Telramund schrieb am 24.09.2026 um 12:50 Uhr (Zitieren)
Wer wissen will, ob er oder sie zu den Griechen zählt, muss nach einer kulturell einflussreichen Vorstellung nur Schuhe und Socken ausziehen und seine Füße betrachten:
Patroklos schrieb am 24.09.2026 um 13:51 Uhr (Zitieren)
Frederic Wood Jones sieht das anders: Structure and Function as seen in the Foot, 1944:
That it was ever the ideal foot of the Greek master sculptors has been denied by authorities on Greek works of art, and it has even been claimed that such elongated second toes as do exist in Greek figures are mostly the work of later restorers and are no part of the original.
(Dies intelligente Buch war kürzlich ein Zufallsfund.)
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 14:20 Uhr (Zitieren)
Γραικύλος schrieb am 24.09.2026 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Mal abgesehen von Patroklos' Einwand (spätere Restsauratoren), habe ich den "griechischen Fuß" immer auf einer Ebene gesehen mit der "griechischen Nase" (eine gerade Linie von Stirn zu Nase), nämlich als ästhetisches Ideal, nicht als Realität griechischer Körper.
Re: Die Griechenzehe
Γραικύλος schrieb am 24.09.2026 um 14:24 Uhr (Zitieren)
Restsauratoren --> Restauratoren
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 14:32 Uhr (Zitieren)
Die "Griechen"zehe gibt es. Ich sah sie oft, allerdings hierzulande.
Die "Griechen"nase gibt es auch. Man sieht sie selten, und sie sieht nicht so schön aus.
Re: Die Griechenzehe
Γραικύλος schrieb am 24.09.2026 um 14:54 Uhr (Zitieren)
Daß es beides gibt, glaube ich gerne. Aber nicht, nicht so ohne weiteres, daß es bei den Griechen der Antike die Regel war ... außer in der Kunst.
Re: Die Griechenzehe
Telramund schrieb am 24.09.2026 um 15:49 Uhr (Zitieren)
Dass es sich dabei um eine biologische Tatsachenbehauptung über antike Füße handelt, wird eigentlich nirgendwo behauptet, als kulturelle Vorstellung habe ich es auch eingeführt.
Selbst wenn Woods These, die ohne Belege schwer zu prüfen ist, stimmt, und die Fußdarstellung diverser ausfällt, als ein strenges Ideal erwarten ließe, ist der Einfluss antiker Kunstwerke, die dieses Merkmal zeigen, auf die neuzeitliche Kunst schwer von der Hand zu weisen. Michelangelos David beispielsweise hat es, sein Moses, die Allegorie der Nacht oder der sterbende Sklave.
Interessant scheint mir der in manchen Studien hergestellte Zusammenhang zwischen dieser Zehenform und erhöhter pränataler Testosteronexposition bzw. professioneller Athletik. Es könnte also an Körpertypen öfter auftreten, an denen bestimmte Kunstepochen mehr Interesse hatten als an anderen Erscheinungen im somatoformen Spektrum.
Re: Die Griechenzehe
Γραικύλος schrieb am 24.09.2026 um 15:59 Uhr (Zitieren)
An Telramund:
Meine Aussage sollte kein Widerspruch zu der Deinigen sein, eher eine Ergänzung.
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 16:17 Uhr (Zitieren)
Diese Zehe gibt es ganz oft, auch außerhalb von Griechenland. Eigentlich ist sie gar nichts besonderes.
Wahrscheinlich entstand der Hype, weil man gerne Griechen irgendwie als ferne Vorfahren haben wollte, mit Zehe dann als Beweis.
Re: Die Griechenzehe
Telramund schrieb am 24.09.2026 um 16:24 Uhr (Zitieren)
Dem widersprechen die Zahlen zur Verbreitung allerdings.
(Aus dem oben zitierten Wikipediaartikel)
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 16:27 Uhr (Zitieren)
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 16:31 Uhr (Zitieren)
Es ist keine Seltenheit. Die Kategorisierung von Zehenformen wurde im 19. Jdh. erst gemacht. In der Antike wurde nicht darüber philosophiert, im Gegensatz zu anderen körperlichen Merkmalen, über die sie gerne philosophierten.
Re: Die Griechenzehe
Telramund schrieb am 24.09.2026 um 16:37 Uhr (Zitieren)
Eine Prävalenz von 3 % bis 30 % ist statistisch und sprachlich immer noch weit von „ganz oft“ entfernt.
Re: Die Griechenzehe
Telramund schrieb am 24.09.2026 um 16:42 Uhr (Zitieren)
Philosophieren ist ein weiter Begriff, aber man kann vermuten, dass sich z.B. im leider verlorenen Kanon Polyklets, der die Symmetria menschlicher Statuen behandelte und eine Proportionslehre enthielt, dazu etwas finden ließe.
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 16:57 Uhr (Zitieren)
Es sind keine verbalen antiken Überlieferungen zu dem Thema bekannt.
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 16:59 Uhr (Zitieren)
????
möchtest du wirklich darüber philosophieren, bei wieviel % man "ganz oft" sagen darf?
Re: Die Griechenzehe
Patroklos schrieb am 24.09.2026 um 17:10 Uhr (Zitieren)
Geht es womöglich um die griechische Knoblauchzehe?
το δόντι σκόρδου.
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 17:40 Uhr (Zitieren)
... das beisst du dir die Knoblauchzähne dran aus **
Re: Die Griechenzehe
Telramund schrieb am 24.09.2026 um 18:00 Uhr (Zitieren)
Warum philosophieren? Die numerische Quantifizierung von derartigen Ausdrücken der natürlichen Sprache ist eine Frage an der Schnittstelle von Linguistik, Logik und Kognitionswissenschaften. Darüber ist eine Menge geschrieben worden.
Meine Ansicht lautet, dass in der Bezugsdomäne des Auftretens der Griechenzehe bei berichteten Prävalenzen von 3 % bis 30 % die Antwort auf die Frage, ob der vage quantifizierende Ausdruck ganz oft diese Häufigkeiten angemessen beschreibt, ganz oft nein lautet.
Selbst wenn man die 30% als kolportierten Spitzenwert isoliert betrachtet, haben 70% diese Zehenform nicht. Wer würde über ein Merkmal, das 70% der Menschen nicht haben, sagen, es käme ganz oft vor? Vom Minimum, wo 97% keine Griechenzehe zeigen, ganz zu schweigen.
Re: Die Griechenzehe
Γραικύλος schrieb am 24.09.2026 um 18:26 Uhr (Zitieren)
Vielleicht kann man sich - umgangssprachlich - auf "gar nicht so selten" einigen.
Verstanden, was gemeint ist, hat es wohl inzwischen jeder.
Auch: daß griehischer Zeh und griechische Nase lediglich einen ästhetischen Vorzug genossen.
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 19:01 Uhr (Zitieren)
Mein Punkt (16:17) ist leider untergegangen.
Re: Die Griechenzehe
Patroklos schrieb am 24.09.2026 um 19:36 Uhr (Zitieren)
Darf ich abschweifen? Knoblauch ist etymologisch Kloblaub (dissimiliert zu Kn-): gespaltener Lauch. Englisch clove. Deutsch vgl. Kloben: gespalten, Spalt. Somit nähern wir uns den Zehen.
Re: Die Griechenzehe
Patroklos schrieb am 24.09.2026 um 19:59 Uhr (Zitieren)
Sorry: Kloblauch natürlich.
Re: Die Griechenzehe
βροχή schrieb am 24.09.2026 um 20:43 Uhr (Zitieren)