ανδρεας schrieb am 16.08.2013 um 20:16 Uhr (Zitieren)
Gestern kam auf arte ein Bericht über diesen im Jahre 1900 geborgenen Fund. Man hat 100 Jahre gebraucht, um herauszufinden, dass es sich um ein ganz erstaunliches astronomisches mechanisches mit filigranen Zahnrädern ausgestattetes Gerät zur Bestimmung der Umläufe von Sonne, Mond und den damals bekannten Planeten handelt. Es war erstaunlich präzise und gilt als erster analoger Computer der Menschheit, ist etwa so groß wie ein Aktenkoffer und enthält eine Bedienungsanleitung auf der Vorder- bzw. Rückseite ! Gebaut wurde es vor mehr als 2000 Jahren.
Man vermutet, es stamme aus der Werkstatt des Archimedes. Cicero hat es bereits beschrieben, aber niemand wusste, was dahintersteckte.
Es hat 1500 Jahre gebraucht, bis man in Europa wieder solche Geräte bauen konnte. Faszinierend und bedrückend zugleich (welch eine Vergeudung von Wissen).
Re: Mechanismus von Antikithera
Γραικίσκος schrieb am 17.08.2013 um 17:33 Uhr (Zitieren)
Das erinnert mich an etwas. Irgendwo ist mir das schonmal untergekommen. Kann es sein, daß wir hier einmal darüber gesprochen haben?
Re: Mechanismus von Antikithera
ανδρεας schrieb am 17.08.2013 um 18:42 Uhr (Zitieren)
Hier noch nicht, soweit ich meine. Die Suchfunktion ergab nichts.
Re: Mechanismus von Antikithera
Γραικίσκος schrieb am 17.08.2013 um 19:58 Uhr (Zitieren)
Γραικίσκος schrieb am 17.08.2013 um 20:00 Uhr (Zitieren)
Ein gewisser ανδρέας hat damals auf meinen Hinweis geantwortet.
Re: Mechanismus von Antikithera
ανδρεας schrieb am 18.08.2013 um 11:10 Uhr (Zitieren)
Tatsächlich! Ist mir völlig entfallen (astrolabium hatte ich nicht als Suchwort eingegeben). Der arte- Bericht hat mich völlig fasziniert.
Re: Mechanismus von Antikithera
Γραικίσκος schrieb am 18.08.2013 um 11:57 Uhr (Zitieren)
Die Relation von dem, was man weiß, zu dem, was man vergessen hat, verschiebt sich im Laufe des Lebens, fürchte ich, immer mehr zugunsten des letzteren.
Mir hatten damals die Zahnräder imponiert. Dieses Astrolabium gilt ja als bislang einziger Beweise dafür, daß die Antike sowas schon kannte.
Re: Mechanismus von Antikithera
Γραικίσκος schrieb am 18.08.2013 um 11:58 Uhr (Zitieren)
Beweise Beweis
Re: Mechanismus von Antikithera
ανδρεας schrieb am 18.08.2013 um 12:24 Uhr (Zitieren)
Wir gehen heute davon aus, dass sich das Wissen stets erweitern wird. Offenbar geht es abermanchmal auch verloren. Vielleicht werden die Menschen in 1000 Jahren durch eine Katastrophe wieder auch den Stand des Mittelalters zurückgeworfen.
Re: Mechanismus von Antikithera
Γραικίσκος schrieb am 18.08.2013 um 12:32 Uhr (Zitieren)
Geht eigentlich auch im Internet Wissen verloren? Natürlich könnte das Internet selber eines Tages kollabieren, aber so lange es existiert?
Früher dachte ich, das Internet-basierte Wissen werde an seiner Überfülle ersticken; doch nun wissen wir - den Geheimdiensten sei Dank! -, daß die Entwicklung von Suchprogrammen damit durchaus Schritt hält.
Ist das Internet das kollektive Gedächtnis der Menschheit? Und ist es zuverlässiger als das individuelle Gedächtnis?
Re: Mechanismus von Antikithera
ανδρεας schrieb am 18.08.2013 um 13:57 Uhr (Zitieren)
Unsere Welt besteht aus Elektronik und speist sich aus Öl, Gas usw.. Sie ist sehr anfällig. Schon wenn das Stromnetz 1 Woche ausfällt, bricht das schiere Chaos aus: keine Computer, kein Tanken, keine Lebensmittelversorgung, keine Heizung, Krankenhäuser und Geldautomaten fallen aus, die Kasse im Supermarkt funktioniert nicht und in den Häfen kann die Fracht nicht mehr gelöscht werden. Eisenbahn und Industrie brechen zusammen. Einziger Trost: das Finanzamt kann nicht mehr arbeiten. Auslöser können kosmische Ereignisse sein, Wetterereignisse usw. oder einfach nur ein Hackerangriff im Winter auf z.B. das europäische Stromnetz (die Länder sind von der präzisen Koordination der Spannung nach jeweiligem Bedarf abhängig). Ohne elektrischen Dosenöffner verhungern vermutlich magersüchtige, beruftätige junge Frauen schon nach wenigen Tagen (Entschuldigung). Die Zivilisation würde zusammenbrechen. Elektronische Speichermedien halten vielleicht wenige Jahrzehnte, sind also historsch gesehen ungeeignet. Naturvölker würden das sicher überstehen - aber 7 Mrd. Menschen, die alle Hunger haben und von funktionierender Elektronik abhängen?
Re: Mechanismus von Antikithera
Γραικίσκος schrieb am 18.08.2013 um 14:37 Uhr (Zitieren)
- Das Stromnetz kann ausfallen, klar. Die Folgen schilderst Du zutreffend. Aber dann sind die Daten nicht unwiderbringlich verloren, sie sind nur zeitweilig nicht zugänglich, oder?
- Die elektronischen Speichermedien haben eine begrenzte Lebensdauer, d'accord. Aber man kann die Daten kopieren.
Soweit ich sehe, sind heute eine Menge elektronisch gespeicherter Daten nicht prinzipiell verloren, sondern 'nur' praktisch (FloppyDiscs, Disketten usw.), weil ihre Übertragung auf zeitgemäße Medien zu aufwendig (teuer) wäre.
Sehe ich das so richtig?
Ich denke an Frank J. Tiplers ("Die Physik der Unsterblichkeit") einstige These, alle Daten - inkl. Bewußtseinsinhalte -, die uns ausmachen, seien für die Ewigkeit bewahrbar.
Seine Argumente wiederzugeben, würde mich im Moment überfordern. Es war (ist?) ein provokantes Buch, zumal es, soweit ich mich erinnere, rein physikalisch argumentiert; die schiere Datenmenge war für Tipler kein unlösbares Problem.
Ob das alles heute noch gilt - ich weiß es nicht.
Re: Mechanismus von Antikithera
Γραικίσκος schrieb am 18.08.2013 um 14:38 Uhr (Zitieren)
Γραικίσκος schrieb am 18.08.2013 um 14:40 Uhr (Zitieren)
Das Buch stammt aus dem Jahre 1994:
Re: Mechanismus von Antikithera
arbiter schrieb am 18.08.2013 um 18:47 Uhr (Zitieren)
- mir eine aus Holz gefertigte archimedische Schnecke, die ich in beklagenswertem Zustand unbeachtet liegengelassen auf einer der ionischen Inseln fand.
"Wissen" solte man differenziert betrachten - das Weltwissen (Summe aller verfügbaren Kenntnisse etc., aber ungleich dem kollektiven Gedächtnis) ist ja in anderer Weise relevant als das Wissen, was jeder von uns mit sich herumträgt. Und - wie schon angedeutet - letzteres ändert sich andauernd, genauso bzw. im Zusammenhang mit unseren alters- und lebensformabhängigen Bewußseinzuständen. Wie stellt sich Tipler da eine Archivierung vor ? Und wozu sollte das gut sein ?
Re: Mechanismus von Antikithera
ανδρεας schrieb am 18.08.2013 um 20:20 Uhr (Zitieren)
Die Bundesregierung archiviert im ehemaligen Regierungsbunkersystem (Bad Neuenahr-Ahrweiler) auf Mikrofilm Kopien wichtiger Kulturgüter für die Nachwelt, falls die Welt mal untergehen sollte. Das hält lange und ohne Elektronik. Allerdings braucht man Technik, um die Filme lesen zu können. Die zukünftigen Historiker unserer Nachfahren könnten also viel auswerten und erzählen - am Lagerfeuer.