Γραικύλος schrieb am 15.07.2026 um 14:51 Uhr (Zitieren)
Neuerscheinung:
Rezension in der FAZ vom 15. Juli 2026.
Laut Schulz "der Prototyp des fehlerhaften Helden".
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
Patroklos schrieb am 15.07.2026 um 16:05 Uhr (Zitieren)
Auch wenn die Rezensentin Professorin für Klassische Philologie, FU Berlin ist, der unliterarische Realismus ist schlimm und inakzeptabel.
Am Ende entpuppt sich Odysseus also doch als soziales Wesen, mit all seinen Vorzügen und Brüchen. Warum teilt er dann nicht den reichen Schatz, den ihm die Phäaken schenkten, mit seinen Leuten?
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
Patroklos schrieb am 15.07.2026 um 16:34 Uhr (Zitieren)
§ 223 StGB
(1) Wer eine andere Person körperlich [auch in Foren] misshandelt oder an der [intellektuellen] Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
info schrieb am 15.07.2026 um 17:26 Uhr (Zitieren)
Was hat das mit meinen hochinformativen
Beträgen zu tun, die einfach grundlos gelöscht wurden.
Mancher Mitleser würde sich vlt. darüber freuen.
Auch Odysseus ist m.E. psychoanalytisch komplett
auflösbar wie Moses, Abraham, ... Jesus, Mohammed u.v.a., v.a. die rein literarischen
Fiktionen, deren Komprimiertheit sich leicht mit
entsprechenden Mittel aufdröseln lässt.
Ohne Psychoanalyse geht m.E. heute nichts mehr
in der Literatur als geronnene Lebenserfahrung.
Letztlich geht immer um die Frage:
Was will der Text sagen und wie ist entstanden?
Und: Mit welchem Mitteln arbeitet er und wo
ist sein Sitz im Leben?
Den Begriff stammt von dem deutschen protestantischen Theologen Hermann Gunkel (1862–1932).
Obwohl der Begriff aus der evangelischen Theologie stammt, hat er längst Eingang in andere Geisteswissenschaften gefunden – wie die Literaturwissenschaft, die Soziologie und die Geschichtswissenschaft. Heute bezeichnet man damit ganz allgemein den sozialen, kulturellen oder lebenspraktischen Kontext, in dem ein Text, ein Brauch oder ein Verhalten seine eigentliche Funktion und Bedeutung hat.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
Patroklos schrieb am 15.07.2026 um 17:29 Uhr (Zitieren)
Karl Kraus hat es bereits treffend formuliert:
Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
info schrieb am 15.07.2026 um 17:36 Uhr (Zitieren)
Das ist eine Meinung, die man nicht teilen muss und dadurch
nicht an Überzeugungskraft gewinnt,
dass sie von einer bekannter Persönlichkeit oder
so genannten Autorität stammt.
Philologie ist von Psychologie nicht mehr abtrennbar.
Zudem wusste Kraus nicht das über die
menschliche Seele, was wir heute wissen und
experimentell überprüfen und nachweisen können.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
Patroklos schrieb am 15.07.2026 um 17:52 Uhr (Zitieren)
Es geht um PsychoANALYSE und um Satire. Bitte mal Kraus lesen. (Statt Drewermann)
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
βροχή schrieb am 15.07.2026 um 17:57 Uhr (Zitieren)
... bin sowieso kein Fan der Psychoanalyse.
Wie soll das erst bei literarischen Figuren funktionieren?
Der Analytiker befragt seine Klienten, so bekommt er Facetten zu sehen. Odysseus kann nicht wirklich befragt werden.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
info schrieb am 15.07.2026 um 18:07 Uhr (Zitieren)
Ich halte mich nun mal lieber an Leute wie Freud Drewermann, Jung.
Was hat hier Satire zu suchen?
ANALYSE heißt Auflösung und genau darum geht es mir.
Philologia ancilla psychologia.
Aber die Texte, in denen er vorkommt.
Genau dafür ist Literaturwissenschaft da.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 15.07.2026 um 18:16 Uhr (Zitieren)
Ohne Kommentar.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
Γραικύλος schrieb am 15.07.2026 um 18:26 Uhr (Zitieren)
Auch die Psychoanalyse (Freud, Jung) trägt die Zeit ihrer Entstehung in sich.
Kann man mit den Methoden, die in Wien um 1900 entwickelt worden sind, Homer analysieren? Wie wissenschaftlich ist das? Oder wie zeitbedingt?
Im heutigen wissenschaftlichen Psychologiestudium spielt sie kaum eine Rolle, gilt sie als unwissenschaftlich.
Und dann erst eine Psychoanalyse mittels KI!
"Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
das ist im Grund der Herren eigner Geist,
in welchem sich die Zeiten spiegeln."
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 15.07.2026 um 18:29 Uhr (Zitieren)
Sehr schön! - dazu paßt auch:
„Du gleichst dem Geist, den du begreifst.“
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
meine Meinung schrieb am 16.07.2026 um 13:42 Uhr (Zitieren)
Warum nicht? Die Psychoanalyse hat sich
seitdem enorm weiterentwickelt.
Michael Köhlmeier, Drewermann u.a. benutzen sie bei ihren Märcheninterpretationen,
Drewermann auch bei der Bibelauslegung.
Es geht u.a.um zeitlose, menschliche Grunderfahrungen (Liebe, Leid, Tod, Verlust etc.)
Zusammen mit der Entmytholgisierung kommen
dabei beeindruckende Erkenntnisse zustande,
die nicht allen Freude bereiten, nicht wenigen
aber Kopfschmerzen und großes Unbehagen
(z.B. christlichen Kirchen und (ihren) unbelehrbaren Apologeten)
Ist der thymos und die Emotionalität des Odysseus keine psychoanalytisches Problem?
Oder die Psychen anderer Figuren bei Homer?
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
Γραικύλος schrieb am 16.07.2026 um 15:07 Uhr (Zitieren)
Hat sie das? Aber nicht in Richtung Wissenschaftlichkeit. Wie gesagt, im Psychologiestudium ist sie ein Randphänomen.
Was dadurch mehr erreicht werden soll, als eine moderne Denkweise über Homer zu stülpen, bleibt mir unklar. Wie in dem Goethe-Zitat gesagt: Es ist der Herren eigener Geist.
Es kommt halt darauf an, ob man mit der eigenen Denkweise einen neuen Zugang zur Antike finden oder ob man der Antike in ihrer Eigenheit gerecht werden will.
Ein klassisches Beispiel dafür dürfte sein, was Freud mit seinem Ödipus-Komplex aus dem historischen Ödipus-Stoff gemacht hat.
Re: Odysseus. Mythos und Wahrheit
Γραικύλος schrieb am 16.07.2026 um 15:14 Uhr (Zitieren)
Daß diese zeitlos sind, ist eine Behauptung, keine Tatsache.
Liebe etc. können für einen Menschen einer anderen Kultur ein sehr andere Bedeutung haben als für uns heute.
Was das für den Fall des Leidens bedeutet, ist mir so recht bei der Lektüre von Pascals "Gebet um den rechten Gebrauch der Krankheiten" bewußt geworden. Der christliche Glaube "färbt" auf die Leidenserfahrung sehr stark ab. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß ein Spartaner Leiden nicht ebenso erlebt hat.
Γραικύλος schrieb am 16.07.2026 um 17:46 Uhr (Zitieren)
Auffallend ist ja schon, daß es im Griechischen drei verschiedene Wörter gibt, für etwas, das wir vereinheitlichend "Liebe" nennen.
Ansonsten kann man das Beispiel heranziehen, das ich für Leiden gegeben habe. Wie Pascal leidet, ist mir als Nichtchrist völlig fremd.
Jemand, der Gott liebt: dito.