Hylebates schrieb am 27.06.2013 um 22:16 Uhr (Zitieren)
Aber bei Zola haben sie doch auch Gras gemäht!
Irgendwie habe ich bei "Zola" an einen Griechen gedacht, bis ich den Vornamen gelesen habe - da hats geklingelt!
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
διψαλέος schrieb am 27.06.2013 um 23:03 Uhr (Zitieren)
Ah ja...
Caesar zu Lepidus: "Wo ist Antonius?"
Lepidus: "Der liegt mit einer Angina im Bett."
Caesar: "Immer mit diesen Griechinnen!"
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Γραικίσκος schrieb am 28.06.2013 um 07:01 Uhr (Zitieren)
Aus meiner Jugendzeit auf dem Bauernhof erinnere ich mich noch, daß weder Gras gemäht noch Heu gemäht wurde - es wurde Heu gemacht.
Die Leute und die Maschinen hießen allerdings Heumäher, sodaß die sprachliche Merkwürdigkeit bleibt, daß Heumäher kein Heu mähen.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
ανδρέας schrieb am 28.06.2013 um 08:54 Uhr (Zitieren)
"Machen" passt schon.
Man muss das Mähgut erst einmal richtig trocknen, damit es als Heu haltbar gemacht und verwendet werden kann. Dazu muss man es zur Lufttrocknung mehere Tage liegen lassen, verteilen, wenden, zu Schwaden rechen und wieder verteilen usw. . Das war Arbeit - und die wurde gemacht.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 29.06.2013 um 00:30 Uhr (Zitieren)
Mir sind die mähenden Äbte folgendermaßen geläufig:
Mähn Äbte Heu? Nie mähn Äbte Heu!
Mähn Äbte was, mähn Äbte Gras.
Und der Witz, den διψαλέος schrieb, scheint ein Wanderwitz zu sein, ich kenne ihn aus Salcia Landmanns 'Jüdischen Witzen' in folgender Variante (aus dem Gedächtnis zitiert):
Vater telegraphiert seinem Sohn, dem Studiosus: "Komm sofort nach Hause!"
Sohn zurück: "Geht nicht, liege mit Angina im Bett."
Vater erneut: "Gib dem Aas 20 Mark, schmeiß sie raus und komm!"
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Λοθάρος schrieb am 29.06.2013 um 09:41 Uhr (Zitieren)
antwort des sohnes: heidelberg geschüttelt. (anagramm für geld herbei.)
βροχή schrieb am 16.12.2024 um 14:30 Uhr (Zitieren)
μηνηβτεκλεε?ηβτεμηννιεκλεεηβτεβετεν!
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Γραικύλος schrieb am 16.12.2024 um 18:27 Uhr (Zitieren)
Das stimmt auch. Ein Abt, der Heu macht! In alten Zeiten konnten das Fürsten sein (Fürstäbte); die haben vielleicht nicht einmal mehr gebetet.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 16.12.2024 um 18:43 Uhr (Zitieren)
Ich schätze, das Küchenlatein ist verbreiteter als das Küchengriechisch.
Hier eine Albernheit:
Nostra lege lectus vult foenus consulere. (Heu=hei)
Andere Formen der Ausgelassenheit waren zB:
Quibus rebus cognitis Caesar in die tuba blies. Uraltstudentisch, aber auch nicht ohne Witz.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
βροχή schrieb am 17.12.2024 um 07:28 Uhr (Zitieren)
Wenn man den Spruch hört und kennt ihn noch nicht, versteht man es wirklich nicht.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 17.12.2024 um 09:15 Uhr (Zitieren)
Gibt es Fachausdrücke?
Abt/Heu: phonetisches Küchengriechisch.
Nostra lege…: übersetzungsküchenlatein.
„ex gewissis causis“: gemischtes Küchenlatein.
Doch wer weiß es wirklich? Und das schon morgens?
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 17.12.2024 um 11:09 Uhr (Zitieren)
Es muss eher „fenum/faenum“ heißen! (Verdamp lang her…)
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
filix schrieb am 17.12.2024 um 11:38 Uhr (Zitieren)
Das Alter des Witzes erkennt man nicht zuletzt daraus:
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
βροχή schrieb am 17.12.2024 um 12:04 Uhr (Zitieren)
Mittag schon.
Heu ist noch nicht perfekt, es heisst Klee,
auch Gras wird nicht geraucht, die sollen beten.
Weil alles auf dem e bzw. ä fusst,
Da passt kein eu und kein a so ganz dazu.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Bukolos schrieb am 17.12.2024 um 20:32 Uhr (Zitieren)
Eine weitere Tücke bei Nostra lege lectus vult foenus consulere ergibt sich wohl daraus, dass man darin (im Unterschied zu Μὴν ἦπτε οἵ;) durchaus einen grammatischen Satz erkennen kann, zur Dekodierung des Sinns aber eine ungrammatische Interpretation wählen muss, wozu man nach scheinbarer Durchdringung der Satzstruktur nicht leicht bereit ist.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 17.12.2024 um 21:42 Uhr (Zitieren)
Im Englischen gibt es ebenfalls schöne Formen von dog latin, wie Küchenlatein heißt. Warum „dog“, weiß ich nicht. Oft werden englische Worte dekliniert/konjugiert, als wären sie lateinisch. Sehr geläufig ist „omnium gatherum“, Sammelsurium.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 17.12.2024 um 22:02 Uhr (Zitieren)
Jetzt hab ich’s. „Dog“ hat auch die Bedeutung „Bastard“ (mongrel, Mischung)
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 17.12.2024 um 22:18 Uhr (Zitieren)
Abschließend abschweifend noch dies: Zur Etymologie von „dog“ sagt etymoline.com in schönstem Englisch: Its origin remains one of the great mysteries of English etymology.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 17.12.2024 um 22:31 Uhr (Zitieren)
filix schrieb am 17.12.2024 um 22:31 Uhr (Zitieren)
Dog scheint mir eher ein Präfixoid zu sein, das u.a. etwas Unechtes oder Minderwertiges anzeigt - vgl. dog rose (mit dem dt. Pendant Hundsrose) oder dog fennel.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
filix schrieb am 17.12.2024 um 23:13 Uhr (Zitieren)
Unter diesem Gesichtspunkt wird man auch das deutsche Küchenlatein sich näher ansehen müssen, ob es denn wirklich buchstäblich der Klosterküche entstammt, wo die halbgebildeten Mönche über Töpfen und Pfannen canine latine radebrechen. Ausführungen wie Solecismus ist ein vngereimpte vnnd ein vnfügliche züsamensetzung der theil der red/wie bauren oder kuchin latein wir pflegen zu nennen und Begriffe wie der kuchin prediger im 16. Jhdt., der schwerlich am Herd Gottes wort trewlich prediciert haben dürfte, legen auch hier eine schon erfolgte Wandlung zum Präfixoid nahe, dessen Bedeutung sich vom Ort der Verachtung, der Küche, so weit emanzipiert hat, dass es Beliebiges als minderwertig kennzeichnen kann.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
βροχή schrieb am 18.12.2024 um 05:51 Uhr (Zitieren)
... man sagt ja auch Küchenpsychologie.
Küchentischpolitik soll sogar salonfähig werden, ob das gelingt? Wäre mgl. da der Stammtisch wackelt, vielerorts machen die Kneipen dicht.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Bukolos schrieb am 18.12.2024 um 08:29 Uhr (Zitieren)
Rudolf Pfeiffer meint, den Ursprung der Begriffsprägung auf Lorenzo Valla zurückführen zu können, der im Rahmen des erbittert geführten Kompetenz-Agons mit Poggio Bracciolini dessen Latein in einem satirischen Dialog schlechter als das von Guarinos Koch dastehen lässt. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k613724/f464.item.zoom
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Aurora schrieb am 18.12.2024 um 08:47 Uhr (Zitieren)
Den kenne als Entlarver der Konstantinischen Schenkung.
Interessantes aus wikipedia:
In der modernen Forschung wird Valla als eine der prägenden Persönlichkeiten des italienischen Humanismus im 15. Jahrhundert gewürdigt und insbesondere die Radikalität seiner neuen Ansätze betont. Ernesto Grassi sieht Vallas philosophisches Werk als „prinzipielle Abrechnung mit der traditionellen Metaphysik und mit dem christlichen Denken, sofern es sich in Platonismus und Aristotelismus verankert“. Es sei Valla aber nicht gelungen, durch seine Kritik des Stoizismus und des Platonismus zu einem neuen christlichen Denken zu gelangen.Paul Richard Blum stellt fest, Valla habe mit seinen respektlosen Auslegungen theologischen Lehrguts und mit seiner anthropozentrischen Perspektive dazu beigetragen, dass die Theologie in der Neuzeit ihren Rang als Leitwissenschaft verlor. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz sieht die Hauptleistung Vallas in seiner ungewöhnlich scharfen und prinzipiellen Kritik der aristotelisch-scholastischen Philosophie und in seinem Alternativentwurf einer neuen Philosophie auf der Grundlage eines neuen sprachphilosophischen Denkens, dessen Bahnbrecher er gewesen sei.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
Patroklos schrieb am 18.12.2024 um 08:51 Uhr (Zitieren)
In einigen Sprachen heißt „Küchenlatein“ übrigens „macaronic latin“, italienischen Ursprungs. Dazu etymonline:
1610s, in literature, in reference to a form of verse consisting of vernacular words in a Latin context with Latin endings; applied loosely to verse in which two or more languages are jumbled together with little regard to syntax but so constructed as to be intelligible; from Modern Latin macaronicus (coined 1517 by Teofilo Folengo, who popularized the style in Italy), from dialectal Italian maccarone (see macaroni), in reference to the mixture of words in the verse: "quoddam pulmentum farina, caseo, botiro compaginatum, grossum, rude, et rusticanum" [Folengo].
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
filix schrieb am 18.12.2024 um 13:26 Uhr (Zitieren)
Vielen Dank für den Verweis auf Pfeiffer und die Kunst der humanistischen Invektive. Dass die Küche der symbolische Ort eines niedrigen Sprachgebrauchs ist, findet man m.E. allerdings schon früher, so heißt es beispielsweise bei Mechthild von Magdeburg (1207 - 1282) so gruͤsset er si mit der hovesprache, die man in dirre kuchin nút vernimet. hovesprache ist der sermo curialis, also die bei Hof gepflegte Ausdrucksweise, die sich absetzt von der des »einfachen« Volkes. Ich vermute also, dass diese sprachliche Distinktionsschema, das Hof und Küche oder Küche und Gelehrtenstube scheidet, schon vorher existiert, die Humanisten es in ihrer Auseinandersetzung um den richtigen lateinischen Sprachgebrauch nur mit neuem Leben füllen, entzückt darüber, dass man die Verachtung der nequissimi servuli und des ihnen angestammten Ort bis Plautus zurückverfolgen kann.
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
filix schrieb am 18.12.2024 um 13:27 Uhr (Zitieren)
… dieses sprachliche …
Re: Μὴν ἦπτε οἵ;
filix schrieb am 18.12.2024 um 13:29 Uhr (Zitieren)