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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Weissagung vom Untergang Roms (38 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.07.2026 um 09:48 Uhr (Zitieren)
Gesta Romanorum 42:
Valerius (1) berichtet, daß er zu Rom auf einer Säule vier Buchstaben sah, deren jeder dreimal geschrieben war: nämlich drei p, drei r, drei s und drei f. Als er diese Buchstaben erblickte, rief er aus: „O weh, o weh! Ich sehe den Untergang dieser Stadt vor mir.“

Die Vornehmen, die das hörten, sprachen: „Meister, sage uns deine Deutung hiervon!“ Er sprach: „Der Sinn dieser Buchstaben ist dieser: ‚pater patriae perditur‘ (der Vater des Vaterlandes geht zugrunde), ‚sapientia secum sustollitur‘ (die Weisheit geht mit ihm unter), ‚ruunt regna Romae‘ (das Römerreich bricht zusammen), ‚ferro, flamma, fame‘ (durch Schwert, Feuer, Hunger).“
Uns also ist es nachher geschehen.

(Gesta Romanorum – Geschichten von den Römern. Ein Erzählbuch des Mittelalters. Hrsg. v. Winfried Trillitzsch. Leipzig 1973, S. 88)

(1) Valerius Maximus (1. Jhdt. u.Z.), Verfasser einer Sammlung von Denkwürdigkeiten und Sprüchen

Ob sich diese Geschichte tatsächlich bei Valerius findet, habe ich nicht nachgeschaut.
Re: Weissagung vom Untergang Roms
info schrieb am 08.07.2026 um 12:47 Uhr (Zitieren)

Die Fakten zur Geschichte aus den Gesta Romanorum (Kapitel 42)

Nicht bei Valerius Maximus: Die Geschichte über die Säule mit den zwölf Buchstaben (PPP, SSS, RRR, FFF) existiert definitiv nicht im echten, vollständig erhaltenen Werk Facta et dicta memorabilia des antiken römischen Autors Valerius Maximus.

Mittelalterliche Erfindung: Das Buchstabenrätsel und der Text sind ein reines Produkt des christlichen Hochmittelalters (ca. 13. Jahrhundert). Das Latein der Prophezeiung (perditur / sustollitur und der Dreiklang ferro, flamma, fame) nutzt Rhythmen und Endreime, die typisch für das Mittelalter sind und in der römischen Antike nicht vorkamen.

Bewusstes Pseudozitat: Die Autoren der Gesta Romanorum haben den Namen „Valerius“ frei erfunden und vor die Geschichte gesetzt, um der Erzählung und der anschließenden moralischen Predigt mehr historische Autorität und Gewicht zu verleihen. In wissenschaftlichen Fachausgaben der Gesta Romanorum wird daher explizit darauf verwiesen, dass diese Geschichte keinerlei antike Grundlage besitzt.


Das Problem mit der mittelalterlichen Quellenarbeit

Die Autoren der Gesta Romanorum waren keine modernen Historiker. Ihr Ziel war es nicht, Quellen korrekt zu zitieren, sondern packende Geschichten mit einer moralischen Predigtbotschaft zu liefern. Um diesen Geschichten Gewicht zu verleihen, nutzten sie eine im Mittelalter extrem verbreitete Methode: Sie erfanden Geschichten und setzten einfach den Namen eines bekannten antiken Denkers davor. Das nennt man in der Literaturwissenschaft ein Pseudozitat.

In den Gesta Romanorum wird reihenweise behauptet: „Valerius berichtet...“, „Seneca sagt...“ oder „Macrobius schreibt...“, obwohl die entsprechenden Geschichten in den echten Werken dieser Autoren nirgends existieren.
Der Gegenbeweis bei Valerius Maximus

Das überlieferte Werk von Valerius Maximus, die Facta et dicta memorabilia (Denkwürdige Taten und Sprüche), ist vollständig erhalten. Es ist exakt in neun Bücher unterteilt, die wiederum in Kapitel gegliedert sind (z. B. über Omen, über Träume, über Grausamkeit).

Es gibt darin keine Erwähnung einer Säule mit dieser Buchstabenkombination.

Es gibt darin keine Prophezeiung, die sich des Reims „ferro, flamma, fame“ bedient. Dieser Dreiklang (Eisen/Schwert, Flamme, Hunger) ist eine typische Redewendung des mittelalterlichen Kirchenlateins, nicht der klassischen römischen Antike.

Das Rätsel ist ein reines Produkt des Mittelalters. Die Mönche haben die Geschichte schlichtweg erfunden und sie Valerius Maximus angedichtet, damit die Zuhörer in der Kirche dachten: „Wenn das schon ein weiser, alter Römer auf einer Säule gesehen hat, dann muss an der Warnung ja etwas dran sein!“
 
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