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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Problem für Charon (172 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.04.2026 um 17:28 Uhr (Zitieren)
Nach dem Attentat in Sarajewo am 28. Juni 1914 beschäftigte die Österreicher mehr noch als die politischen Folgen die Frage des Hofzeremoniells: Der ermordete Thronfolger Franz Ferdinand war mit der ebenfalls ermordeten Gräfin Chotek in morganatischer [unebenbürtiger] Ehe verbunden gewesen.

Der Kladderadatsch brachte am 19. Juli dazu eine Zeichnung des Obersthofmarschalls Montenuovo, der am Ufer des Styx zu Charon sagt: "Lieber Charon, haben Sie denn nicht noch ein Boot? Wir können doch einen Erzherzog nicht mit einer - äh - unebenbürtigen Gemahlin in ein und demselben Boot fahren lassen?"
Re: Ein Problem für Charon
Patroklos schrieb am 27.04.2026 um 17:42 Uhr (Zitieren)
Ich hab nochmals nachgeschaut (DWDS):
morganatisch Adj. ‘nicht standesgemäß’ (in bezug auf die Ehe), entlehnt (18. Jh.) aus gleichbed. frz. morganatique, gebildet (Anfang 17. Jh.) nach mlat. oder nlat. (matrimonium ad) morganaticam ‘(Ehe auf bloße) Morgengabe’, d. h. die Braut erhält die Morgengabe, aber keine weiteren versorgungsrechtlichen Ansprüche (‘Ehe zur linken Hand’). Mlat. nlat. morganaticus ‘den Morgen, die Morgengabe betreffend’ dürfte als Latinisierung von anfrk. morgan- (in morganegiba) anzusehen sein.
Re: Ein Problem für Charon
Γραικύλος schrieb am 27.04.2026 um 17:52 Uhr (Zitieren)
"Die Ehe zur linken Hand", das war ein anderer Ausdruck dafür. Ob die Braut den Ehering an den linken Finger gesteckt bekam?
Trauring, aber wahr!
Re: Ein Problem für Charon
Patroklos schrieb am 27.04.2026 um 17:56 Uhr (Zitieren)
Eher:
Der Begriff leitet sich daraus ab, dass der Bräutigam der Braut bei der Trauung die linke Hand reichte, nicht die rechte.
Re: Ein Problem für Charon
info schrieb am 27.04.2026 um 18:03 Uhr (Zitieren)
Wir können doch einen Erzherzog nicht mit einer - äh - unebenbürtigen Gemahlin in ein und demselben Boot fahren lassen?"

Da denke ich an Wallis Simpson und ihren Edward.
Sie sich in einer gemeinsamen Hochzeitskutsche
im damaligen England vorzustellen, unvorstellbar.
Sie hat ihn um 13 Jahre überlebt(+1972 bzw. +1986).
Für Prinz Charles war das kein Problem mehr.

Die Faszination, die Edward VIII. für Wallis Simpson empfand, ist ein Thema, das Historiker und Psychologen seit Jahrzehnten beschäftigt. Es gab nicht den einen Grund, sondern vielmehr ein Zusammenspiel aus ihrer Persönlichkeit, seinem Naturell und der Dynamik zwischen ihnen.

Hier sind die wesentlichen Aspekte ihrer Anziehungskraft:

Unabhängigkeit und Direktheit
Wallis Simpson unterschied sich radikal von den Frauen des britischen Adels, mit denen Edward aufgewachsen war. Sie war US-Amerikanerin, zweimal geschieden und pflegte einen direkten, oft scharfzüngigen Kommunikationsstil.

Keine Ehrfurcht: Während andere in Edwards Gegenwart befangen waren, behandelte Wallis ihn nicht wie einen Thronfolger, sondern wie einen gewöhnlichen Mann. Sie widersprach ihm und kritisierte ihn offen, was er als erfrischend und faszinierend empfand.

Witz und Intellekt: Sie galt als schlagfertige Gesprächspartnerin, die über Weltgeschehen und Politik ebenso sicher plaudern konnte wie über Mode und Gesellschaft.

Emotionale Abhängigkeit
Edward war eine Persönlichkeit, die zeit seines Lebens nach Führung und mütterlicher Fürsorge suchte.

Dominanz: Wallis übernahm oft die Initiative und traf Entscheidungen für ihn. Diese dominante Art schien Edwards Bedürfnis nach einer starken Hand entgegenzukommen.

Exklusivität: Sie gab ihm das Gefühl, das Zentrum ihres Universums zu sein, forderte aber gleichzeitig seine absolute Aufmerksamkeit ein. Diese intensive Zweisamkeit bot ihm Flucht vor den starren Protokollen des Hofes.

Stil und Modernität
Wallis Simpson verkörperte den Typus der modernen Frau der 1930er Jahre.

Eleganz: Sie war für ihren tadellosen Geschmack und ihre Vorliebe für Haute Couture bekannt. Edward, der selbst sehr modebewusst war und die Traditionen des Viktorianismus ablehnte, bewunderte ihren Sinn für Ästhetik.

Kosmopolitisches Flair: Sie brachte eine Weltläufigkeit in sein Leben, die im Gegensatz zur oft isolierten Welt des britischen Königshauses stand.

Rebellion gegen das Establishment
Die Beziehung zu Wallis war für Edward auch ein Akt der Rebellion.

Bruch mit der Tradition: Indem er sich für eine Frau entschied, die in den Augen der Kirche und des Staates als völlig ungeeignet galt, drückte er seine Ablehnung gegenüber den starren Erwartungen seines Amtes aus.

Außenseiterrolle: Beide empfanden sich in gewisser Weise als Außenseiter innerhalb der strengen britischen Hierarchie, was ihr Band verstärkte.



Theorien zur sexuellen Dynamik zwischen Edward und Wallis:

Dominanz und Unterwerfung: Edward galt als emotional unselbstständig und suchte vermutlich eine Partnerin, die auch im Intimen die Führung übernahm. Wallis’ dominante Art kam diesem Bedürfnis entgegen.

Die „China-Gerüchte“: Es hielt sich das hartnäckige Gerücht, Wallis habe in China spezielle sexuelle Techniken erlernt, mit denen sie Edwards angebliche sexuelle Unsicherheiten oder Funktionsstörungen beheben konnte.

Psychologische Hörigkeit: Die sexuelle Anziehung war eng mit einem Mutterkomplex verknüpft. Wallis bot ihm eine Mischung aus strenger Führung und exklusiver Aufmerksamkeit, die ihn körperlich und emotional abhängig machte.

Bruch mit Konventionen: Ihre Direktheit und mangelnde Ehrfurcht übertrug sich wahrscheinlich auch auf ihr Privatleben, was für den durch das Protokoll eingeengten Edward eine völlig neue Erfahrung darstellte.

Die Quellenlage stützt sich hierbei oft auf Geheimdienstberichte und Zeitzeugen, da das Paar selbst keine Details über sein Intimleben dokumentierte.
 
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