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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lysander - Reformplan oder Putschversuch #2 (27 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 17.06.2026 um 16:02 Uhr (Zitieren)
Diodorus Siculus, Universalgeschichte XIV 3:
Der Spartiate Lysandros hatte in sämtlichen Städten, welche den Lakedaimoniern untertan waren, Regierungen nach dem Willen der Ephoren eingerichtet, hier Dekarchien, dort Oligarchien, und genoß daher in Sparta sehr hohes Ansehen. Mit Beendigung des Peloponnesischen Krieges hatte er in seinem Vaterland die allgemein anerkannte Oberherrschaft zu Lande und zu Wasser errungen.

Stolz auf seine Erfolge, erwog er deshalb, die Königsherrschaft der Herakliden (1) zu beseitigen, und die Wahl zum König allen Spartiaten zu ermöglichen; hoffte er doch, daß ihm aufgrund der vollbrachten gewaltigen und ruhmreichen Leistungen die Macht alsbald zufallen würde.

Doch wußte er auch, daß die Lakedaimonier den Orakeln größte Bedeutung beimaßen, und versuchte deshalb, die Seherin in Delphi zu bestechen; er glaubte, mit seinem Unternehmen leicht ans Ziel zu gelangen, sobald er einen seinen Plänen günstigen Spruch erhalten würde.

Da er jedoch trotz üppiger Angebote die am Orakel Wirkenden nicht gewinnen konnte, knüpfte er mit den Priesterinnen am Orakel zu Dodona in der nämlichen Angelegenheit Unterhandlungen an; dies geschah durch Vermittlung eines gewissen Pherekrates aus Apollonia, eines Vertrauten der am Heiligtum tätigen Personen.

Auch hier erfolglos, unternahm Lysandros schließlich eine Reise nach Kyrene, angeblich um dem Ammon einige Gelübde zu erfüllen, in Wirklichkeit jedoch, um das Orakel zu bestechen. Er nahm denn auch erhebliche Gelder mit auf die Reise, wodurch er die am Tempel dienenden Priester zu gewinnen hoffte.

In der Tat war Libys, der König jener Gebiete, von väterlicher Seite sein Gastfreund, und der Bruder des Lysandros hatte aufgrund dieser zu dem König bestehenden freundschaftlichen Verbindung auch den Namen Libys erhalten.

Mit Hilfe jener Verbindung und seiner eigenen Geldmittel hoffte er nun, sich die Aufseher des Orakels gefügig zu machen; er verfehlte jedoch nicht nur seine Absicht, vielmehr schickten jene noch Gesandte aus, die den Lysandros wegen versuchter Korruption des Orakels verklagen sollten. Als indes Lysandros in Lakedaimon eingetroffen und angeklagt worden war, vermochte er sein Verhalten in überzeugender Weise zu rechtfertigen.

Damals wußten freilich die Lakedaimonier noch nichts von Lysandros‘ Plan, die von Herakles abstammenden Könige zu stürzen; erst einige Zeit später, als er tot war und in seinem Hause nach gewissen Dokumenten gesucht wurde, fand man eine sorgfältig ausgearbeitete Rede, die Lysandros zum Vortrag vor der Menge verfaßt hatte. Mit ihr gedachte er seine Zuhörer dafür zu gewinnen, künftig die Könige aus der gesamten Bürgerschaft zu wählen.

[Diodoros: Griechische Weltgeschichte. Buch XIV und XV. Übersetzt von Otto Veh. Stuttgart 2001, S. 34 f.]

(1) Auf Herakles führten beide Königshäuser Spartas ihre Abstammung zurück.
 
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