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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Was ich medizinisch nicht verstehe: (645 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 21.05.2011 um 16:08 Uhr (Zitieren)
μακροσκελὴς μέν. ἆρα μὴ χλούνης τις ᾗ;

(Aischylos, Fragm. 117)

Was hat der Knochenbau damit zu tun?
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Γραικίσκος schrieb am 21.05.2011 um 16:11 Uhr (Zitieren)
Es ist das Fragment 119, aus den "Edonen".
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Πέγασος schrieb am 21.05.2011 um 16:17 Uhr (Zitieren)
zwar langbeinig, aber jemand macht sein Bett nicht im hohen Gras???

Soll das ein Rätsel sein?
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Γραικίσκος schrieb am 21.05.2011 um 16:42 Uhr (Zitieren)
Das χλούνης ist wohl ein sehr schwieriges Wort, während sich das μὴ m.E. der Frage (;) verdankt.

In meiner Übersetzung heißt es "Verschnittener", also Eunuch, Kastrat. Und da sehe ich keinen Zusammenhang zum Knochenbau.
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Πέγασος schrieb am 21.05.2011 um 17:06 Uhr (Zitieren)
Oh, bei Perseus finde ich für χλούνης: making its bed in the grass

Ich habe an langbeinige Tiere gedacht (z.B. Gazellen) die mit langen Beinen schnell flüchten können und deshalb im Gras (versteckt) ausruhen.
Bei einem Verschnittenen sehe ich auch keinen Zusammenhang.
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Γραικίσκος schrieb am 21.05.2011 um 17:25 Uhr (Zitieren)
Vielleicht ist die Übersetzung falsch?
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
ανδρέας schrieb am 21.05.2011 um 20:00 Uhr (Zitieren)
Vielleicht ein Schreibfehler?

χλοῦνις … Frische, jugendliche Kraft

normaler Weise deuten lange Beine auf Vitalität und jugendliche Frische, das würde logisch eher passen, auch wenn es hier negiert wird.
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Γραικίσκος schrieb am 21.05.2011 um 20:31 Uhr (Zitieren)
Nein, kein Schreibfehler.
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
ανδρέας schrieb am 21.05.2011 um 22:35 Uhr (Zitieren)

Hat es vielleicht mit dem edonischen König Lykurg zu tun, der im Wahn seinem Sohn und sich selbst die Beine abschlug, weil er sie für Weinstöcke hielt? Insofern wäre er verschnitten ...
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Γραικίσκος schrieb am 21.05.2011 um 22:38 Uhr (Zitieren)
Das ist wohl so, weil das Drama, aus dem dieses Fragment stammt, ja "Edonen" heißt.
Leider ist kein näherer Kontext zu diesem Fragment erhalten.
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 22.05.2011 um 09:31 Uhr (Zitieren)
Im LSJ scheint χλούνηςder ein sehr schwer zu interpretierendes Wort zu sein. Unter III. steht dein Fragment, aber unter "robber"...aber mit "perh" versehen:

III. robber, cf. χλοῦναι: λωποδύται οἱ τῇ χλόῃ εὐναζόμενοι, Hsch.; thus “ἄνδρα δ᾽ ἑσπέρης καθεύδοντα ἀπ᾽ ὦν ἔδυσε . . χλούνης” Hippon.61; “ἢ φῶρας ἀναιδέας ἥ τινα χλούνην” Alex.Aet.5.7; so perh. “μακροσκελὴς μὲν ἆρα μὴ χ. τις ᾖ;” A.Fr.62.[/b][/quote]
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 22.05.2011 um 09:39 Uhr (Zitieren)
Die Interpretation von χλούνης ist wirklich schwierig. Hier eine englische Übersetzung und Beurteilung:

Long-legged indeed! Was he not a chlounês?

The sense of chlounês is here obscure. In Iliad I 539 the word was explained by the ancients as meaning “entire” (not castrated) or “couching in the grass”; elsewhere, as “rascal,” “thief,” or “clothes-stealer.” Herman thought it was a designation of a locust. See Wiliammowitz, Aischylos: Interpretationen p. 217.
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 22.05.2011 um 09:53 Uhr (Zitieren)
Zum Nachlesen der Interpretation von Wilamowitz-Moellendorff, das Buch ist abladbar. Hier auf Seite 217 ff.:
https://jscholarship.library.jhu.edu/handle/1774.2/279?show=full
Re: Was ich medizinisch nicht verstehe:
Γραικίσκος schrieb am 22.05.2011 um 10:55 Uhr (Zitieren)
Offensichtlich bin ich nicht der einzige, der Deutungsprobleme mit diesem Fragment hat.
Dabei könnte man ja auch, statt von der Bedeutung des χλούνης auszugehen, umgekehrt von dem viel klareren μακροσκελὴς ausgehen und dann fragen, was denn als Bedeutung von χλούνης dazu paßt. Und da kann man doch nicht zu etwas Kastriertem oder Unkastriertem kommen.

Ich habe einmal nachgeschaut, ob ich zufällig die Aischylos-Interpretationen von von Wilamowitz-Moellendorf habe. Leider nicht. Aber etwas anderes habe ich bei dieser Gelegenheit gefunden: seine "Einleitung in die griechische Tragödie", 3. Auflage 1921. Dieses Buch ist bemerkenswerterweise in Kleinschreibung gedruckt, d.h. v.W.-M. schrieb nur die Satzanfänge und die Eigennamen groß. So ist das ja in seinen Aischylos-Interpretationen nicht. Hatte er da einen sprachrevolutionären Anfall?

Ein Hoch bei dieser Gelegenheit auf die frühere Reihe "Wege der Forschung" in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft! Dort wurden wichtige Aufsätze aus Fachzeitschriften zu einem bestimmten Thema gesammelt publiziert. Da gab es dann auch eine zweibändige Ausgabe "Wege zu Aischylos". Nichts über das vorliegende Fragment, leider.
 
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