1894 hat der Historiker Ludwig Quidde ein Buch "Caligula. Eine Studie über römischen Cäsarenwahnsinn" veröffentlicht. Es wurde rasch klar, daß zwar in diesem Buch ausschließlich von Caligula die Rede, eigentlich aber ein ganz anderer gemeint war: Kaiser Wilhelm II.
Das hat Quidde die Karriere gekostet.
In der FAZ vom 19. August 2026 steht
u.d.T. "Die spinnen, die Römer. "Cäsarenwahnsinn" bei Wilhelm und Trump" ein Bericht über eine neue Interpretation von Quiddes Buch durch Martin Kohlrausch. Dieser meint, das Neue und Spezifische an Wilhelm II. sei gewesen, daß er der erste Medienkaiser war: ständig neue Nachrichten produzierend, bei denen es kaum noch auf den Inhalt ankam. Eine Dauershow samt Grenzüberschreitungen.
Das bringt ihn, so heißt es, in die Nähe von Donald Trump.
Aber in welchem Sinne könnte das auch von Caligula gesagt werden?
(Vgl. Wolfgang Weimer: 33 anstößige Bücher, die das Lesen lohnen – Skandale um Bücher aus 3500 Jahren. Gera 2019, S. 31 ff.)
Re: Zu Quiddes Caligula
Γραικύλος schrieb am 19.08.2026 um 18:07 Uhr (
Zitieren)
Er ist in der Tat einer der sehr wenigen Deutschen, die den Friedensnobelpreis erhalten haben; mit seinem Caligula-Skandalbuch hat das freilich nichts zu tun.
(Stresemann, Quidde, Ossietzky, Willy Brandt - das war's.)
Re: Zu Quiddes Caligula
Γραικύλος schrieb am 20.08.2026 um 18:43 Uhr (
Zitieren)
Eine Parallele zwischen Caligula und Trump zu ziehen, darauf ist bestimmt schon jemand gekommen; aber ein Medienkaiser war Caligula nicht - mangels Medien.