Es bleibt für mich unverständlich, warum man Sappho zur 10. Muse machen wollte. Keine Muse hat selbst Zitierfähiges hervorgebracht, sie brauchten als Medium für Kreativität immer männliche Künstler, Sappho brauchte sie nicht, sie war Muse und Künstler in einem ... In dieser patriarchalen Welt war ein künstlerisch kreative Frau wahrscheinlich ein solcher Verstoß gegen die Norm, dass man sie vergöttlichen musste.
Re: Lesbische Liebe in der Antike #1
Γραικύλος schrieb am 03.08.2026 um 10:14 Uhr (Zitieren)
So ganz und gar gegen die Norm, so völlig ungewöhnlich war Sappho als künstlerisch kreative Frau nun nicht:
(Antipatros von Thessalonike; Anthologia Graeca IX 26)
Immerhin wird hier in Deinem Sinne zwischen den Musen und den irdischen Frauen unterschieden.
Trübe sieht es allerdings in allen Fällen mit der Überlieferung der Texte aus, und ich frage mich, ob an dieser Stelle nicht die Ideologie von Männern resp. Mönchen eine Rolle gespielt hat.
Welche Texte werden kopiert und auf diese Weise tradiert, welche nicht?
Re: Lesbische Liebe in der Antike #1
info schrieb am 03.08.2026 um 11:27 Uhr (Zitieren)
Kernaspekte lesbischer Liebe in der Antike
1. Woher stammen heutige Begriffe wie „lesbisch“?
Ursprung: Der Begriff geht auf die griechische Insel Lesbos zurück, die Heimat der Dichterin Sappho (ca. 630–570 v. Chr.).
Bedeutung: Sappho verfasste Lyrik, in der sie Leidenschaft, Zuneigung und Begehren gegenüber jungen Frauen beschrieb.
Sprachliches Erbe: Ihr Wirken prägte die Begriffe „lesbisch“ (von der Insel Lesbos) und „sapfisch“ (von ihrem Namen).
2. Wie sah das antike Griechenland Beziehungen zwischen Frauen?
Literarische Quellen: Abgesehen von Sapphos Werken gibt es deutlich weniger schriftliche Zeugnisse als zur männlichen Knabenliebe (Päderastie).
Athen: Bürgerinnen lebten weitgehend zurückgezogen im häuslichen Bereich (Gynaikeion). Die Sexualität der Frau war primär auf Ehe und Nachwuchs ausgerichtet. In Platos Symposion wird weibliches Verlangen im Mythos der Kugelmenschen immerhin beiläufig erwähnt.
Sparta: Berichte (u. a. von Plutarch) deuten darauf hin, dass ältere Frauen in Sparta erzieherische und erotische Bindungen zu jüngeren Frauen eingingen – analog zu den gesellschaftlichen Strukturen bei den Männern.
3. Wie wurde weibliche Homosexualität im antiken Rom wahrgenommen?
Macht- und Rollenverständnis: Die römische Sexualmoral basierte auf Status und Dominanz (aktive vs. passive Rolle). Da Frauen keinen gesellschaftlich „aktiven“ Part einnehmen sollten, passten gleichgeschlechtliche Frauenbeziehungen nicht in das patriarchalische Raster.
Der Begriff Tribas: Römische Autoren (wie Martial oder Juvenal) nutzten in ihren Satiren das griechische Lehnwort tribas für Frauen, die in Beziehungen zu anderen Frauen die aktive Rolle einnahmen.
Gesellschaftlicher Status: Es gab in der klassischen Antike kein explizites rechtliches Verbot, doch wurden diese Beziehungen in der Regel totgeschwiegen, verspottet oder als Missachtung der ehelichen Pflichten gewertet.
Re: Lesbische Liebe in der Antike #1
info schrieb am 03.08.2026 um 11:32 Uhr (Zitieren)
Catull:
Ille mi par esse deo videtur,
ille, si fas est, superare divos,
qui sedens adversus identidem te
spectat et audit
dulce ridentem, misero quod omnis
eripit sensus mihi: nam simul te,
Lesbia, aspexi, nihil est super mi
lingua sed torpet, tenuis sub artus
flamma demanat, sonitu suopte
tintinnant aures, gemina teguntur
lumina nocte.
Re: Lesbische Liebe in der Antike #1
Patroklos schrieb am 03.08.2026 um 11:54 Uhr (Zitieren)