanderbild beruht fast vollständig auf diesen Autoren. Ihre Auswertung ist methodisch schwierig und oft subjektiv.

Zu den Zeitgenossen heißt es übrigens:
Von den Augenzeugen scheinen nur Ptolemaios und Aristobulos alle Feldzüge beschrieben zu haben. Sie schrieben viele Jahre später, benutzten Kallisthenes und wohl auch inzwischen erschienene Werke, sind also keine Primärquellen.
 
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