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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine fabula, wie man sie nicht erwartet (578 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.02.2020 um 17:50 Uhr (Zitieren)
Syntipas
(fingierter Name)

SYNTIPAE PHILOSOPHI PERSAE FABULAE

Der Jüngling und die Alte
(ΝΕΑΝΙΣΚΟΣ ΚΑΙ ΓΡΑΥΣ)

An einem heißen Sommertag fand ein Jüngling unterwegs ein alt Weiblein, das desselben Weges zog. Als er sah, daß ihr vor Hitze und Ermüdung der Kopf schwindelte, erbarmte er sich ihrer Schwäche und Kraftlosigkeit, die ihr das Wandern verwehrte; so hob er sie vom Boden auf, lud sie auf seine Schultern und trug sie.

Wie er sie nun so trug, verleiteten ihn seine Gedanken zu bösem Gelüste [αἰσχρᾶς ἐπιθυμίας], und angestachelt von ungezügelter Begierde und plötzlicher Fleischeslust, straffte sich sein Glied. Sogleich legte er die Greisin auf den Grund und beschlief sie ganz hemmungslos. Sie fragte ihn ganz einfältig: „Was machst du da an mir? [τί ἐστιν, ὃ ἐπ‘ ἐμοῦ ργάζῃ;]“ Er sagte: „Du bist zu schwer, drum ist mein Vorhaben, einiges Fleisch von dir abzuhobeln. [βαρεία πέφυκας καὶ τούτου χάριν ἀπογλύψαι σου τῆς σαρκὸς διανενόημαι.]“ Als er nach diesen Worten sie tüchtig hergenommen hatte und fertig war, hob er sie wieder auf und lud sie auf seinen Rücken.

Als sie ein weiteres Stück Wegs gewandert waren, sprach die Alte zu ihm: „Bin ich dir noch immer zu schwere Last, so leg mich wieder hin und hoble mir noch ein Stück ab!“

Diese Erzählung lehrt [Ὁ μῦθος δηλοῖ], daß Manche bei Befriedigung ihrer eigenen Gelüste vorgeben, sie hätten in Unkenntnis gehandelt, und glauben daher, nicht jenes getan zu haben, sondern etwas Anderes und Geziemenderes.

Diese Fabel ist außer in der Editio princeps von Christian Friedrich Matthäi, Leipzig 1781 – Syntipae Philosophi Persae Fabulae LXII etc. – wohl wegen ihrer Obszönität nirgendwo anders zu finden.
Zu Syntipas, dessen Fabeln in das Corpus Aesopicum eingereiht werden, sei noch folgendes bemerkt. Diese Ausgabe beruht auf zwei in Moskau entdeckten Handschriften des 14./15. Jhdts. Es scheint, daß „Syntipas“ – sicher ein erfundener Name – auf griechische Fabeln zurückgeht, die ins Syrische übersetzt und dann wieder ins Griechische zurückübersetzt wurden, und zwar Ende des 11. Jhdts. von M. Andreopoulos. Daher stammt unser „Syntipas“.

(Fabeln der Antike. Herausgegeben und übersetzt von Harry C. Schnur. München 1978, S. 160 f.)

Zu dem, was diese Fabel lehrt, fällt mir heute anderes ein, als es der Schluß der Fabel sagt.
 
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