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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Antiochos Epiphanes und die erste Judenverfolgung (3268 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 06.08.2009 um 16:18 Uhr (Zitieren)
Antiochos VII. Epiphanes regierte von 175 bis 164 v. Chr.
Auf dem Rückweg von der ersten Invasion Ägyptens hatte der König, unterstützt von Menelaos, die unermeßlichen Schätze des Tempels geraubt und dadurch den Zorn der Juden erregt, die in dieser Tat einen schweren Schlag gegen die judäische Autonomie erblickten und eine absichtliche Beleidigung alles dessen, was ihnen heilig war. Während Antiochus 168 seinen letzten Feldzug gegen Ägypten führte, ging das Gerücht von seinem Tod in Judäa um und löste in mehreren Städten im Süden des Königreiches, auch in Jerusalem, Revolten aus. Jason, der abgesetzte Hohepriester, kehrte nach Jerusalem zurück - möglicherweise auf Betreiben des ptolemäischen Hofes - und übernahm dort erneut die Macht. Doch sobald Antiochus nach der römischen Intervention aus Ägypten heimgekehrt war, riß er Jerusalem wieder an sich. Um die Stadt zu bestrafen und seinen Anspruch auf sie für die Zukunft zu sichern, verpflanzte er eine ausländische Kolonie auf die Akra, ihre Zitadelle. Den Ausländern schlossen sich die extremistischen Hellenisten aus der Gefolgschaft des Menelaos an. Noch waren keine Dekrete gegen die jüdische Religion erlassen worden, aber durch die bloße Tatsache, daß nunmehr Nichtjuden und extreme Hellenisten - die sich von den ersteren kaum unterschieden - die Hauptstadt Judäas beherrschten, verlor diese ihre Eigenart als heilige Stadt der Juden und verwandelte sich in eine heidnische Stadt, in der der Götzenkult blühte. Die fremden Siedler hatten ihre Götter mitgebracht, und Menelaos’ Hellenisten unternahmen nichts dagegen. Für viele Juden war diese Lage unerträglich. Abgestoßen von dem immer stärkeren Vordringen der fremden Kulte in Jerusalem, verließen sie ihre Stadt und suchten Zuflucht in den Wüstengebieten im Osten und Südosten oder in den Dörfern und Landstädten im Norden und Nordwesten.
Im Jahre 167 tat Antiochus einen entscheidenden Schritt: Er untersagte die Ausübung der jüdischen Religion in Judäa - und später auch in anderen Bezirken - und drohte jedem Juden die Todesstrafe an, der seine Kinder beschneiden oder den Sabbat halten würde. Die Behörden zwangen die jüdische Bevölkerung sogar, an heidnischen Riten teilzunehmen und verbotene Speisen, insbesondere Schweinefleisch, zu essen; der Tempel wurde geschändet und dem olympischen Zeus geweiht.
Der Polytheismus gilt im allgemeinen als von Natur aus tolerant, und es ist erwiesen, daß Antiochus in anderen Ländern seines Reiches auf jeglichen religiösen Zwang verzichtete. Die Priester Babyloniens und anderer Völker behielten ihren traditionellen religiösen Lebensstil bei und dienten weiterhin ihren Göttern. Antiochus selber hatte eine besondere Vorliebe für den Kult des olympischen Zeus [...]; es besteht jedoch kein Grund zu der Annahme, daß diese Vorliebe ihn bewogen hätte, andere Kultformen herabzusetzen - mit Ausnahme der jüdischen Religion, die er erbarmungslos verfolgte. Offensichtlich brachten die langwährenden Spannungen in Judäa den König zu der Erkenntnis, daß die jüdische Religion mit ihrem militanten Monotheismus hinter dem halsstarrigen Widerstand steckte, mit dem die Juden allen Neuerungen begegneten, welche er in ihrem Land einführen wollte, und daß dieser Widerstand die Sicherheit an der Südgrenze seines Reiches gefährdete. Außerdem ist es durchaus denkbar, daß er gegen die jüdische Religion, die seinem ganzen Weltbild widersprach, persönlich eine starke Abneigung empfand. Jedenfalls böte diese Kombination von Machtpolitik und privatem Abscheu vor dem jüdischen Monotheismus eine Erklärung für seine neue Politik. Im übrigen war Antiochus von Hause aus ein aggressiver und wagemutiger Mann, der vor unkonventionellen Mitteln oder ungewöhnlichen Methoden nicht zurückschreckte. [...]
Die Dekrete des Antiochus und die Empörung, die sie bei den treuen Anhängern des Judentums hervorriefen, führten in der jüdischen Geschichte zu einer Wendung. Entgegen den Erwartungen des Königs stand die große Mehrheit des jüdischen Volkes fest zu ihrer religiösen Überzeugung, und Menschen aller Gesellschaftsschichten waren bereit, ihr Leben für ihren angestammten Glauben dahinzugeben. [...] jetzt, zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte, wurde die Welt Zeuge eines Massenmartyriums. Die Taten der Märtyrer und der Frommen in jener Zeit der religiösen Verfolgung sollten für Juden und Nichtjuden aller Zeiten beispielhaft bleiben.

[Quelle: H. H. Ben-Sasson (Hrsg.), Geschichte des jüdischen Volkes. Band I: Von den Anfängen bis zum 7. Jahrhundert. München 1978, S. 251-260]


Dies war wohl die erste historische Judenverfolgung mit dem Ziel der Vernichtung der jüdischen Religion.
Re: Antiochos Epiphanes und die erste Judenverfolgung
ανδρέας schrieb am 06.08.2009 um 18:51 Uhr (Zitieren)
Antiochos VII. Epiphanes regierte von 175 bis 164 v. Chr.

Das war Antiochos IV. Epihanes (der Hervorleuchtende, naja)

Die Seleukiden waren sich der Einmischung Roms bewußt und mussten schnell handeln. Da war Diplomatie weniger wichtig, als Stärke zu zeigen.
Ein im 2. Makkabäerbuch (11,34-38) überlieferter Brief einer damals (164 v. Chr.) in Antiochien weilenden römischen Gesandtschaft an die Führer der Juden stellt eine freche Einmischung in innere Angelegenheiten des Seleukidenreiches und eine implizite Anerkennung der jüdischen Aufständischen dar.
Re: Antiochos Epiphanes und die erste Judenverfolgung
Γραικίσκος schrieb am 06.08.2009 um 18:56 Uhr (Zitieren)
Antiochos IV., das ist richtig. Ich muß mich korrigieren.
 
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