Γραικύλος schrieb am 23.05.2026 um 15:06 Uhr (Zitieren)
"Was gerade stirbt - Welche Zukunft haben private Bibliotheken?" Unter diesem Titel berichtet die FAZ vom 23. Mai 2026 über ein Symposion, das sich diesem Thema gewidmet hat.
Die Antwort, in kürzestmöglicher Form: keine.
Etwas länger: Man kann seine Bibliothek erfassen (also: ein digitales Verzeichnis erstellen) und dann erst auflösen.
Wer sich für ein solches Verzeichnis interessieren könnte, wird nicht gesagt.
Interessant fand ich, was ein Antiquar zu seinem Geschäftsfeld mit Bezug auf das Internet sagte: "Am Anfang war die Reichweitenvergrößerung ein Segen für mein Antiquariat, dann machte die totale preisliche Transparenz das Geschäft kaputt, weil nun jeder den anderen unterbietet."
Wir haben gerade die umfangreiche Privatbibliothek eines Verstorbenen aufgelöst und die Bücher zum größten Teil an Werkstätten abgegeben, wo die Papierblöcke aus den Einbänden gerissen und an eine Firma geliefert werden, die Pellets daraus presst.
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
Patroklos schrieb am 24.05.2026 um 11:27 Uhr (Zitieren)
Bücherverbrennung!!
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
βροχή schrieb am 24.05.2026 um 12:04 Uhr (Zitieren)
Thermische Verwertung. Das ist besser, als lebende Wälder zu Pellets zu verarbeiten, wie es die Kanadier machen.
Noch besser für die Bücher wäre es selbstverständlich, wenn es für diese Bibliothekare Nachfolger gäbe.
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
info schrieb am 24.05.2026 um 15:48 Uhr (Zitieren)
Was früher v.a. in der Finanzindustrie der Fall war,
verbreitet sich auf Gesamtwirtschaft.
Gut für den Kunden, weniger gut für die Verkäufer,
Der Druck kann bis zur Pleite führen.
War es Aby Warburg? Oder Borges, der, wenn er ein Buch fallen ließ, sich bei diesem entschuldigte? Diese Personifizierung, fast Heiligsprechung von Büchern hat einen argen Knacks bekommen, seit sie nicht mehr die einzigen und vielfach unersetzlichen Wissensspeicher sind. Durch Digitalisierung und Internet entdecken wir, dass sie auch nur Dinge, Waren sind, deren Wert und Verwendbarkeit sinken kann, die wir aber zu Fetischen unseres Selbstverständnisses, ja, unserer Selbstachtung aufgebaut haben ... Wir sollten uns vielleicht besser wieder an Biton von Argos halten …
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
βροχή schrieb am 25.05.2026 um 12:32 Uhr (Zitieren)
... weniger Fetisch, eher Kameraden, das können Bücher sein. Auch dann, wenn man sie nicht besitzt, und nur 1x gelesen hat.
In Fahrenheit 451 werden sämtliche Bücher verbrannt, die Buchfreunde lernen sie auswendig.
Quoth schrieb am 29.05.2026 um 19:16 Uhr (Zitieren)
Man erinnere sich, mit welchem Stolz sich Wissenschaftler vor ihren prall gefüllten Bibliotheken ablichten ließen - das war ein Statussymbol.
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
Quoth schrieb am 29.05.2026 um 19:43 Uhr (Zitieren)
War das nicht der, der sagte, alles was er brauche, habe er bei sich, als er die belagerte Stadt verließ, ohne irgendwelchen Besitz mitzunehmen?
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
Bukolos schrieb am 30.05.2026 um 01:00 Uhr (Zitieren)
Laut Cicero (parad. 1, 1, 8) war es Bias von Priene, der in der beschriebenen Situation Omnia mecum porto mea sagte. Ähnliches sollen Stilpon von Megara (Omnia mea mecum sunt, Sen., const. sap. 5, 6) und Simonides (Mecum mea sunt cuncta, Phaedr. 4, 23, 14) geäußert haben.
Dann ist Biton von Argos also eine Fehlerinnerung - oder der Lateinlehrer hat gesponnen! Vielen Dank! Da weiß man doch, weshalb man in einem Forum mit lauter Humanisten schreibt!
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
Γραικύλος schrieb am 30.05.2026 um 12:05 Uhr (Zitieren)
Es gibt sogar eine griechische Version (Monostichon 569 von Menander): "ὁ σοφὸς ἐν αὐτῷ περιφέρει τὴν οὐσίαν."
Re: Was wird aus Privatbibliotheken?
Γραικύλος schrieb am 30.05.2026 um 12:16 Uhr (Zitieren)
Ein kleiner, aber bedeutungsschwangerer Abschreibfehler:
ἐν αὐτῷ --> ἐν αὑτῷ (in sich)