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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Schöpfungsgeschichte, neu gedeutet (38 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.05.2026 um 23:27 Uhr (Zitieren)
Leuchtkugeln - Randzeichnungen zur Geschichte der Gegenwart. Erster Band, 1847:
Im Anfange was Alles wüst und leer, wie die Tasche eines steuerpflichtigen „Unterthans“, welcher eben aus der Rentamtskanzlei kommt.

Und der Geist schwebte über den Wassern – wie er jetzt über den meisten diplomatischen Verhandlungen schwebt und nicht in denselben.

Alles war finster, wie es heut zu Tage Manche wünschen, die um 6000 Jahre zu spät auf die Welt gekommen sind, welches Versehen sie dadurch gut zu machen suchen, daß sie den Weltlauf rückwärts zu drehen sich bemühen.

Gott aber befahl: „Es werde Licht!“ und da war es gut, daß er nicht unter der Censur stand, sonst hätte er nicht also rufen dürfen.

Und es ward Licht! woraus man sieht, daß es dem lieben Gott Ernst war mit seinem Wort und er es nicht wie manche unserer großen Herren beim Versprechen bewenden ließ.

Nun befahl Gott: „Es werde das Firmament!“ Da entstand das schöne blaue Gewölbe des Himmels, vor welches hernach die Kleriker aller Nationen und Confessionen so gerne einen grauen Dunst machen.

Und ein Theil des Wassers stieg als Wolken zum Himmel empor, damit er über den Druck der Armen, über das Elend, die Thorheiten und Verkehrtheiten der Erde weinen konnte.

Das Wasser floß als Meer zusammen, damit die Briten es in Bande schlagen, auch Holländer und – risum teneate amici! – Dänen Zölle errichten möchten.

Auch entstanden Flüsse und Bäche und das Trockne, das man heut zu Tage noch in der römischen Rechtsgelehrsamkeit und in deutscher Katheder-Weisheit verspürt.

Jetzt befahl Gott: „Die Erde bringe Gras und Kräuter und Früchte hervor, natürlich! sonst wären die Zehnten und das Grundobereigenthum nicht „nutznießbar“.

Nach diesem sprach Gott: „Am Himmel sollen Lichter werden!“ Es wies ihnen nämlich ihren Platz so hoch oben an, damit sie in späteren Tagen keine Erdenmacht mit Beschlag belegen oder eine Nebelkappe darüber hängen konnte.

Endlich schuf Gott einen Menschen aus Lehm, welche Abstammung an Vielen unter uns noch so kenntlich ist!

Und dann hatte der liebe Gott genug!

[Facsimile Querschnitt – Humor aus zwei Jahrhunderten. Hrsg. v. Petra Eisele. Bern/München o.J., S. 31]
Re: Die Schöpfungsgeschichte, neu gedeutet
info schrieb am 29.05.2026 um 15:33 Uhr (Zitieren)
Gott aber befahl: „Es werde Licht!“

Wem befahl er das? Wer hat exekutiert?
Warum hat er wann den Befehl erteilt?

KI:
Wem befahl er das und wer hat exekutiert?

Im hebräischen Originaltext steht an dieser Stelle das Wort „Jehi 'ōr“ (יְהִי אוֹר). Grammatikalisch ist das kein klassischer Befehl an eine zweite Person (wie „Mach Licht!“), sondern ein sogenannter Jussiv (ein Wunsch- oder Aufforderungssatz an die dritte Person). Richtiger übersetzt heißt es: „Es soll Licht werden!“ oder „Licht entstehe!“
Daraus ergeben sich in der Theologie zwei Haupterklärungen:
Der Befehl an die Materie / das Nichts: Gott befiehlt keinem eigenständigen Wesen, sondern spricht direkt in das Tohu wabohu (das anfängliche Chaos und die Finsternis) hinein. Das Wort selbst ist hier die schöpferische Kraft. Es gibt keinen separaten „Ausführenden“ – das Wort ist die Tat.
Das Wirken des „Wortes“ (Logos): Im jüdischen und christlichen Kontext wird das Wort Gottes oft als eine aktive, dynamische Kraft verstanden. Im Johannesevangelium des Neuen Testaments wird dies später so interpretiert, dass Gott durch sein „Wort“ (den Logos) alles geschaffen hat. Gott spricht, und sein inhärentes Wort führt es aus.

Es gibt in diesem Stadium der biblischen Erzählung noch keine Engel oder andere Geistwesen, die als kosmische Handwerker den Befehl hätten ausführen können.

Warum hat er den Befehl erteilt?
Der Text selbst liefert ein ganz praktisches und ein tiefenpsychologisches „Warum“:
Überwindung des Chaos: Unmittelbar vor dem Lichtbefehl beschreibt die Bibel die Erde als „wüst und leer“ (Tohu wabohu), gelähmt von tiefer Finsternis. Licht ist in der altorientalischen Vorstellung der Erzähler das absolute Gegenteil von Chaos. Es bringt Ordnung, Struktur und vertreibt die lebensfeindliche Dunkelheit.

Voraussetzung für Leben: Ohne Licht gibt es keine Orientierung, keine Zeitstruktur und kein Wachstum. Das Licht ist das Fundament, auf dem alle folgenden Schöpfungstage (Pflanzen, Tiere, Menschen) überhaupt erst aufbauen können.

Wann hat er den Befehl erteilt?
Zeitlich gesehen passiert das ganz am Anfang, konkret am ersten Tag der Schöpfung.
Das wirft historisch oft eine logische Frage auf: Wie kann am ersten Tag Licht entstehen, wenn Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tag geschaffen werden?

Die damaligen Verfasser verstanden das Licht nicht als physikalische Strahlung einer Glühbirne oder eines Sterns. Für sie war Licht eine eigenständige, kosmische Ur-Substanz, die von Gott direkt verströmt wurde. Erst am vierten Tag schuf Gott die Himmelskörper als „Leuchtträger“, um dieses bereits existierende Ur-Licht zu verwalten und den Rhythmus von Tag und Nacht für den Menschen messbar zu machen.

PS
Heute könnte der Befehl lauten:
Virtuelle Quanten vereinigt euch und werdet baryonische, anfassbare Materie!
 
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