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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Wanderanekdote (93 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.08.2026 um 11:38 Uhr (Zitieren)
1. Plutarch: Aussprüche des Philipp von Makedonien

When a poor old woman insisted that her case should be heard before him, and often caused him annoyance, he said he had no time to spare, whereupon she burst out, “Then give up being king [καὶ μὴ βασίλευε].” Philip, amazed at her words, proceeded at once to hear not only her case but those of the others.

[Moralia 179 C-D]


2. Plutarch: Demetrios Poliorketes

Als aber einmal eine alte Frau im Vorbeigehen sich dringend an ihn wandte und mehrmals bat, gehört zu werden, und auf seine Erklärung, er habe keine Zeit, losschrie: „Dann sei auch nicht König [μὴ βασίλευε]!“, da fühlte er sich tief getroffen, merkte auf, kehrte ins Haus zurück, setzte alles andere hintan und widmete sich, beginnend mit jener alten Frau, viele Tage lang allen, die mit einem Anliegen kamen.

[42]


3. Cassius Dio: Hadrian

Jedenfalls gab er einmal einer Frau, als sie ihn beim Vorübergehen auf einer Reise um etwas bat, zuerst den Bescheid: „Ich habe keine Zeit [οὐ σχωλάζω]!“, wandte sich aber dann, wie sie laut schreiend sagte: „Dann hör mit deinem Kaisertum auf [καὶ μὴ βασίλευε]!“, zu ihr um und lieh ihr sein Ohr.

[LXIX 6,3]


4. Stobaios: Florilegium

Ἀντιπάτρῳ ἀγροῖκος ἄνθρωπος ἐπεδίδου βιβλίον εὐτυχίαν ἔχον. ὁ δὲ, Οὐ σχολάζω, ἔφη. Καὶ μὴ βασίλευε, εἶπεν ἐκεῖνος, εἰ μὴ σχολὴν ἄγεις.

[XIII 28]

Arme alte Frau, alte Frau, Frau, Mensch.
Re: Eine Wanderanekdote
Γραικύλος schrieb am 22.08.2026 um 11:40 Uhr (Zitieren)
Letztere zudem ohne glückliches Ende.
Re: Eine Wanderanekdote
Bukolos schrieb am 22.08.2026 um 20:20 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 22.8.26, 11:384. Stobaios: Florilegium

Ἀντιπάτρῳ ἀγροῖκος ἄνθρωπος ἐπεδίδου βιβλίον εὐτυχίαν ἔχον. ὁ δὲ, Οὐ σχολάζω, ἔφη. Καὶ μὴ βασίλευε, εἶπεν ἐκεῖνος, εἰ μὴ σχολὴν ἄγεις.

Der Landbewohner wollte dem Herrscher vermutlich kein Glücks-Büchlein (βιβλίον εὐτυχίαν ἔχον) andienen, sondern eine Bittschrift (βιβλίον ἐντυχίαν ἔχον) einreichen.
Re: Eine Wanderanekdote
Γραικύλος schrieb am 22.08.2026 um 20:32 Uhr (Zitieren)
Das klingt plausibel und paßt auch besser zur Wanderanekdote, steht allerdings nicht so im Text der - ich muß es zugeben - Ausgabe Leipzig 1838. Das υ ist gut an dem Spiritus lenis erkennbar, der ja über einem ν nicht stehen dürfte.
Jedenfalls kein Abschreibfehler meinerseits.
Re: Eine Wanderanekdote
Bukolos schrieb am 23.08.2026 um 09:45 Uhr (Zitieren)
Hense entscheidet sich in seiner, zwar auch schon 1894 erschienenen, aber immer noch gültigen Ausgabe* ebenfalls für ἐντυχίαν, gibt aber an, dass es in den meisten Handschriften eher nach εὐτυχίαν aussieht und man bei einer nicht erkennen kann, ob sie ἐν- oder εὐτυχίαν hat:

https://archive.org/details/joannisstobaeian03stovuoft/page/463/mode/1up

* Der Abschluss von Dorandis Stobaios dürfte allerdings nicht mehr lange auf sich warten lassen: Seit 2025 liegt bereits der erste Band vor.
Re: Eine Wanderanekdote
Bukolos schrieb am 23.08.2026 um 10:08 Uhr (Zitieren)
Ganz nett ist auch 13, 52:
Δημοσθένης πρὸς κλέπτην εἰπόντα 'οὐκ ᾔδειν ὅτι σόν ἐστιν' 'ὅτι δέ' ἔφη 'σὸν οὔκ ἐστιν ἤδεις.'

Als Demosthenes zu einem Dieb sagte: "Mir war nicht bekannt, dass das dir gehört", entgegnete der: "Aber dass es dir nicht gehört, das war dir bekannt."
Re: Eine Wanderanekdote
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 23.08.2026 um 11:28 Uhr (Zitieren)
Sonntägliche Abschweifung (sit venia, Patrokle):

"Ich ein Dieb? Bewahre! Ich finde die Sachen nur, bevor die Leute sie verloren haben."
Goldoni (leider erinnere ich mich nicht an die genaue Stelle)
 
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