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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Koloß von Rhodos #3 (472 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.01.2020 um 16:14 Uhr (Zitieren)
5. Philon von Byzanz: Über die Mechanik

Rhodos ist eine Insel im Meer; einst war sie in der Tiefe verborgen, dann brachte Helios sie ans Licht, wobei er die so Erschienene sich von den Göttern als Eigentum erbat. Auf ihr stand ein Koloß von 70 Ellen, gestaltet nach Helios: Das Bild des Gottes nämlich ließ sich an seinen Attributen erkennen.
So viel Erz verwendete der Künstler, daß die Erzgruben am Versiegen waren, ja die Anfertigung des Werkes war eine Bronzearbeit der ganzen Welt. Hat nicht deshalb Zeus den Rhodiern gewaltigen Reichtum gegeben, damit sie ihn zur Ehre des Helios aufwenden, indem sie das Bild des Gottes Schicht für Schicht von der Erde in den Himmel hinaufführen?
Dieses also sicherte der Künstler nach innen mit eisernen Rahmen und mit würfelförmigen Steinen, deren Querverklammerungen eine kyklopische Hammerbearbeitung aufweisen. Der verborgene Teil der Arbeit ist großartiger als der sichtbare, und der staunende Betrachter fragt sich, mit wie gearteten Feuerzangen, wie großen Ambossen oder wie viel Arbeitskraft die so schweren Stangen bearbeitet wurden.
Der Künstler legte eine Basis aus weißem Marmor zugrunde und errichtete auf ihr die Füße des Kolosses bis zu den Sprung-Gelenken; dabei beachtete er die Maßverhältnisse, nach denen der Gott 70 Ellen hoch werden sollte: Die Fußsohle auf der Basis übertraf bereits die [Höhe von] anderen Statuen. Daher also war es nicht möglich, das Übrige anzuheben und darauf zu stellen; man mußte vielmehr die Knöchel oben aufgießen und so das ganze Werk wie beim Hausbau darauf errichten. Und während sonst die Künstler Statuen vorweg formen, dann in Glieder zerlegt gießen und schließlich zusammengefügt aufstellen, hat dieser nach dem ersten Guß den zweiten Teil darauf geformt; nach dessen Bearbeitung wurde der dritte auf ihn gebaut. Und danach verfolgte er immer wieder denselben Plan der Ausführung. Es war ja nicht möglich, die Metallglieder zu transportieren. Wenn der Guß auf den zuvor vollendeten Arbeiten geschehen war, sicherte man die Abstände der Verklammerungen und das Gestell des Rahmens und befestigte den Ballast aus einge-füllten Felssteinen; damit während der Ausführung der Plan unerschüttert bewahrt bleibe, schichtete man jeweils rings um die noch unvollendeten Teile des Kolosses eine riesige Menge von Erd-Aushub, womit man das bereits Fertiggestellte unterirdisch verbarg und den Guß der nächsten Stücke gleichsam auf ebener Erde durchführen konnte.
So erreichte der Künstler allmählich den Höhepunkt seiner Hoffnungen, und mit einem Aufwand von 500 Talenten Bronze und 300 Talenten Eisen schuf er den Gott dem Gotte gleich, womit er kühn ein großes Werk errichtet hat: Einen zweiten Helios hat er der Welt geweiht!

(zitiert nach: Kai Brodersen: Die sieben Weltwunder. Legendäre Kunst- und Bauwerke der Antike. München 4. Aufl. 2001, S. 88 f.)
 
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