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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Jupiter und seine Blitze #3 (36 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.09.2026 um 13:56 Uhr (Zitieren)
L. Annaeus Seneca d.J., Naturales Quaestiones II 42-46:
Willst du (4) ihn das Schicksal nennen? Du wirst nicht im Unrecht sein, denn von ihm ist alles abhängig, als Ursache aller Ursachen [Vis illum fatum vocare, non errabis; hic est ex quo suspensa sunt omnia, causa causarum]. Willst du ihn Vorsehung [providentiam] nennen? Du wirst recht haben, denn er ist es, durch dessen Einsicht alle Maßnahmen getroffen werden, damit diese Welt ihre Aufgaben ungehindert bis zum Ende erfüllt. Willst du ihn die Natur nennen? Du gehst nicht fehl, denn aus ihm ist alles geboren, durch seinen Atem leben wir [Vis illum naturam vocare, non peccabis; hic est ex quo nata sunt omnia, cuius spiritu vivimus].

Willst du ihn das Weltall [mundum] nennen? Du irrst dich nicht, denn er ist mit allem identisch, was du siehst, allgegenwärtig in allen seinen Teilen, sich selbst und das Seinige erhaltend. Die Etrusker hatten also schon dieselbe Vorstellung, und daß Jupiter den Blitz schleudert, sagten sie deshalb, weil nichts ohne ihn geschieht.

46. Aber warum geht er an dem, was getroffen zu werden verdient, vorbei und trifft, was unschuldig ist [At quare Iupiter aut ferienda transit aut innoxia ferit]? Mit dieser Frage ziehst du mich in eine verwickelte Diskussion hinein, wofür jetzt nicht die geeignete Zeit und Gelegenheit ist. Vorläufig beschränke ich mich daher auf die Feststellung, daß der Blitz nicht von Jupiter geschleudert wird, sondern daß alles so geordnet ist, daß auch das, was nicht durch ihn geschieht, dennoch nicht ohne Vernunft geschieht, und die Vernunft kommt nur ihm zu. Also, auch wenn er diese Erscheinungen nicht persönlich herbeiführt, bewirkt er doch, daß sie geschehen. So ist er nicht jedem Menschen bei allem behilflich, aber wohl verleiht er jedem die Hand, die Kraft und den Antrieb.

(L. Annaeus Seneca: Naturwissenschaftliche Untersuchungen. Hrsg. v. M. F. A. Brok. Darmstadt 1995, S. 146-151)

(4) Die Schrift ist an Lucilius gerichtet.

Letztlich entzieht Seneca sich hier dem Theodizee-Problem.
 
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