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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Thomas More, Utopia, 1516 (163 Aufrufe)
Patroklos schrieb am 12.09.2026 um 14:54 Uhr (Zitieren)
Als starke Abschweifung und zum Amusement am Wochenende hier eine Passage zum Thema Brautschau.
Ferner beobachten sie [die Utopier] bei der Auswahl der Ehegatten mit Ernst und Strenge einen Brauch, der uns jedoch höchst unschicklich und überaus lächerlich vorkam. Eine gesetzte, ehrbare Matrone zeigt nämlich dem Freier das Weib, sei es ein Mädchen oder eine Witwe, nackt; und ebenso zeigt anderseits ein sittsamer Mann den Freier nackt dem Mädchen. Diese Sitte fanden wir lächerlich, und wir tadelten sie als anstößig; die Utopier dagegen konnten sich nicht genug über die auffallende Torheit all der anderen Völker wundern. Wenn dort, so sagten sie, jemand ein Füllen kauft, wobei es sich nur um einige wenige Geldstücke handelt, ist er so vorsichtig, daß er sich trotz der fast völligen Nacktheit des Tieres nicht eher zum Kaufe entschließt, als bis der Sattel und alle Reitdecken abgenommen sind; denn unter diesen Hüllen könnte ja irgendeine schadhafte Stelle verborgen sein. Gilt es aber, eine Ehefrau auszuwählen, eine Angelegenheit, die Genuß oder Ekel fürs ganze Leben zur Folge hat, so geht man mit solcher Nachlässigkeit zu Werke, daß man das ganze Weib kaum nach einer Handbreit seines Körpers beurteilt. Man sieht sich nichts weiter als das Gesicht an – der übrige Körper ist ja von der Kleidung verhüllt –, und so bindet man sich an die Frau und setzt sich dabei der großen Gefahr aus, daß der Ehebund keinen rechten Halt hat, wenn später etwas Anstoß erregen sollte. Denn einerseits sind nicht alle Männer so klug, nur auf den Charakter zu sehen, anderseits aber ist auch in den Ehen kluger Männer Schönheit des Körpers eine nicht unwesentliche Zugabe zu den Vorzügen des Geistes.
Re: Thomas More, Utopia, 1516
info schrieb am 12.09.2026 um 15:42 Uhr (Zitieren)
Re: Thomas More, Utopia, 1516
info schrieb am 12.09.2026 um 15:47 Uhr (Zitieren)
Re: Thomas More, Utopia, 1516
Bukolos schrieb am 13.09.2026 um 10:39 Uhr (Zitieren)
Zitat von Patroklos am 12.9.26, 14:54und so bindet man sich an die Frau und setzt sich dabei der großen Gefahr aus, daß der Ehebund keinen rechten Halt hat, wenn später etwas Anstoß erregen sollte.

Mit Blick auf den jungen König beinahe prophetische Worte.
Re: Thomas More, Utopia, 1516
Patroklos schrieb am 13.09.2026 um 14:20 Uhr (Zitieren)
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Utopia“ war Heinrich VIII 25 Jahre alt; seit 1509 König. Die 1501 (anders 1507) geborene Anne Boleyn wurde 1532 geheiratet. 1536 wurde sie zu ihrem Nachteil enthauptet.
Thomas Morus, der religiös Redliche, erlebte dies nicht, wurde er doch bereits 1535 „ebenfalls“ dekapitiert.
Re: Thomas More, Utopia, 1516
Bukolos schrieb am 13.09.2026 um 14:46 Uhr (Zitieren)
Deshalb "prophetisch". (Und die mit Anne Boleyn vollzogene war ja nur die bekannteste, keineswegs die letzte von Heinrichs Ehen.)
Re: Thomas More, Utopia, 1516
Patroklos schrieb am 13.09.2026 um 15:23 Uhr (Zitieren)
Dreierlei „Anstöße“.
Charges of adultery, incest and treason.
Doch dies erst nach Drucklegung.
Re: Thomas More, Utopia, 1516
Patroklos schrieb am 13.09.2026 um 15:44 Uhr (Zitieren)
Anstoß:
si quid offendat postea
Re: Thomas More, Utopia, 1516
βροχή schrieb am 13.09.2026 um 15:58 Uhr (Zitieren)

von Heinrichs Ehen



... der sah immer nur die Taube auf dem Dach, kaum hatte er sie in der Hand, wurde sie zum Spatzen degradiert.

Er hätte auch Kleopatra dekapituliert.

Re: Thomas More, Utopia, 1516
Patroklos schrieb am 13.09.2026 um 16:24 Uhr (Zitieren)
Zu den großen Versäumnissen der Kunstgeschichtliche gehört mMn, dass Holbein den englischen Hof uns in Portraits überliefert hat, nicht aber ein Bildnis von Kleopatra.
Sein Portrait von Thomas Morus gilt übrigens auch heute noch als äußerst gelungen.
Re: Thomas More, Utopia, 1516
βροχή schrieb am 13.09.2026 um 16:54 Uhr (Zitieren)
Jener Heinrich wurde dadurch scharf, dass Boleyn sich sträubte. Der hätte sie auch mit Nacktbesichtigung geheiratet.


 
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