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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Über den Wert von Erziehung (92 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.06.2026 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Aussprüche von Spartanern (Moralia 225 F – 226 B):

Lykurg war der mythische Gesetzgeber Spartas; die Datierungen reichen vom 11. bis ins 8. Jhdt. v.u.Z.
Lycurgus, the lawgiver, whishing to recall the citizens from the mode of living then existent, and to lead them to a more sober and temperate order of life, and to render them good and honourable men (for they were living a soft life), reared two puppies of the same litter; and one he accustomed to dainty food, and allowed it to stay in the house; the other he took afield and trained in hunting. Later he brought them into the public assembly and put down some bones and dainty food and let loose a hare. Each of the dogs made for that to which it was accustomed, and, when the one of them had overpowered the hare, he said, “You see, fellow-citizens, that these dogs belong to the same stock, but by virtue of the discipline [ἐν τῇ τοῦ βίου ἀγωγῇ] to which they have been subjected they have turned out utterly dif-ferent from each other, and you also see that training [ἡ ἄσκησις] is more effective than Nature for good.”

But some say that he did not bring in dogs which were of the same stock, but that one was of the breed of house dogs and the other of hunting dogs; then he trained the one of inferior stock for hunting, and the one of better stock he accustomed to dainty food. And afterwards, as each made for that to which it had become accustomed, he made it clear how much instruction [ἡ ἀγωγή] contributes for better or worse, saying, “So also in our case, fellow-citizens, noble birth, so admired of the multitude, and our being descended from Heracles does not bestow any advantage, unless we do the sort of things for which he was manifestly the most glorious and most noble of all mankind, and unless we practise and learn what is good our whole life long.”

[Plutarch: Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 352-355]
Re: Über den Wert von Erziehung
alleinerziehende Mutter von 3 Kindern schrieb am 09.06.2026 um 14:41 Uhr (Zitieren)
Wenn es nur so einfach wäre, wie Lykurg es darstellt.
Der Vergleich ist so nicht auf Menschen übertragbar,
die einen freien Willen haben, heute zumindest
weitgehend.
Und es gilt auch nicht für alle Hunde.
Auch die haben ihre Eigenheiten, die man nicht
alle einfach so abdressieren kann.

Eine gute Erziehung ist Hohe Kunst, die die Mehrheit m.E. nicht wirklich beherrscht.
Entsprechend sind die Resultate:

https://www.aerzteblatt.de/news/immer-mehr-kinder-wegen-psychischer-probleme-in-stationarer-versorgung-16cf32d6-6179-4a05-86ee-d137b835ccf0

Mit Geld allein ist das Problem nicht lösbar.
Ein fataler Irrglaube vieler Politiker und Eltern.
Geld ist eben nicht alles.
Wo es an Zeit, Zuwendung und Zärtlichkeit,
kurz: an spürbarer Akzeptation fehlt, sind (große)
Probleme vorprogrammiert.

Natürlich gilt auch:
Viele Eltern wollen das Beste, scheitern aber an den strukturellen Bedingungen
einer überlasteten und extrem beschleunigten Gesellschaft.
Es ist ein Zusammenspiel aus familiären,
gesellschaftlichen und politischen Faktoren.
Und viele können mit Geld nicht umgehen
oder einfach ab und zu auf etwas verzichten,
was die Wirtschaft auch gar nicht will.
Konsum auf Pleitegeier-kommt-raus ist
wichtiger als gesunde finanzielle Verhältnisse.

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/schuldneratlas-verschuldung-steigt-100.html
Re: Über den Wert von Erziehung
Γραικύλος schrieb am 09.06.2026 um 15:44 Uhr (Zitieren)
Der Text enthält zwei Thesen zur Erziehung:

1.
training [ἡ ἄσκησις] is more effective than Nature for good.

2.
So also in our case, fellow-citizens, noble birth, so admired of the multitude, and our being descended from Heracles does not bestow any advantage, unless we do the sort of things for which he was manifestly the most glorious and most noble of all mankind, and unless we practise and learn what is good our whole life long.

Man kann beides zusammenfassen: Erziehung ist wichtiger als Veranlagung und Abstammung.
Heute könnte man sagen: ... als Biologie.

Ist daran etwas falsch?
Re: Über den Wert von Erziehung
Patroklos schrieb am 09.06.2026 um 16:02 Uhr (Zitieren)
Bei Buckelwalen würde ich die Erziehungsthese ein wenig in Zweifel ziehen.
Re: Über den Wert von Erziehung
Γραικύλος schrieb am 09.06.2026 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Faslch wäre m.E. die These: Erziehung erreicht immer das, was sie erstrebt.
Re: Über den Wert von Erziehung
Γραικύλος schrieb am 09.06.2026 um 16:07 Uhr (Zitieren)
Bei Buckelwalen würde ich die Erziehungsthese ein wenig in Zweifel ziehen.

Wahrscheinlich gilt sie nicht für Wildtiere. Es sei denn, man bezöge sie auf ihre Mütter.
Re: Über den Wert von Erziehung
Patroklos schrieb am 09.06.2026 um 16:29 Uhr (Zitieren)
Eine Kniffligkeit besonderer Art scheinen mir Wildtiere im Zoo zu sein.
Re: Über den Wert von Erziehung
Γραικύλος schrieb am 09.06.2026 um 16:36 Uhr (Zitieren)
Ja. Im Wolf- und Bärenpark Rippoldsau leben Bären und Wölfe, die im Umgang mit Menschen aufgewachsen sind. Dieses für sie unnatürliche Verhalten ist nicht mehr vollständig zu beheben.
Re: Über den Wert von Erziehung
meine Meinung schrieb am 09.06.2026 um 18:26 Uhr (Zitieren)
Faslch wäre m.E. die These: Erziehung erreicht immer das, was sie erstrebt.

Man muss die Ziele zunächst einmal klar definieren
und auf Sinnhaftigkei, Widersprüche und mögliche Gefahren
überprüfen.
Wozu genau dient nach Lykurg Erziehung?
Was soll am Ende herauskommen?
Sind Zielkonflikte ganz auszuschließen?
vgl. magisches Viereck in der VWL
Re: Über den Wert von Erziehung
βροχή schrieb am 10.06.2026 um 11:25 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 9.6.26, 16:07Bei Buckelwalen würde ich die Erziehungsthese ein wenig in Zweifel ziehen.
Wahrscheinlich gilt sie nicht für Wildtiere. Es sei denn, man bezöge sie auf ihre Mütter.


Buckelwale werden on ihrer Mama perfekt für ihre Wasserwelt erzogen.


Re: Über den Wert von Erziehung
Patroklos schrieb am 10.06.2026 um 12:03 Uhr (Zitieren)
Im Fall von Timmy wurde übersehen, dass er Opfer einer Buckelwalrabenmutter war.
 
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