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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die sieben Lehren des Aristoteles (58 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.07.2026 um 12:50 Uhr (Zitieren)
Gesta Romanorum 34:
Man liest vom König Alexander, daß er den Aristoteles zum Lehrer hatte, aus dessen Gelehrsamkeit er großen Nutzen zog und von dem er viele Tugenden lernte. Einmal bat er seinen Meister, ihm und den anderen etwas zu sagen, was ihnen ersprießlich sei.

Da sprach dieser: „Mein Sohn, höre fleißig zu; wenn du meine Lehren behalten wirst, dann wirst du zu großen Ehren gelangen. Sieben Dinge sind es, welche ich dich lehren will. Erstens darfst du nie den Waagebalken überspringen; zweitens nicht mit dem Schwert das Feuer schüren; drittens sollst du nie eine Krone rauben; viertens kein Vogelherz essen; fünftens, wenn du dich einmal auf den Weg gemacht hast, nicht umkehren; sechstens nie auf der öffentlichen Straße wandeln; siebentens keine schwatzhafte Schwalbe in dein Haus lassen.“
Der König befleißigte sich gar wunderbar dieser sieben Lehren und zog aus ihnen sein Leben lang Nutzen.

(Gesta Romanorum – Geschichten von den Römern. Ein Erzählbuch des Mittelalters. Hrsg. v. Winfried Trillitzsch. Leipzig 1973, S. 79)

Das sind ja seltsame Lehren! Zumindest die siebte hat Alexander offenbar nicht befolgt, sonst hätte er keinen Historiker mitgenommen auf seinen Feldzug.
Re: Die sieben Lehren des Aristoteles
info schrieb am 06.07.2026 um 13:43 Uhr (Zitieren)
Hinter den sieben scheinbar seltsamen Verboten verbergen sich handfeste Verhaltensregeln für ein gerechtes und erfolgreiches Leben:

Erstens: Nie den Waagebalken überspringen. Die Waage ist das universelle Symbol für Gerechtigkeit und Ausgewogenheit. Den Waagebalken zu überspringen bedeutet, das Recht zu beugen, gierig zu sein oder das Maß zu verlieren. Aristoteles mahnt hier zur Gerechtigkeit und Mäßigung.

Zweitens: Nicht mit dem Schwert das Feuer schüren. Das Feuer steht für den Zorn oder einen bereits schwelenden Konflikt, das Schwert für Gewalt und Waffen. Man soll einen ohnehin schon wütenden oder mächtigen Menschen nicht noch weiter provozieren. Es ist eine Warnung vor unüberlegter Aggression und dem Anfachen von Streit.

Drittens: Nie eine Krone rauben. Dies richtet sich direkt an den zukünftigen Herrscher. Es bedeutet, die Würde, die Rechte und den Besitz anderer zu respektieren und nicht tyrannisch oder unrechtmäßig nach Macht zu greifen. Es mahnt zu Legitimität und Respekt vor dem Eigentum.

Viertens: Kein Vogelherz essen. Vögel gelten traditionell als schreckhaft und flatterhaft; das Herz steht für den Mut. Wer ein Vogelherz isst, nimmt dessen Eigenschaften an. Die Lehre lautet: Sei kein Feigling. Ein Herrscher braucht Mut, Standhaftigkeit und Großherzigkeit.

Fünftens: Wenn du dich einmal auf den Weg gemacht hast, nicht umkehren. Wenn man eine wichtige, richtige Entscheidung getroffen oder eine Aufgabe begonnen hat, darf man nicht auf halbem Weg aus Angst oder Zweifel aufgeben. Es geht um Konsequenz, Zielstrebigkeit und Ausdauer.

Sechstens: Nie auf der öffentlichen Straße wandeln. Die breite, öffentliche Straße steht metaphorisch für den Weg der breiten Masse, die oft unüberlegt Vorurteilen oder Lastern folgt. Aristoteles rät Alexander, nicht einfach der Meinung der Menge zu folgen, sondern den schmaleren Pfad der Tugend, des eigenen Verstandes und der Eigenständigkeit zu wählen.

Siebentens: Keine schwatzhafte Schwalbe in dein Haus lassen. Die Schwalbe steht hier für Menschen, die viel reden, Geheimnisse ausplaudern oder Schmeichler sind. Für einen Herrscher sind solche Menschen gefährlich. Die Lehre warnt vor Schwätzern, Schmeichlern und falschen Freunden.

Fazit: Der Text zeigt, dass wahre Herrschaft und persönlicher Erfolg im Leben auf einem festen moralischen Fundament ruhen. Indem Alexander diese allegorischen Rätsel versteht und beherzigt, beweist er seine geistige Reife. Die sieben Lehren sind im Grunde ein kompakter Fürstenspiegel: Sie fordern Gerechtigkeit, Friedfertigkeit, Respekt, Mut, Entschlossenheit, Individualität und Vorsicht bei der Wahl der Berater.
Re: Die sieben Lehren des Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 06.07.2026 um 13:57 Uhr (Zitieren)
Die Bedeutung der Ratschläge ist einigermaßen klar - nicht aber, wie man behaupten kann, Alexander habe sich an sie gehalten ... und sei damit gut gefahren.
 
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