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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Hitler erpreßt Hácha (493 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 03.01.2020 um 18:46 Uhr (Zitieren)
„Der Führer wird bald kommen, haben Sie noch etwas Geduld“, sagte Feldmarschall Göring. „Möchten Sie einen Tee, Herr Präsident?“
Emil Hácha, an diesem 14. März des Jahres 1939 nach Berlin zitiert, machte sich über die Freundlichkeit seines Gegenübers keine Illusionen. Er knetete seine Finger und ja, er bat um eine Tasse Tee, Kräutertee nach Möglichkeit. Göring schnippte in die Richtung eines Adjutanten.

Es wurde noch eine zweite und dritte Tasse Tee, die Hácha trank, sodaß er sich schon Gedanken machte, ob er auf die Toilette müßte, gerade wenn Hitler endlich eintraf.

Der Führer hielt es für seiner Würde angemessen, den tschechoslowakischen Präsidenten anderthalb Stunden warten zu lassen. Das gab diesem das richtige Gefühl für die Wichtigkeit des Mannes, mit dem er es zu tun hatte. Endlich aber betrat er doch die weite Halle seines Arbeitszimmers in der Neuen Reichskanzlei. Die SS-Wachen am Eingang salutierten zackig, und der Adjutant brüllte: „Der Führer und Kanzler des Deutschen Reiches, Sieg Heil!“ Göring reckte den Arm zum Deutschen Gruß. Hácha enthielt sich jeder Geste. Er mußte auf die Toilette. Er wagte es nicht, wie ein Schuljunge um die Erlaubnis zu bitten.

Man nahm am Konferenztisch Platz, und Hitler ergriff ohne Einleitungsfloskeln, ohne jede diplomatische Höflichkeit das Wort: „Herr Hácha, Sie wissen, warum wir hier zusammengekommen sind. Die Umstände erfordern es, daß das Deutsche Reich den Schutz der Tschechei übernimmt, nachdem die Slowakei soeben ihre Selbständigkeit erklärt hat. Die Tschechoslowakei, dieses Kunstprodukt des Diktatfriedens von Versailles, St. Germain und Trianon, ist damit Geschichte. Die Rest-Tschechei benötigt einen starken Bündnispartner, der ihre Existenz garantiert. Und diese Garantie kann sie nur bekommen als Protektorat der stärksten Macht in Europa, des Deutschen Reiches. Darüber will ich mich heute mit Ihnen einigen.“

Vorsichtig erwiderte Hácha: „Wir haben gegen das glimpfliche Mittel, einander friedlich und gelassen zu verständigen, nichts einzuwenden. Nur scheinen die kriegerischen Anstalten, die bereits vor der Tür und nicht mehr in weiter Ferne sind, nicht damit übereinzustimmen. Denn wir sehen es deutlich genug, daß Sie als Richter über das, was man hier sagen wird, auftreten, und daß allem Anschein nach der Ausgang der sein wird, daß, wenn wir das Recht auf unserer Seite behalten und demzufolge nicht nachgeben, der Krieg, falls wir aber nachgeben, die Sklaverei auf uns wartet.“

Hitler entgegnete forsch: „Wenn Sie hierhergekommen sind, einen Haufen argwöhnische Mutmaßungen von künftigen Dingen auszuhecken, und nicht in der Absicht, nach Maßgabe der gegenwärtigen Umstände, die Sie vor Augen haben, wegen Ihres Besten einen Beschluß zu fassen, so wollen wir ein kurzes Ende machen; ist das letztere aber Ihre Absicht, so wollen wir weiter reden.“

Hácha antwortete verbindlich: „Es ist ganz natürlich und uns leicht zugute zu halten, daß wir bei so kritischen Umständen in unseren Reden und Gedanken auf einen Haufen Dinge geraten. Indessen geht es freilich bei dieser Zusammenkunft um unsere Rettung. Wir wollen also, wenn es Ihnen so beliebt, in der Weise, die Sie vorschlagen, weiter davon sprechen.“

Darauf Hitler: „Wir wollen also auch mit großen Worten, daß uns durch die Wiederherstellung deutschen Rechts durch deutsche Waffen die Herrschaft von Rechtswegen zukomme, und daß wir als beleidigter Teil, denken Sie nur ans unsere sudetendeutschen Volksgenossen, von Rechtswegen die Waffen gegen die Tschechei ergreifen, kein weitläufiges und eben deswegen verdächtiges Aufheben machen. Wir glauben aber auch nicht, daß Sie sich einbilden, Sie würden uns durch dergleichen Vorspiegelungen, wie daß Sie als Bündnispartner Englands und Frankreichs nicht mit dem Deutschen Reich zu Felde gehen können oder daß Sie uns nichts zu Leide getan haben, überzeugen, sondern daß Sie vielmehr sich zu dem verstehen werden, was nach Maßgabe unserer beider wahren Gesinnungen möglich und tunlich sein wird, mit Rücksicht darauf, daß Sie es mit Leuten zu tun haben, die wohl wissen, daß man das genaueste Recht in menschlichen Angelegenheiten nur unter Personen, die sich in einerlei Umständen befinden, zum Maßstabe seiner Entscheidungen machen kann; wer hingegen überlegene Macht in Händen hat, der geht, so weit er kann, und der Schwächere muß sich darein fügen.“

Standhaft wandte der tschechische Präsident ein: „Unseres Erachtens aber besteht (weil Sie doch in dem, was Sie sagen, mit Beiseitesetzung der Gerechtigkeit, bloß auf das Übergewicht des Vorteils gehen), der wahre Nutzen darin, daß man die allgemeinen Vorteile der menschlichen Gesellschaft nicht aufhebe, sondern gegen einen Bedrängten allemal die Gesetze der natürlichen Billigkeit, sollte es auch nicht eben nach dem strengsten Recht gehen, auf seine Vorstellung hin zu statten kommen lasse. Dies geht Sie vorzüglich an, da Sie sonst, falls es Ihnen einmal mißlingen sollte, durch die nachdrücklichste Rache anderen als Beispiel dienen würden.“
Mit erhobener Stimme rief Hitler, die Warnung spürend: „Wegen der Beendigung unsrer Herrschaft, wenn wir die jemals erleben sollten, machen wir uns keinen Kummer. Wer über andere herrscht wie selbst die Briten, ist deswegen den Überwundenen nicht gleich lästig und furchtbar. Sodann haben wir es nicht mit den Engländern und Franzosen zu tun, sondern es kommt hier darauf an, ob ein schwacher Staat sich gegen seinen Oberherrn auflehnen und damit durchkommen soll. Über diesen Punkt also mögen Sie uns die Sorge nur überlassen. Jetzt will ich Ihnen nur erklären, daß die Absicht unseres Hierseins die ist, die Vorteile unserer Regierung im Auge zu behalten und unsere gegenwärtigen Verhandlungen die Rettung Ihres Staates zum Gegenstande haben. Meine Meinung geht dahin, daß wir ohne großen Ärger über die Tschechei herrschen wollen und Sie auf eine beiden zuträgliche Art Unglück vermeiden mögen.“

Hácha, dessen Anspannung wuchs, erwiderte: „Wie sollte doch das zugehen, daß es unseren Vorteilen ebenso gemäß wäre, dienstbar zu sein, als Ihnen, zu herrschen?“

Dem entgegnete Hitler bestimmt: „Es wird Ihnen doch gewiß zuträglicher sein, daß Sie genau das sich zum Ziel setzen, als daß Sie sich die härtesten Begegnungen zuziehen; und wir werden ebenfalls dabei gewinnen, wenn wir Ihren Staat nicht zu Grunde richten.“
Vorsichtig fragte Hácha: „So werden Sie also nicht damit zufrieden sein, daß wir in Ruhe und Friede statt Feinde eure Freunde sind, ohne es im Falle eines künftigen Krieges mit einem Teil zu halten?“

Darauf Hitler, kühl und arrogant: „Da Ihre Feindschaft uns nicht so nachteilig ist, als Ihre Freundschaft bei anderen Staaten einen Beweis von unserer Schwäche abgeben, euer Haß hingegen unsere Macht zu Tage legen würde, so sind wir es freilich nicht.“

Hácha aber sagte: „So? Schließen Ihre Bündnispartner, wie zum Beispiel die Italiener, so vernünftig, daß sie unter Leuten, die Sie nichts angehen, und unter solchen, die deutschstämmig sind wie die Südtiroler und zum Teil nach geschehenem Abfall von Deutschland annektiert werden sind, keinen Unterschied machen?“

Hitler lachte höhnisch: „Ha! Gründe, sich zu rechtfertigen, das wissen wir wohl alle, sind leicht zur Hand. Allein wenn jene den Platz behalten, werden sie es immer ihrer Macht zuschreiben und es, wenn wir ihnen nicht zu Leibe gehen, als eine Wirkung unserer Furcht ansehen, daß also, außer der Erweiterung unserer Herrschaft, eure Bezwingung selbst zu ihrer Befestigung dienen wird, wenn Sie diesmal nicht durchdringen, zumal in dem Verhältnis, worin die Tschechei als kleiner Nachbarstaat gegen uns als eine Großmacht steht, weil Sie sogar einer von den schwächsten Staaten sind.“

Nun wallte in dem sonst so ängstlichen Hácha der Zorn auf: „So? Dabei glauben Sie Ihre Rechnung nicht zu finden? Denn wir müssen doch wohl, nach Ihrem Beispiel, da Sie uns von den Untersuchung der Gerechtigkeit abbringen und uns nach Ihren Vorteilen zu richten bereden wollen, ebenfalls einen Versuch machen, ob wir so glücklich sein können, Sie zu überzeugen, daß unsere Vorteile auch den Ihrigen gemäß sind. Können Sie sich also wohl vorstellen, daß Sie nicht durch ein solches Verfahren alle die, die sich in einem künftigen Kriege für keine von den beiden Parteien erklärt haben, wider euch zu den Waffen bringen werden, wenn sie aus unserem Beispiele schließen müssen, daß die Reihe sie auch treffen wird? Und was werden Sie dadurch anderes erhalten, als daß Sie Ihre wirklichen Feinde nur mutiger machen und die, die es zu werden nie im Sinn gehabt haben, gegen ihre Neigung dazu reizen?“

Nun schaltete sich Göring mit gewohnter Großspurigkeit in das Gespräch ein: „Ha! Das sind unseres Erachtens nach keine fürchterlichen Feinde, die auf einer Insel wohnen wie die Briten und unter unendlichen Bedenklichkeiten ihre Maßregeln zur Sicherung ihrer Freiheit gegen uns nehmen möchten, wohl aber unsere Nachbarstaaten, die entweder unter keiner Herrschaft stehen wie Ihrer, oder die durch den Zwang, wodurch sie in Unterwürfigkeit erhalten werden, aufgebracht sind. Denn diese handeln gewöhnlich blindlings, wenn es um ihre Unabhängigkeit geht, und würden folglich sich selbst wie auch uns in augenscheinliche Gefahr stürzen.“

„Nun“, entgegnete Hácha, „wenn Sie es sich so sauer werden lassen, Ihre Vormacht nicht zu verlieren, und die, die bereits in Abhängigkeit geraten sind, ein gleiches tun, um sie wieder los zu werden, so müßten wir, die wir noch im Besitz der Freiheit sind, wohl recht feige und verzagte Memmen sein, wenn wir nicht alles in der Welt versuchten, ehe wir uns in das Joch bequemten.“

Darauf Göring: „Nein, wenn Sie vernünftig zu Werke gehen wollen, so werden Sie das nicht tun. Es kommt hier nicht auf den Ruhm der Tapferkeit an, sodaß die Parteien gleich wären und Sie nur darauf zu achten hätten, sich keine Schande zu machen, sondern Sie sollten vielmehr auf Ihre Rettung bedacht sein, daß Sie nicht einem Ihnen weit überlegenen Feinde die Stirn bieten.“

Hácha wiegte seinen Kopf: „Ach, wir wissen, daß im Kriege das Glück sich nicht allemal auf die Seite der überlegenen Macht schlägt. Sodann würden wir, sollten wir uns jetzt unterwerfen, alle Hoffnung auf einmal aufgeben; wagen wir hingegen etwas, so haben wir immer noch Hoffnung, uns aufrechtzuerhalten.“

Nun übernahm wieder Hitler das Wort: „Es ist wahr, die Hoffnung kann einen in Gefahr aufrichten, wenn man dabei genügend Mittel, sich zu helfen, in Händen hat. Wenn sie einem in solchem Fall auch schadet, so richtet sie einen doch nicht völlig zugrunde. Allein wer sein ganzes Glück daran wagt (wie sie denn ihrer Natur nach eine verschwenderische Leidenschaft ist), der lernt sie bei seinem Unfall zu spät kennen und hat nachher keine Zuflucht mehr, wo er sich nach Erlangung dieser Einsicht dagegen schützen könnte. Und dazu lassen Sie es doch, unter Berücksichtigung Ihrer Schwäche, und da alles auf einen Wurf ankommen wird, ja nicht kommen, damit es Ihnen nicht so gehe wie manchen, die sich durch natürliche Mittel noch hätten retten können, dagegen aber bei dringender Gefahr und bei Verlust aller sichtbaren Hoffnung auf allerlei verborgene und dunkle Beruhigungsgründe aufgrund leerer Hilfsversprechen und dergleichen Dingen mehr gründen, die einen trotz der besten Hoffnung ins Verderben stürzen.“

Hácha, der immer unruhiger wurde, entgegnete: „Freilich (und das wissen Sie mehr als gut) kommt es uns sehr hart vor, daß wir es gegen einen so mächtigen Staat, wie der Ihrige ist, aufnehmen und mit so ungleichen Kräften dem Glück Trotz bieten sollen. Indessen haben wir das Zutrauen, Gott werde uns in Ansehung des Glücks nicht unterliegen lassen, da wir einem unbefugten Angreifer die gerechtesten Waffen entgegenzusetzen haben. Und was uns an Macht abgeht, das werden wir uns hoffentlich von dem Beistand der Briten und Franzosen, vermöge unseres Bündnisses mit ihnen, zu versprechen haben, wozu sie sich, wenn sie auch sonst nichts dazu nötigte, durch die die Empfindungen der Ehre gedrängt sehen werden. Unsere Unerschrockenheit ist folglich nicht ganz und gar unbegründet.“

Hitler erwiderte stolz: „Was den Schöpfer anlangt, so glauben wir, daß sein Gnade uns ebenso zuteil werden wird, da unsere Grundsätze und unser ganzes Verfahren weder gegen die von allen Menschen angenommenen Ansichten über ihn noch gegen seine persönlichen Neigungen streiten; denn wir sind der Meinung, daß der Schöpfer selbst nach den allgemeinen Begriffen, die wir uns davon machen, und ebenso die Menschen einer unleugbaren Erfahrung und natürlichen Notwendigkeit zufolge überall über die zu gebieten haben, denen sie an Macht überlegen sind. Nach diesen Gesetzen richten wir uns. Das ist ein Gesetz, das wir weder zuerst aufgebracht noch zum ersten Mal seit dessen Dasein in Übung gebracht haben, sondern das wir bereits vor uns gefunden haben und auch auf unsere spätesten Nachkommen vererben werden. Ja, wir sind fest davon überzeugt, daß Sie selbst und ein jeder andere, der sich in dem Besitz einer gleichen Macht befände, wie wir sie besitzen, ebenso handeln würden. So sind wir, was den Schöpfer angeht, mit gutem Grunde ohne Sorge, daß wir uns auf seinen Beistand weniger verlassen können sollten als Sie. Und was Ihre gute Meinung von den Briten und Franzosen betrifft, weshalb Sie glauben, sie sollen den Tschechen wegen ihrer Ehre zu Hilfe kommen, so schätzen wir Sie in der Tat wegen Ihrer unschuldigen Ehrlichkeit glücklich; allein wegen Ihrer dadurch bewiesenen Einfalt können wir Sie nicht beneiden. Untereinander und wenn es auf ihre Landesgebräuche ankommt, handeln die Briten und Franzosen in der Tat meistenteils nach tugendhaften Grundsätzen. Allein wie sie mit anderen umgehen, davon ließe sich manches sagen; und sollten wir’s mit einem Wort ausdrücken, so messen sie auf die augenscheinlichste Art von der Welt die Tugend nach dem, was ihnen angenehm ist, und die Gerechtigkeit nach ihren Vorteilen ab. Und eine solche Denkungsart verspricht Ihnen in der Tat gegenwärtig keine so übernatürliche Rettung.“

Hácha beharrte: „Ebendiese Betrachtung ihrer Vorteile bestärkt uns am meisten in unserer Hoffnung, daß sie durch Aufgabe der Tschechen, ihres eigenen Bündnispartners, nicht an einem gegen sie so wohlgesinnten Staat so treulos und ihren Feinden zum Vorteil handeln werden.“

Hitler erwiderte listig: „Also würden doch nach eurer Ansicht der vorteilhafteste Weg der sicherste, gerechte und ehrenhafte Taten hingegen mit vielen Gefahren verknüpft sein. Allein sich hierin zu wagen, ist gewöhnlich der Briten Sache nicht.“

Hácha blieb hartnäckig: „Wir sind davon überzeugt, sie werden unseretwegen am wenigsten die Gefahr scheuen, sondern daß sie fest daran glauben, an uns vor anderen zuverlässige Freunde zu haben, da wir in Ansehung wirklich zu erwartender Dienstleistungen den Westeuropäern so nahe liegen, und, was unsere Überzeugungen betrifft, sie vermöge unserer freundschaftlichen Gesinnung auf unsere Treue mehr als die anderer bauen können.“

Hitler gab sich selbstsicher: „Ganz gut; allein wer sich jemandem zu Gefallen so anstrengt, der setzt diesen Grund seines Vertrauens nicht sowohl auf die noch so guten Gesinnungen derer, die ihn um Hilfe ansprechen, als auf die wirkliche Überlegenheit ihrer Macht. Und darauf sehen die Briten mehr als irgend jemand; eben das Mißtrauen, das sie in ihre eigenen militärischen Rüstungen setzen, ist die Ursache, daß sie ihren Feinden mit möglichst zahlreichen Bundesgenossen zu Leibe gehen. Es ist folglich wenig Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß sie von ihrer Insel übersetzen werden, da wir die Herren zu Lande sind.“

Hácha gab nicht auf: „Sie werden schon sonst jemanden zu schicken haben. Und dann sind Deutschlands Grenzen von großem Umfange, so daß es selbst denen, die über ein großes Heer verfügen, schwerer fällt, aller Feinde Herr zu werden, als denen, die dem Gegner aus dem Wege gehen wollen, zu entkommen. Wenn ihnen aber auch das fehlschlagen sollte, so werden sie Sie in Ihrem eigenen Lande und in dem Gebiet der übrigen Bundesgenossen heimsuchen, so daß Sie also in Ihrem eigenen Lande und bei Ihren Bundesgenossen genug zu tun finden werden, ohne daß Sie sich um ein Land, das Sie nichts angeht, zu bekümmern brauchen.“

Nun schaltete sich wieder Göring ein, der hierin auch die Andeutung eines gerade ihn betreffenden Luftkrieges verstand: „Wie dieses laufen würde, können Sie wohl schon aus Erfahrung wissen, da Ihnen nicht unbekannt sein kann, daß die Deutschen noch nie aus Furcht vor anderen einen Krieg aufgegeben haben. Dazu war schon Verrat notwendig.“

Hitler, der zunehmend ungeduldig wurde, hielt es jetzt für an der Zeit, ein Schlußwort zu sprechen: „Es erscheint mir doch bedenklich, daß Sie in einer Zusammenkunft, worin Sie angeblich über die Mittel, Ihnen zu helfen, beraten wollen, nach so vielem Reden noch nicht das Geringste davon erwähnt haben, wovon sich irgendein Mensch in Ihrer akuten Lage tatsächlich seine Rettung versprechen könnte, sondern Ihre stärksten Stützen beruhen auf künftigen Hoffnungen in weiter Zukunft, dagegen sieht es um Ihre gegenwärtige Lage gegenüber der Ihnen wirklich drohenden Gefahr sehr schlecht aus. Und Sie werden sehr unvernünftig zu Werke gehen, wenn Sie uns nicht durch einen gescheiteren Entschluß als der bisherige es ist, noch auf andere Gedanken zu bringen suchen. Denn Sie werden Sich doch niemals durch eine unpassende Scham bestimmen lassen, die schon so viele Menschen bei derartigen schimpflichen und plötzlichen Gefahren unglücklich gemacht hat. In der Tat, so geht es machen, daß sie bei dem sichtlichen Anblick des Unglücks, in das sie rennen, sich trotzdem durch ihre Begriffe von sogenannter Schande und die Macht eines verführerischen Namens, der sie nicht widerstehen können, hinreißen lassen, daß sie mit Wissen und Willen sich die schrecklichsten Unfälle über den Hals ziehen, so daß ihnen ihre Torheit noch weit mehr zur Schande gereicht als ihr Unglück. Dies werden Sie also, wenn Sie vernünftig vorgehen wollen, zu verhüten suchen und es sich nicht zur Schande anrechnen, daß Sie einem der mächtigsten Staaten seine maßvollen Forderungen bewilligen, die darin bestehen, daß Sie unter seinem Protektorat und unter Zahlung eines finanziellen und materiellen Beitrags ruhig im Besitz des Ihrigen bleiben. Selbst Präsident können Sie bleiben, Herr Hácha. Sie haben die Wahl zwischen Krieg und einem sicheren Frieden; lassen Sie sich durch den Kitzel zum Kriege nicht zum schlimmsten verleiten. Der kommt am besten zurecht, der seines Gleichen die Stirn bietet, Mächtigeren als er gut entgegenkommt, und Geringeren schließlich maßvoll begegnet. Besinnen Sie sich also wohl, was Sie tun, auch nach dem Ende unseres Gespräch, und bedenken Sie, daß Ihr Vaterland von Ihrer Entscheidung abhängt, daß Sie nur eines daran zu wagen haben, und daß ein einziger Beschluß, je nachdem er glücklich oder mißlich ausfällt, das Schicksal Ihres Landes bestimmen wird.“

Am folgenden Tage, dem 15. März 1939, stimmte der tschechische Präsident Emil Hácha den deutschen Forderungen zu, unterstellte sein Land dem deutschen Protektorat und gestattete der Deutschen Wehrmacht dessen militärische Besetzung. Hácha selbst blieb Präsident, wenn auch unter der Aufsicht eines deutschen Reichsprotektors.

Es wird dem aufmerksamen Leser auffallen, daß ich mich zur Ausgestaltung dieses historischen Gesprächs, dessen Details wir nicht kennen, eines berühmten Textes aus der Antike bedient habe.
Ich war überrascht, wie glatt das möglich ist, indem man nur ein paar Namen und einige territoriale Details auswechselt.

Das gibt zu denken, denn im Original waren diese Erpresser ja keine Tyrannen, keine Dikatoren, sondern nannten sich Demokraten.
Re: Hitler erpreßt Hácha
Gast schrieb am 04.01.2020 um 10:57 Uhr (Zitieren)
Es wird dem aufmerksamen Leser auffallen, daß ich mich zur Ausgestaltung dieses historischen Gesprächs, dessen Details wir nicht kennen, eines berühmten Textes aus der Antike bedient habe.

Kannst du einen kleinen Tipp geben?
Re: Hitler erpreßt Hácha
filix schrieb am 04.01.2020 um 12:05 Uhr (Zitieren)
Zitat von Gast am 4.1.20, 10:57
Kannst du einen kleinen Tipp geben?



Das antike Vorbild der Tschechoslowakei ist hier eine Insel.
Re: Hitler erpreßt Hácha
Γραικίσκος schrieb am 04.01.2020 um 15:09 Uhr (Zitieren)
Es lag nicht in meiner Absicht, ein Rätsel oder gar ein Geheimnis aus der Quelle zu machen; ich dachte, sie sei hier bekannt, zumal es sich um einen der berühmtesten Texte der Antike handelt: den Dialog (wenn man es denn so nennen will) der athenischen Gesandten mit den Repräsentanten der Insel Melos (Thukydides V 84-113).

Melos wollte sich als ursprünglich spartanische Gründung nicht von Athen in einen Krieg gegen Sparta hineinziehen lassen und war überhaupt der Meinung, daß ein solcher Krieg nicht im Sinne des Delisch-Attischen Seebundes sei, dem sie sich zum Zweck der Verteidigung gegen die Perser angeschlossen hatten.
Athen hingegen verlangte Unterwerfung und Gehorsam.

Die spezielle Beziehung, die Melos zu Sparta hatte, mußte ich durch das Bündnis der Tschechoslowakei mit Großbritannien und Frankreich ersetzen.

Das ist zugleich die schwache Stelle dieser Adaption, denn ich vermute, daß Hácha schon seit der Münchner Konferenz von 1938, bei der diese beiden Mächte die Tschechoslowakei schamlos im Stich gelassen hatten, ahnte, daß er sich hier an einen Strohhalm klammerte.
Die Melier hingegen vertrauten wohl ernsthaft darauf, daß Sparta ihnen beistehen werde. Allerdings war auch dieses Vertrauen zum Scheitern verurteilt.
Insofern paßt es dann doch wieder.
Re: Hitler erpreßt Hácha
Γραικίσκος schrieb am 04.01.2020 um 18:19 Uhr (Zitieren)
Klarerweise kommt es hier auf die Argumentation an und daß man von dieser beinahe nichts zu ändern braucht. Wollte man sich Hitlers Sprachduktus stärker annähern, ginge einiges von Themistokles verloren.
Re: Hitler erpreßt Hácha
Gast schrieb am 04.01.2020 um 18:29 Uhr (Zitieren)
Danke. Da hat mir auch Google nicht geholfen.
 
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