Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Fels (568 Aufrufe)
meike schrieb am 02.06.2013 um 11:53 Uhr (
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Von Büchner stammt das Zitat die Theodizee ist der Fels des Atheismus. Wie würdet ihr die Metapher Fels deuten?
Re: Fels
arbiter schrieb am 02.06.2013 um 12:04 Uhr (
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mit "Fels" wird man auf den - der Legende nach - Gründer der katholisch-römischen Kirche verwiesen (Petrus).
Die Metapher von "auf Fels" statt "auf Sand gebaut" ist alltäglich.
Außerdem glauben die Atheisten felsenfest, Gott habe eine Theodizee nötig (ich übrigens auch).
Re: Fels
meike schrieb am 02.06.2013 um 13:10 Uhr (
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Naja, ich dachte eehr Fels im Sinne von das größte Argument
Re: Fels
Γραικίσκος schrieb am 02.06.2013 um 19:05 Uhr (
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Das Problem der Theodizee ist im Sinne eines Glaubens an Gott nicht lösbar. Daher ist sie der sichere Fels, auf den der Atheismus bauen kann.
Andres ausgedrückt:
Die Theodizeefrage wirft ein Problem auf.
Jeder Glaube an Gott müßte dieses Problem lösen.
Das Problem ist jedoch unlösbar.
Also ist die Theodizee die stärkste Grundlage des Atheismus: das, woran jeder Glaube an Gott scheitert.
Re: Fels
Γραικίσκος schrieb am 02.06.2013 um 20:07 Uhr (
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Notabene: Ich habe mich bemüht, Büchners These zu interpretieren.
Meine eigene Ansicht dazu ist die, daß sie richtig ist für den Fall, daß man sich - wie es z.B. im Christentum, nicht aber im Judentum geschieht - Gott als gut vorstellt.
Re: Fels
Klaus schrieb am 02.06.2013 um 20:18 Uhr (
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Die Theodizeefrage stellt sich sowohl im Judentum wie auch im Christentum, nicht hingegen im Islam, da es dort nicht "erlaubt" ist, Gott anzuklagen. Sowohl im Judentum als auch im Christentum gelten die drei Prädikate allmächtig, allgütig,allwissend/verstehbar; Hans Jonas streicht im Kontext des Holocausts lieber das Prädikat allmächtig anstatt allgütig.
Re: Fels
Γραικίσκος schrieb am 02.06.2013 um 20:28 Uhr (
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In keiner der drei Religionen ist es dem Menschen erlaubt, Gott anzuklagen; doch das ist natürlich keine befriedigende Antwort auf das Theodizee-Problem ... es ist nur die Errichtung eines Tabus als Schutzwehr.
Allein die Existenz einer Hölle in Kombination mit stark deterministischen Tendenzen im Islam wirft das Theodizee-Problem in massiver Weise auf.
Was das Judentum angeht, so stimme ich Dir nicht zu. der Gott des Tanach zeigt eindeutig auch böse Züge (z.B. die Sintflut mit Vernichtung der völlig unschuldigen Tiere und der Pakt im Rahmen einer recht kumpelhaften Beziehung mit dem Teufel im Buch Hiob). Natürlich auch hier verbunden mit dem Hinweis, daß es uns nicht zustehe, von Gott Rechenschaft zu verlangen. Das ist aber ... s.o.
Wenn natürlich jemand glaubt, das Theodizee-Problem lasse sich durch ein Denkverbot entschärfen, hat er das Problem 'entschärft'. Dazu bin ich nicht gesonnen.
Re: Fels
Klaus schrieb am 02.06.2013 um 20:41 Uhr (
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Sowohl im Christentum als auch im Judentum ist es sehr wohl dem Menschen erlaubt seine Zweifel und Anklagen vor Gott zu bringen vgl. Hiob oder die Klagepsalme.
Ja, es gibt ja auch das Bild des strafenden Gottes. Teilweise wird dies im Alten Testament mit dem Tun-Ergehen-Zusammenhang erklärt (z.B. Sodomm und Gommora).
Re: Fels
Γραικίσκος schrieb am 02.06.2013 um 21:11 Uhr (
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Auf Hiobs Anklage erwidert Gott: "Wo warst du, als ich die Welt erschaffen habe?" Soll wohl heißen: Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig.
Und Gott straft nicht nur die Schuldigen. Hiob hatte keine Schuld auf sich geladen. Die Tiere und Säuglinge, die der Sintflut zum Opfer fielen, schon gar nicht.
Gottes Hammer kreist über Unschuldigen wie Schuldigen.
Re: Fels
Γραικίσκος schrieb am 02.06.2013 um 21:43 Uhr (
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Im NT wird meines Wissens die Auflehnung des Geschöpfes gegen den Schöpfer nicht zum Thema gemacht, wohl aber in den Apokryphen: in der Geschichte vom abgefallenen Engel und seinem "non serviam!".
Re: Fels
Klaus schrieb am 02.06.2013 um 21:50 Uhr (
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Nein, weil dort das Bild des mitleidenden Gottes vorherrschend ist, der von Geborgenheit, Güte und Liebe geprägt ist.
Lediglich die Worte Jesu am Kreuz "Warum hast du mich verlassen" könnte man so deuten, aber diese Worte sind ja auch ein Zitat aus Psalm 22.