Γραικύλος schrieb am 13.05.2026 um 15:43 Uhr (Zitieren)
Das Leben Homers (vermutlich 1. Jhdt. u.Z., Herodot zugeschrieben), 5-8
Homer, so heißt es, sei in Smyrna als uneheliches Kind des Phemios und der Kretheïs geboren; von ihr habe er den Namen Melesigenes, nach dem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Fluß Meles, erhalten.
[Homeric Hymns – Homeric Apocrypha – Lives of Homer. Ed. by Martin L. West. Cambridge (Mass.)/London 2003, pp. 358-363]
Re: Homers Jugend und Erblindung
Γραικύλος schrieb am 13.05.2026 um 16:46 Uhr (Zitieren)
Dann wäre er ein erblindeter Dichter gewesen wie Milton und Borges. Aber wie der Streit um seinen Geburtsort und hier die Ungewissheit über den Ort, an dem er erblindete, zeigen, bewegen wir uns im Bereich der Vermutung oder Erdichtung ... Die Möglichkeit, dass ihm die Blindheit angedichtet wurde, um ihn auf eine Ebene mit Tiresias und anderen "Sehern" zu stellen, besteht weiter.
Re: Homers Jugend und Erblindung
Γραικύλος schrieb am 13.05.2026 um 17:55 Uhr (Zitieren)
Natürlich, es handelt sich um nicht mehr als eine (Herodot untergeschobene) Legende. Nichts Genaues weiß man nicht.
Da die gängigen Homer-Plastiken durchweg älter sind als diese Geschichte aus dem 1. Jhdt. und sie allesamt Homer als Blinden zeigen, können wir immerhin davon ausgehen, daß dies einer alten Tradition entsprach. Nur kann ich das nicht mit einer Geschichte über die Art seiner Erblindung verbinden.
Er ähnelt damit König Artus und Wilhelm Tell, ja, vielleicht sogar Jesus, also historisch nicht oder nur zum Teil nachweisbaren Gestalten, deren Biografie legendenhaft ausgestaltet wurde.
Re: Homers Jugend und Erblindung
Γραικύλος schrieb am 14.05.2026 um 13:49 Uhr (Zitieren)
So ist es wohl. Man könnte noch den Buddha sowie Lao Tse und Dschuang Dsi hinzufügen. Höchst bedeutsame Personen, über deren Leben wir fast nur Legenden kennen.
Re: Homers Jugend und Erblindung
Patroklos schrieb am 14.05.2026 um 14:24 Uhr (Zitieren)
Das Thema des gespielten Blinden findet sich in Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein“ (1964). Der erste Titel lautete „Lila oder Ich bin blind“. Der Verlag konnte Frisch den Titel ausreden.