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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die zwölf Gesetze des Ligurius (31 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.07.2026 um 13:58 Uhr (Zitieren)
Gesta Romanorum 169:
Die zwölf Gesetze des Ligurius (Lykurgos)

Pompeius Trogus (1) erzählt von einem edlen Ritter namens Ligurius, der eine Stadt samt ihrem Volk zu einem Schwur veranlaßt hatte, gewisse gerechte und nützliche Gesetze, die freilich anfänglich drückend schienen, zu halten, bis er selbst von dem Gott Apollon, den er für den Urheber der besagten Bestimmungen ausgab, einen Bescheid erbrächte.

Er begab sich hierauf nach Kreta in selbstgewählte dauernde Verbannung. Wenn er aber sterben werde, dann sollten seine Gebeine ins Meer versenkt werden und nicht wieder in jene Stadt zurückkommen, damit nicht alle Leute dächten, nun ihres Eides entbunden zu sein und die Beachtung jener Gesetze verletzen zu dürfen.

Es waren dies zwölf Gesetze. Mit dem ersten bestimmte er das Volk zum Gehorsam gegen seine Fürsten, die Fürsten jedoch hieß er ihre Untertanen bewahren und die Gottlosen im Zaume halten. In dem zweiten Gesetz mahnte er alle zu Sparsamkeit und Einfachheit, weil er meinte, daß das Rittertum in Mäßigkeit löblicher sei als in Schlemmerei. Durch das dritte Gebot befahl er, jede Leistung nicht nach dem Geldeswert, sondern nach dem Verdients zu schätzen. Im vierten zeigte er, daß Gold und Silber wertloser seien als alle anderen Stoffe. Im fünften teilte er die Staatsverwaltung ordnungsgemäß ein, indem er den Königen die Gewalt im Kriege übergab, den Magistraten die Rechtsprechung bei allen Gesetzesverstößen, dem Senat die Wahrung der Gesetze und dem Volke die Gewalt, die Magistrate zu wählen und einzusetzen. Im sechsten Gesetz verteilte er den Grundbesitz gleichmäßig an alle und machte alle Erbgüter gleich, so daß keiner mächtiger würde als der andere. Mit dem siebenten gebot er, daß alle gemeinsam speisen sollten, damit keiner dem anderen Anlaß zu üppigem Wohlleben geben könnte. Im achten setzte er fest, daß die jungen Leute das ganze Jahr hindurch nur ein Gewand tragen sollten. In dem neunten befahl er, daß die armen Knaben aufs Land, nicht in das städtische Treiben gebracht werden sollten, damit sie die ersten Jahre ihres Lebens mit Arbeit, nicht mit Leichtsinnigkeit zubrächten. Durch das zehnte Gesetz bestimmte er, daß die jungen Mädchen ohne Mitgift heiraten sollten. In dem elften Gesetz gebot er, es sollten die Frauen nicht nach dem Geld gewählt werden; und im zwölften wünschte er, daß die größte Ehre nicht nach dem Reichtum, sondern nach der Höhe des Alters bemessen werden sollte.

Alles aber, was er in seinen Gesetzen anordnete, hat er als Beispiel für andere selbst zuerst gehalten.

(Gesta Romanorum – Geschichten von den Römern. Ein Erzählbuch des Mittelalters. Hrsg. v. Winfried Trillitzsch. Leipzig 1973, S. 382-384)

(1) römischer Historiker der Zeit des Augustus, dessen Werk in einer Zusammenfassung des Iustinus (3. Jhdt. u.Z.) erhalten ist
 
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