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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Schrecken eines Bürgerkrieges #2 (106 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.09.2026 um 13:21 Uhr (Zitieren)
Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges III 69-81:
71. Nach dieser Tat riefen sie die Kerkyrer zusammen und erklärten, so sei es am besten, so würden sie nicht zu Untertanen Athens, und in Zukunft wollten sie sich am Kriege nicht beteiligen, beide Parteien immer nur mit einem Schiff landen lassen, jede größere Anzahl als Angreifer betrachten. Und wie sie gesprochen, erzwangen sie auch gleich einen Beschluß dieses Inhalts.

Sie schickten auch nach Athen Gesandte, über das Geschehene zu berichten, wie es tunlich war, und ihre dorthin geflüchteten Mitbürger von Umtrieben gegen die Heimat abzuhalten, damit Athen nicht einschreite.

72. Als diese hinkamen, ergriffen die Athener die Gesandten als Aufrührer und schafften sie mit allen, die jene schon für sich gewonnen hatten, in Gewahrsam nach Aigina.

Mittlerweile war in Kerkyra ein korinthisches Schiff mit Gesandten aus Sparta eingelaufen; mit dieser Hilfe griffen die Machthaber das Volk an und blieben in einem Kampf Sieger. Mit Einbruch der Nacht rettete sich das Volk auf die Burg und die höher gelegenen Teile der Stadt, sammelte und befestigte sich dort und hatte auch den hylläischen Hafen in Besitz; die andern besetzten den Markt, wo die meisten von ihnen wohnten, und den anstoßenden Hafen nach der Festlandseite.

73. Tags darauf gab es kleinere Geplänkel, und beide besandten ihre Gehöfte draußen, um mit dem Versprechen der Freiheit das Gesinde aufzubieten. So erhielt das Volk Waffenhilfe von der Masse der Sklaven, die andern von achthundert Mann festländischer Hilfstruppen.

74. Nach einem ruhigen Tag kam es wieder zur Schlacht, und diesmal siegte das Volk vermöge seiner festern Stellung und seiner Überzahl. Auch griffen ihnen die Weiber tapfer mit ein; sie schossen von den Häusern herab mit Ziegeln und hielten über ihre Natur dem Getümmel stand [καὶ παρὰ φύσιν ὑπομένουσαι τὸν θόρυβον].

Da nun am späten Nachmittag die Schlacht sich entschied, fürchteten die Adligen, das Volk möchte sich im gleichen Anlauf und Geschrei der Werft bemächtigen, und das wäre ihr Verderben; sie zündeten darum die Häuser rings um den Markt an und die Mietwohnungen, daß kein Zugang sei, und schonten dabei nicht eignes noch fremdes Gut, so daß auch viele Waren von Händlern verbrannten und die ganze Stadt leicht hätte in den Flammen aufgehn können, wenn noch ein Wind in der Richtung dazugekommen wäre. So ließen sie ab vom Kampf und blieben die Nacht ruhig und auf der Hut; aber das korinthische Schiff lief nach dem Sieg des Volkes schleunig wieder aus, und die meisten Hilfstruppen wurden heimlich aufs Festland zurückgeschafft.

(Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Herausgegeben von Georg Peter Landmann. Zürich/München ²1976, S. 244-250)
 
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