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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt (827 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 09.05.2012 um 13:45 Uhr (Zitieren)
Die kanadischen Kulturpsychologen Matthew Ruby und Steven Heine von der University of British Columbia haben ermittelt, welche Charakteristika von Tierarten Menschen Abscheu vor deren Verzehr entwickeln läßt.
Die Befragung [...] ergab, dass eine hohe Intelligenz, die Probanden einer Tierart zuschreiben, sie am stärksten vom Verzehr dieser Spezies abhält, während etwa die Leidensfähigkeit, die sie bei einem Tier vermuten, keine Rolle spielt. Zudem gaben die Probanden an, dass sie den Verzehr von Tieren ablehnen, die aus ihrer Sicht auf einer Skala für die äußere Erscheinung von einem neutralen Wert abweichen - die also entweder zu "niedlich" oder zu "abstoßend" wirken.

Die Probanden: 76 Kanadier, 96 Amerikaner, 53 Chinesen aus Hong Kong, 92 Inder.
[FAZ vom 9.5.2012]

Afrikaner, die Schimpansen essen, hat man da wohl nicht befragt.

Daß Leidensfähigkeit keine Rolle spielt, wird die Utilitaristen überraschen.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
filix schrieb am 09.05.2012 um 14:17 Uhr (Zitieren)
Für alle, die gerne lesen wollen, was die Herren Ruby&Heine tatsächlich zu sagen haben und sich nicht auf die, höflich gesagt, verwirrende Lesart der FAZ verlassen wollen: http://tinyurl.com/c5qn44s
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 09.05.2012 um 15:49 Uhr (Zitieren)
filix, die Autoren des von Dir angezogenen Aufsatzes heißen aber ein wenig anders ... :-)
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
Ὑληβάτης schrieb am 09.05.2012 um 16:34 Uhr (Zitieren)
Die Befragung [...] ergab, dass eine hohe Intelligenz, die Probanden einer Tierart zuschreiben, sie am stärksten vom Verzehr dieser Spezies abhält,

Interessant ist, dass wohl die zugeschriebene Intelligenz ausschlaggebend ist, nicht die tatsächliche. Wenn also z.B. die Schimpansen essenden Afrikaner der Meinung sind, dass die Tiere nicht gerade helle sind, greifen sie zu.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
filix schrieb am 09.05.2012 um 16:43 Uhr (Zitieren)
Stimmt - der Link führt in die Irre; ich dachte
so direkte Einsicht verschaffen zu können. Mein Fehler - der Artikel ist und bleibt kostenpflichtig -
ich denke darüber nach, wie weit das Zitatprivileg
reicht...
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
διψαλέος schrieb am 09.05.2012 um 16:50 Uhr (Zitieren)
aha!
vermeindliche "Intelligenz" schützt vor dem Gefressen werden.
Daher also in unserem Kulturkreis solche Ausdrücke, wie
"dusselige Kuh", "blöde Sau", "dumme Gans", "doofes Huhn"

B-)
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
Γραικίσκος schrieb am 09.05.2012 um 20:37 Uhr (Zitieren)
Stimmt - der Link führt in die Irre; ich dachte
so direkte Einsicht verschaffen zu können. Mein Fehler - der Artikel ist und bleibt kostenpflichtig -
ich denke darüber nach, wie weit das Zitatprivileg
reicht...

Da bin ich aber gespannt - im Sinne 'meiner Zeitung', über die ich mich zwar oft ärgere, von der ich mich aber im Rahmen des Feuilletons und - darum handelt es sich in diesem Falle - von "Natur und Wissenschaft" in der Regel gut informiert fühle.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
ανδρέας schrieb am 09.05.2012 um 20:42 Uhr (Zitieren)

Ist das nicht generell vom Kulturkreis abhängig?
Wir halten Tieren, die mehr als 4 Beine haben, sicher nicht für schlau (die Wildsau gilt durchaus als schlau), essen sie aber eher nicht. Und wenn sie einen langen haarlosen Schwanz, aber 4 Beine haben, mögen wir sie auch nicht. Anderswo kann man sie an der Straßenecke kaufen. Moslems lehnen Schnitzel aus religiösen Gründen ab. Ein Araber würde sein Kamel nie zur Fleischerzeugung züchten.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
Γραικίσκος schrieb am 09.05.2012 um 20:52 Uhr (Zitieren)
Ruby & Heine haben Kanadier, (US-)Amerikaner, (Hongkong-)Chinesen und Inder befragt. Das schließt abweichende Verhaltensweisen anderswo nicht aus - wie ich durch meinen Hinweis auf die Schimpansen in Afrika ausgedrückt habe.
Man könnte aber vielleicht generell sagen: Tiere, die von den Konsumenten als intelligent oder häßlich oder niedlich eingeschätzt werden, werden nicht gerne gegessen; dies kann ja kulturell verschieden sein.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
Γραικίσκος schrieb am 09.05.2012 um 20:53 Uhr (Zitieren)
Die Tendenz der von filix herangezogenen Untersuchung(en) ist ohnehin die, daß - sozusagen umgedreht - Tiere auf der Speisekarte gerne intellektuell depotenziert werden.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
διψαλέος schrieb am 09.05.2012 um 21:14 Uhr (Zitieren)
Welche Tiere gelten landläufig als "intelligent"?

Zunächst die Primaten: Bongos, Schimpansen, Orang Utans, Gorillas.

Die Meeressäuger: Delphine (ich schreibe das weiterhin so!), Wale;

Einige Hunderassen: z.B. Border Collies;

Ratten;

auch Oktopussen wird eine gewisse Intelligenz zugesprochen (Krake "Paul").

In letzter Zeit wird ja auch die sogenannte "Schwarm-Intelligenz" diskutiert.

Haustierbesitzer halten im allgemeinen "ihr" Tier auch für intelligent...
-----------

Wenn also demnächst im Schlachthof die Viecher Differentialgleichungen lösen oder über Platon diskutieren...
B-)

Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
Γραικίσκος schrieb am 09.05.2012 um 21:15 Uhr (Zitieren)
... dann werde ich sie auf keinen Fall essen! Niemals!
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
διψαλέος schrieb am 09.05.2012 um 21:21 Uhr (Zitieren)
Eine "intelligente" Art und Weise, sich vor
dem "Gefressenwerden" zu schützen, haben,
zugegeben, Mutter Natur hat es "gemacht",
die "Pfeilgiftfrösche":
Man macht sich nicht nur einfach ungenießbar,
sondern tödlich für potentielle Feinschmecker...

B-)
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
διψαλέος schrieb am 09.05.2012 um 21:25 Uhr (Zitieren)
und diese Frösche sind hübsche, farbenfrohe Tierchen...
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
Φιλομαθής schrieb am 09.05.2012 um 21:30 Uhr (Zitieren)
Ungenießbar ist schlauer. (Die belehrende Wirkung von tödlichen Giften darf nämlich als äußerst niedrig angesetzt werden.)
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
διψαλέος schrieb am 09.05.2012 um 21:38 Uhr (Zitieren)
ob ungenießbar oder giftig:
Das Speiseopfer ist auf jedem Fall zunächst perdu...


Ratten schicken z.B. einen "Vorkoster" aus,
wenn er überlebt, dann beginnt das große Fressen.
Geht er zu Grunde, dann wird dasAngebot gemieden.

Daher ist die Rattenbekämpfung ja so schwierig.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
ανδρέας schrieb am 09.05.2012 um 22:53 Uhr (Zitieren)

Wenn ich das "Opferprofil" genutzter Tiere betrachte, denke ich an die Art der Nutzung. Tiere, die etwas besseres als Fleisch zu"bieten" haben, werden nicht (immer oder überwiegend) gegessen:
Rinder ... Milch und veredelte Produkte (z.B. Käse, Dünger für die Felder, Massai trinken ihr Blut)
Hunde ... Jagdbegleiter, "Freund"
Katzen ... Ungeziefervertilger (Ägypten)
Schafe ... Wolle
Bienen ... Honig
Hühner ... Eier (ob Legebatterien besser sind als die Schlachtung, ist natürlich fraglich; manche haben Glück: Freilandparadies ...)
Pferde (Ochsen, Esel, Mulis ...) ... Reitsport, Zugtier
Kanarienvögel ... manche mögen sie einfach
Koikarpfen ... etc.

Allerdings ist kein Tier wirklich "sicher".
Außer Wolpertinger.




Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
διψαλέος schrieb am 09.05.2012 um 23:20 Uhr (Zitieren)
in Bottrop hat mal einer den Koikarpfen seines Kumpels in die Pfanne gehauen




früher hatten die Bergleute ja Tauben,
die wurden auch nicht gegessen, dafür aber die Stallhasen
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
filix schrieb am 10.05.2012 um 18:29 Uhr (Zitieren)
"...ergab, dass eine hohe Intelligenz, die Probanden einer Tierart zuschreiben, sie am stärksten vom Verzehr dieser Spezies abhält, während etwa die Leidensfähigkeit, die sie bei einem Tier vermuten, keine Rolle spielt."

ist z.B. schon eine problematische Verkürzung: die Studie untersucht zunächst "disgust" als Einflussfaktor der Bereitschaft, Fleisch bestimmter Tierarten zu essen, z.B. unter der Voraussage"...that perceived humanlike characteristics of animals (e.g., intelligence, capacity for emotion, capacity for suffering) would positively predict disgust at the thought of eating them." - das ist nur eine von fünf; vor allem aber betrachtet sie "disgust" bestimmt als "acting as the stomach’s gatekeeper" nur als einen möglichen, wenn auch starken Faktor unter anderen für "willingsness to eat animals" - der in der Studie selbst gegen "social influence" und "culture" abgeglichen wird. Es wird nirgendwo behauptet, dass das die einzig möglichen seien. Die Zusammenfassung, dass "Leidensfähigkeit, die sie bei einem Tier vermuten, keine Rolle spielt" suggeriert etwas weit darüber Hinausgehendes - tatsächlich wird nur festgestellt, dass in der gegebenen Befragungsanordnung "perceived capacity for suffering did not emerge as a significant predictor among any of the samples. Thus, of all the aforementioned animal attributes, it seems that perceived intelligence and appearance are the most important predictors of disgust." Gleiches gilt für die unter "appearance: ugly/neutral/cute" verhandelte Attribuierung. D.h. wir haben es hier mit einer Untersuchung des Zusammenhangs von der im Übrigen ziemlich diffus bestimmten Kategorie des Ekels als emotionaler Einflussgröße auf moralisches Handeln und den wiederum diesen Ekel in der speziellen Fragestellung bestimmenden abgefragten Faktoren hinsichtlich der Tierarten zugeschriebenen Eigenschaften zu tun: nicht mehr, nicht weniger. Es wurde keineswegs gefragt: "Hält Sie die Vorstellung, dass ein Tier auf ihrem Speiseplan ein leidensfähiges Wesen ist, davon ab, dieses zu essen?" ebenso wenig "Spielt die Vorstellung der Leidensfähigkeit eines Tieres (neben anderen möglichen Faktoren) überhaupt irgendeine Rolle hinsichtlich ihrer Entscheidung, es zu verzehren?" Zu den Ergebnissen gehört nun, dass dieser Zusammenhang nun wieder kulturellen Variation und geschlechtlichen Differenzierungen unterliegt. Die in den folgenden Postings aufgeworfene Frage, woher denn diese Eigenschaftszuschreibungen sich ableiten und welchen Einflüssen sie unterliegen, spielt eine gewisse Rolle in der Bewertung der Ergebnisse - soweit ich sehe, wird gar nicht unbedingt bestritten, dass diese Einschätzungen sich möglicherweise aus soziokulturell vermittelten Lösungen - z.B. intellektuelle Depotenzierung des Speisetiers - für das moralische Dilemma der mit Leid und Tötung verbundenen Ernährungsgewohnheiten ergibt, die die zunächst irrtümlich verlinkte andere Studie ins Auge fasst, es heißt nur "In stark contrast to directly making salient the link between meat and animal suffering, which can lead people to dementalize the animals they eat (Bastian et al., 2012), the present studies dem- onstrate that having people first reflect on their own perceptions of animals’ attributes subsequently increases their disgust at the thought of eating them." Das bedeutet m.E. lediglich, dass die in einer Konfrontation von Verzehrgewohnheit und damit verbundenem Leid und Vernichtung erfolgte Reaktionsbildung der "dementalization" in der in dieser Studie gewählten Fragestellung so nicht auftritt, sondern nur dass die - besonders stark bei "Euro-Canadian and Euro-American participants" - vorangehende Reflexion über diese grundsätzlichen Bewertungen der Eigenschaften ohne Konfrontation im moralischen Dilemma zu einer Verstärkung der über Ekel vermittelten herabgesetzten Bereitschaft führt und zwar auch dann wenn man sie erst nachher als Nahrung ins Spiel bringt. Amüsant nicht zuletzt, was die FAZ aus, und damit will ich es bewenden lassen, "Given the consistent strength of perceived animal intelligence as a predictor of disgust, it begs the question of whether manipulating people’s perceptions of animals’ intelligence would also impact their disgust at the thought of eating them." macht, nämlich "Es sei also denkbar, dass Tierschützer erfolgreicher sein könnten, wenn sie in Kampagnen die Intelligenz der zu schützenden Spezies in den Vordergrund stellten." Die unsentimentale Erwägung der Studienautoren, durch eine Manipulation der Eigenschaftswahrnehmung in puncto Intelligenz den Ekel als Handeln bestimmende Einflussgröße in Bezug auf Ernährungsverhalten anzusteuern, wird so zu einem grundanständigen aufklärerischen Artenschutzprojekt.
Re: Was Tiere vor dem Gegessenwerden schützt
ανδρέας schrieb am 10.05.2012 um 18:53 Uhr (Zitieren)
"Es sei also denkbar, dass Tierschützer erfolgreicher sein könnten, wenn sie in Kampagnen die Intelligenz der zu schützenden Spezies in den Vordergrund stellten."


Ca. 29 % der auf der Liste der bedrohten Arten stehenden Tiere sind Amphibien, also Frösche und Lurche. Die sind nicht intelligent und manchmal einfach nur häßlich (vgl. Lungenfisch). Das reicht nicht. Das Problem besteht überhaupt nicht darin, dass der Mensch sie essen will, sondern darin, dass wir ihnen den Lebensraum zerstören. Selbst Vegetarier können beim besten Willen nicht verhindern, dass Arten vernichtet werden, weil sie abhängig von Metallverarbeitung, Monokulturen, chemischer Verarbeitung hochgiftiger Substanzen etc. sind. Daher bringt es wenig, punktuell einzelne sympathische Tiere herauszupicken und zu hoffen, die Natur werde sich dann besser erhalten lassen. Plankton steht ganz am Anfang der Nahrungskette. Intelligent ist es nicht, aber bedeutsamer als "Flipper, der schlaue Delphin". Die meisten wissen auch garnicht, woraus Fischstäbchen gemacht werden. Es kommt darauf an, dass man die Zusammenhänge begreiflich macht i.S. A. von Humbolts. Ein Steak (Rinderproduktion verschlingt Energie >>CO2,; und die unvermeidlichen Methanausdünstungen sind 30 mal stärker als CO2) trägt soviel zur Erderwärmung bei wie 250 Km Fahrt auf der Autobahn. Eine Anpassung des Verhalten funktioniert m.E. nur über den Preis, also Geld. Und der Ressourcenverbrauch wird nur sinken, wenn die Erdbevölkerung mittel- bis langfristig schmilzt. Ein paar Umweltschützer, die Frösche über die Straße tragen, reichen einfach nicht aus. Leuchttürme in der Sahara - hell, aber nutzlos.

 
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