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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Homers Komödie Margites #1 (159 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.09.2026 um 16:27 Uhr (Zitieren)
1. Aristoteles: Poetik

Auseinanderentwickelt hat sich die Dichtung nach den Charakteren der Dichter. Die Ernsthafteren ahmten schöne Handlungen und die ebensolcher Charaktere nach, die Leichtfertigeren das Handeln gewöhnlicher Charaktere. Zuerst verfassten diese deshalb Invektiven [ψόγοι], wie die anderen Loblieder auf Götter [Hymnen] und Menschen [Enkomien].

Von keinem Dichter vor Homer können wir eine solche Dichtung benennen, es ist aber wahrscheinlich, dass es viele gegeben hat, beginnend mit Homer aber können wir es, z.B. seinen Margites [Μαργίτης] und ähnliche. Bei diesen Invektiven entwickelte sich als passende Form das jambische Metrum. Daher stammt auch unsere heutige Bezeichnung „Jambus“ [Versmaß der Invektive], denn in diesem Metrum verspottete man einander. Und so wurden von den Alten die einen Dichter heroischer Verse, die anderen von Jamben.

Wie aber von bedeutenden Handlungen Dichter im besten Sinn Homer war (er allein hat nicht nur gut gedichtet, sondern seine Nachahmungen auch als dramatische Handlungen gestaltet), so war er auch der erste, der den Gattungscharakter der Komödie aufgewiesen hat, und zwar dadurch, dass er (sich) nicht (auf) Polemiken (beschränkt), sondern das Lächerliche in dramatischer Handlung dargestellt hat. Denn der Margites ist nicht ohne Entsprechung geblieben: wie sich die Ilias und die Odyssee zu den Tragödien verhalten, so verhält er sich zu den Komödien.

[1448b 25-40]


2. Dion von Prusa: Über Homer

The philosopher Zeno too has written on the Iliad and Odyssey, and also about the Margites, for this poem too is thought to have been produced by Homer when he was young and trying out his gift for poetry.

[53, 4]

Re: Homers Komödie Margites #1
Γραικύλος schrieb am 21.09.2026 um 17:56 Uhr (Zitieren)
"Dargestellt wurde ein ins Lächerliche verkehrter Odysseus." (Rainer Nickel: Lexikon der antiken Literatur. Düsseldorf/Zürich 1999, S. 544)
Re: Homers Komödie Margites #1
Telramund schrieb am 23.09.2026 um 13:08 Uhr (Zitieren)
Daher stammt auch unsere heutige Bezeichnung „Jambus“ [Versmaß der Invektive], denn in diesem Metrum verspottete man einander. Und so wurden von den Alten die einen Dichter heroischer Verse, die anderen von Jamben.



Ist diese Erläuterung nicht zirkulär? ἰαμβίζειν, das im Text für verspotten gebraucht wird, kommt ja wiederum vom für die Spottverse typischen Jambus.
Re: Homers Komödie Margites #1
Γραικύλος schrieb am 23.09.2026 um 13:19 Uhr (Zitieren)
ἰαμβίζειν, das im Text für verspotten gebraucht wird, kommt ja wiederum vom für die Spottverse typischen Jambus.

Ich habe den Eindruck, daß Aristoteles das Verhältnis umgekehrt sieht.
Re: Homers Komödie Margites #1
Telramund schrieb am 23.09.2026 um 13:36 Uhr (Zitieren)
Aber man würde doch erwarten, dass er eine etymologische Erklärung bietet, in der der irgendwie im Wort steckende Spott auf den Namen des Verses übergeht. Die vermisse oder verstehe ich vielleicht auch nicht.
Re: Homers Komödie Margites #1
Telramund schrieb am 23.09.2026 um 13:54 Uhr (Zitieren)
In der Ausgabe der Übersetzung von William Hamilton (Harvard University Press, 1939) lese ich folgende Anmerkung:

Since the iambic came to be the metre of invective, the verb ἰαμβίζειν acquired the meaning to lampoon. There is probably implied a derivation from ἰάπτειν, to assail.


ἰάπτειν oder wie man heute sagt: shots fired. Hält die stand?
Re: Homers Komödie Margites #1
Franz R. schrieb am 23.09.2026 um 17:20 Uhr (Zitieren)
Aristoteles: Poetik

Es war für mich die grauenhafteste Lektüre, die an
der Uni gelesen wurde in einem Proseminar für
Latinisten.
Re: Homers Komödie Margites #1
Γραικύλος schrieb am 23.09.2026 um 17:37 Uhr (Zitieren)
Leider ist der Teil über die komische Literatur nicht erhalten.
Ein sehr angenehm zu lesender Autor wäre Aristoteles freilich auch damit nicht.
 
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