I.
Antiochos IV. Epiphanes
(reg. 175-164 v.u.Z.)
1.
Ihnen (1) entsproß ein ruchloser Zweig, Antiochus Epiphanes (2), ein Sohn des Königs Antiochus [III.]. Er war in Rom als Geisel gewesen und wurde König im Jahre 137 griechischer Herrschaftszeit (3).
In jener Zeit traten in Israel gesetzesfeindliche Leute auf. Sie redeten auf viele ein und sprachen: „Wir wollen uns mit den Heiden, die rings um uns wohnen, gut vertragen! Seitdem wir uns nämlich von ihnen abgesondert haben, traf uns allerlei Unglück.“ Der Vorschlag gefiel ihnen sehr. Einige aus dem Volk erklärten sich bereit, zum König zu gehen; dieser gab ihnen die Erlaubnis, heidnische Gewohnheiten einzuführen. Man errichtete in Jerusalem nach heidnischer Sitte eine Ringschule. Auch stellten sie die Vorhaut wieder her, wurden vom heiligen Bund abtrünnig, verbrüderten sich mit den Heiden und verkauften sich zu Schandtaten.
Als die Königsherrschaft des Antiochus gefestigt war, ging er daran, auch über Ägypten zu herrschen (4), um so zwei Königreiche zu besitzen. Er zog also mit großer Heeresmacht gegen Ägypten, mit Streitwagen, Elefanten, Reitern und einer großen Flotte. Er maß sich im Kampf mit dem Ägypterkönig Ptolemäus (5). Ptolemäus ward von ihm geschlagen und entfloh. Es gab viele Gefallene und Tote. Man eroberte die befestigten Städte in Ägypten, und er nahm die Beute Ägyptens entgegen.
Nach seinem Sieg über Ägypten im Jahre 143 wandte sich Antiochus um und zog gegen Israel zu Felde. Mit großer Heeresmacht rückte er gegen Jerusalem heran. Von Stolz aufgebläht, betrat er das Heiligtum und nahm den goldenen Räucheraltar, den Leuchter und alle dazugehörigen Geräte weg; desgleichen den Schaubrottisch, die Kannen und Schalen, die goldenen Rauchfässer, den Vorhang, die Kränze und den goldenen Schmuck an der Vorderseite des Tempels; alle Vergoldungen schälte er ab; alles ließ er entfernen. Er nahm das Silber, das Gold und die kostbaren Gerätschaften und vergriff sich an den verborgenen Schätzen, die er gefunden hatte.
Mit all dem Geraubten kehrte er in sein Land zurück. Ein mörderisches Blutbad hatte er angerichtet und äußerst hochmütige Reden geführt.
Große Trauer brach allerorts in Israel aus. Fürsten und Älteste seufzten, Jungfrauen und Jünglinge siechten dahin, und die Schönheit der Frauen schwand. Jeder Bräutigam stimmte Wehklage an, und die im Brautgemach saß, war schmerzerfüllt. Das Land erbebte wegen seiner Bewohner, das ganze Haus Jakob war in Schmach gehüllt.
([1 Makkabäer 1, 10-64)
(1) den Seleukiden, den Nachkommen des Seleukos, eines Generals Alexanders des Großen
(2) Der griechische Historiker Polybios nennt ihn (26, 10) „Epimanes“ (den Verrückten), wenn auch nicht wegen seines Umgangs mit den Juden, den er gar nicht erwähnt.
(3) Gemeint ist die Herrschaftszeit der Seleukiden, die im Jahre 312
v.u.Z. ihren Anfang nahm.
(4) Dort regierten die Ptolemäer, die Nachkommen des Ptolemaios, eines anderen Generals Alexanders des Großen.
(5) Ptolemaios VI. Philometor