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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z. (453 Aufrufe)
νύξ schrieb am 25.04.2026 um 03:03 Uhr (Zitieren)
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 10:25 Uhr (Zitieren)
Eine Anmerkung zur Zeitrechnung:

"n.u.Z." ist analog zu "n.Chr.Geb." gebildet, aber falsch.

"nach Christi Geburt" ist korrekt, denn die Geburt Christi dauert nicht mehr an. "nach" ist eindeutig zeitlich zu verstehen, nicht als "gemäß".
"nach unserer Zeitrechnung" ist falsch, denn diese Zeitrechnung dauert noch an.

Ich meine, diese Ausdrücke sind in der DDR eingeführt worden; aber sie lauteten immer: "v.u.Z." und "u.Z."
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 25.04.2026 um 10:30 Uhr (Zitieren)
nach ist nicht unbedingt zeitlich zu verstehen, es bedeutet auch gamäß
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 10:40 Uhr (Zitieren)
Darauf bin ich ja schon eingegangen.

1. Es bedeutet in der Analog-Rechnung eben nicht gemäß, sondern zeitlich nach (Christi Geburt).
2. In der DDR, aus der diese Bildung stammt, hieß es immer "u.Z.", nicht "n.u.Z."
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
info schrieb am 25.04.2026 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Die Zeitrechnung in der DDR: v.u.Z. und u.Z.

In der DDR wurden die christlichen Begriffe „vor Christus“ (v. Chr.) und „nach Christus“ (n. Chr.) durch ideologisch neutrale Bezeichnungen ersetzt. Ziel war es, die Zeitrechnung zu säkularisieren und den religiösen Bezug zu entfernen.
Die Begriffe
v.u.Z.: vor unserer Zeitrechnung
u.Z.: unserer Zeitrechnung

Warum nicht „n.u.Z.“?

Die Abkürzung u.Z. wurde bewusst gewählt, weil man sich konzeptionell
innerhalb dieses Systems befand.

Logik des Systems: Die Zeitrechnung beginnt mit dem Jahr 1. Alles, was danach kommt, ist Teil dieser Zeitrechnung. Man lebt also in „unserer Zeitrechnung“, nicht nach ihr. Ein „nach unserer Zeitrechnung“ würde implizieren, dass die aktuelle Zählweise bereits abgeschlossen ist und etwas Neues begonnen hat.

Abgrenzung: Das Präfix v. (vor) war notwendig, um den Zeitraum zu markieren, der zeitlich vor dem Startpunkt (Jahr 1) des verwendeten Kalendersystems lag.

Sprachgebrauch: „u.Z.“ etablierte sich als fester Begriff, um auszudrücken: „Im Jahre X des aktuell gültigen Systems“.

Diese Bezeichnungen blieben bis zum Ende der DDR der Standard in Schulen, wissenschaftlichen Werken und in den Medien.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Persephone schrieb am 25.04.2026 um 13:54 Uhr (Zitieren)
Zur Geschichte der Ausdrücke (vor der KI): https://de.wikipedia.org/wiki/V._u._Z.

Hat nicht Nietzsche mal gesagt, wir würden Gott nicht los, solange wir an die Grammatik glauben? Gilt dann analog, wir werden Christus nicht los, solange wir einen Kalender benutzen? Die bloß sprachliche Säkularisierung hat sich ja, anders als diverse Revolutionen, offenbar damit abgefunden, dass Christus Nullpunkt bleibt.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
info schrieb am 25.04.2026 um 14:35 Uhr (Zitieren)
Die bloß sprachliche Säkularisierung hat sich ja, anders als diverse Revolutionen, offenbar damit abgefunden, dass Christus Nullpunkt bleibt.

Und Jesus soll um 6 oder 7 v. Chr. geboren sein.
Zu Christus wurde Jesus erst nach seiner anastasis, die um das Jahr 30 n.Z. gewesen sein soll.

Dazu der Theologe Willy Marksen:

Willi Marxsen lenkte ausgehend von der von ihm äußerst kritisch gesehenen Frage nach dem „historischen Jesus“ (Leben-Jesu-Forschung) das Augenmerk besonders auf die Auferstehungsthematik. Hier führte er die Differenzierung zwischen dem „Jesus-Kerygma“ und dem „Christus-Kerygma“ ein. In dieser Position unterschied er sich von Rudolf Bultmann. Bultmann sah den Beginn des Christentums erst nach Kreuzigung und Auferstehung Jesu (Christus-Kerygma), für Marxsen gab es eine ungebrochene Kontinuität zwischen dem durch das Wirken des Menschen Jesus schon zu dessen Lebzeiten hervorgerufenen Glauben und dem nachösterlichen christlichen Glauben (Jesus-Kerygma). Marxsen formulierte in seinen Lehrveranstaltungen sinngemäß stets: „Ostern bedeutet, dass der am Kreuz ‚gescheiterte‘ Glaube neu gewagt wurde“, wobei er die Inhalte des nachösterlichen Glaubens als im Prinzip die gleichen sah wie diejenigen zur Zeit des Lebens und Wirkens Jesu. Er bezeichnete die Auferstehung Jesu als „Widerfahrnis des Sehens“ gegenüber seinen Jüngern und als ein „zeitbedingtes Interpretament“.


https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Marxsen#Theologie
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 14:53 Uhr (Zitieren)
die um das Jahr 30 n.Z. gewesen sein soll

"n.Z." geht nun aber gar nicht!

Abgesehen davon, daß Jesus Christus "vor Christi Geburt" geboren worden ist, bietet sich keine konsenfähige Alternative zu dieser Zeitrechnung an. Zwar haben andere Kulturen eine andere, aber auch diese taugen nicht für einen globalen Maßstab.

v.u.Z./u.Z. sind ein Kompromiß, bei dem die einen die Tradition, die anderen die Distanz gewahrt sehen mögen.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Persephone schrieb am 25.04.2026 um 15:50 Uhr (Zitieren)
Der paulinische Universalismus band die Zugehörigkeit nicht mehr an Ethnie, Ort, Gesetz oder Sprache, sondern an Christus, der wird dadurch dem Anspruch nach hypermobil, transkulturell, das heißt letztlich planetarisch. Der Nullpunkt eines alternativlos scheinenden, gleichfalls global ohne Bewchränkung durch Ethnie, Ort, Gesetz oder Sprache funktionierenden Kalenders ist daher konsequenterweise der geschichtliche Zeuge dieses planetarischen Anspruchs. Er beendet übrigens auch die zyklische Deutung der Geschichte zugunsten offener Linearität (da die Parusie ausgeblienen ist). Wir müssen also wohl auf ein ähnlich tiefgreifend revolutionäres Konzept warten, ein welthistorisches Novum gleicher Radikalität, denn die revolutionären Versuche andere Ereignisse zu nominieren, haben sich als zu schwach erwiesen. Warten wir also … auf die Ankunft der Außerirdischen oder unsere Fähigkeit, den kaputten Planeten Erde zu verlassen!
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 25.04.2026 um 15:55 Uhr (Zitieren)
Es geht doch nur darum einen Nullpunkt festzuklopfen. Das ist nicht religiös, es ist praktisch.
Man kann beliebig andere Nullpunkte wählen, das wäre unpraktisch, weil man sämtliche bisher aufgelaufene Daten umrechnen müsste. Also wertgeschätzte Jesusfeinde, da bleibt das Kosten-Nutzenverhältnis auf der Strecke.
Ein bisschen wie bei der Temperatur, die Amis, immer kommen die mit ihrem Fahrenheit *hrhr
Nicht so wichtig wo der Nullpunkt ist, Hauptsache ἤes ist der selbe, damit man nicht so oft umrechnen muss.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Patroklos schrieb am 25.04.2026 um 16:12 Uhr (Zitieren)
V.u.Z./u.Z. entspricht
Common Era (CE)/Before the Common Era (BCE).
Auch eine geschickte Lösung.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 16:13 Uhr (Zitieren)
Man kann beliebig andere Nullpunkte wählen, das wäre unpraktisch, weil man sämtliche bisher aufgelaufene Daten umrechnen müsste.

Das gilt ja nur für "uns" - Juden, Buddhisten, Moslems, Chinesen usw. müssen schon jetzt umrechnen, wenn sie es mit "uns" zu tun haben.

Daß die christliche Zeitrechnung eine gewisse globale Bedeutung hat, dürfte mit dem Imperialismus zu tun haben. Keine besonders wertvolle und bewahrenswerte Grundlage.

Aber eine andere, auf die alle Menschen sich zwanglos und ohne Bevorzugung einer bestimmten Kultur einigen könnten, ist nicht in Sicht.
Da müssen wir wohl auf ein einschneidendes globales Ereignis warten. Die Ankunft von Außerirdischen, die ein ganz neues Stadium unserer Kultur einläutet, könnte ein solches sein - ist jedoch für die nähere Zukunft nicht angekündigt.

An sich erscheint mir das jüdische Modell, die Erschaffung/Entstehung der Welt ganz attraktiv. Nach den derzeitigen kosmologischen Vorstellungen dürfte es freilich unpraktisch hohe Zahlen im Milliarden-Bereich ergeben ... und zugleich die Kritik der wörtlichen Bibelgläubigen herausfordern.

Da die Menschheit sich auf so vieles nicht verrständigen kann, wäre es geradezu eine Überraschung, wenn sie es bei der Zeitrechnung könnte.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Persephone schrieb am 25.04.2026 um 16:40 Uhr (Zitieren)
Imperialismen im Sinne einer territorialen Expansion der Machtsphäre gab es auch vor dem Christentum. Der paulinische Universalismus ist aber ein geistiges Modell der Entgrenzung und globalen Geltung in der alle klassischen bisherigen Bindungen lösenden Bindung an Christus:

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Galater 3,28)


Christus ist daher nicht irgendein arbiträrer Nullpunkt, weil praktisch, das sind beliebige andere auch.

Sehr interessant vergleicht man das mit einem imaginären künftigen Zeitordnungssystem wie
https://en.wikipedia.org/wiki/Stardate
Das ist letztlich ereignisbindunglos, selbstreferentiell und dadurch merkwürdig leer.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 16:58 Uhr (Zitieren)
Einen buchstäblich globalen Imperialismus gab es vor dem Christentum m.W. nicht. Erst Karl V. herrschte über ein Reich, "in dem die Sonne nicht unterging".

War der traditionelle Bindungen aufgebende Anspruch des Paulus historisch völlig neu? Eigentlich sehe ich den schon im Buddhismus, nicht nur was die indischen Kasten angeht.
Allerdings gibt es im Buddhismus keinen so klaren Missionsauftrag, wie er in der paulinischen Version des Christentums vorkommt.

Wenn dieses "Wir sprechen alle an!" der Nullpunkt sein soll, dann ist das Christentum m.E. immer noch nicht der einzige Kandidat - erst recht nicht, wenn man noch später hinzugekommene Kandidaten wie den Islam hinzunimmt. Dieser kann sich - seinem Selbstverständis zufolge - obendrein darauf berufen, erstmals das wörtliche Wort Gottes zu besitzen, mit einer Urschrift im Himmel.

Ich vermute, daß das wieder eine endlose Diskussion ergäbe ... ähnlich wie im UN-Sicherheitsrat - mit einem Veto der religiösen Großmächte.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Diesen Gesprächsverlauf hat νύξ bestimmt nicht geahnt.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Persephone schrieb am 25.04.2026 um 17:12 Uhr (Zitieren)
Wo hätte Alexander denn aus innerer Konsequenz angehalten?


Wenn dieses "Wir sprechen alle an!" der Nullpunkt sein soll, dann ist das Christentum m.E. immer noch nicht der einzige Kandidat


In dem Punkt der alle Bindungen lösenden Bindung hat der Islam nichts Neues zu bieten und muss sich mit Platz zwei begnügen. Sein Gott bleibt auch transzendent und unnahbar. Er hat keinen Christus. Der Buddhismus löst zwar vom Leid und letztlich der Welt, aber er bindet an nichts mehr, schon gar nicht affirmativ.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 25.04.2026 um 17:24 Uhr (Zitieren)
. Daß die christliche Zeitrechnung eine gewisse globale Bedeutung hat, dürfte mit dem Imperialismus zu tun haben. Keine besonders wertvolle und bewahrenswerte Grundlage.


Daraufhin sämtliche Jahreszahlen zu ändern, wäre ein beträchtlicher allen abverlangter materieller Aufwand dem ein lediglich von einigen gefühlter emotionaler Nutzen gegenüber stünde. So etwas durchzupeitschen ist Ideologie.

Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 17:29 Uhr (Zitieren)
Alexander hatte sicherlich nur Europa, Asien und Afrika im Sinn.
Paulus vermutlich ebenfalls.
Das halt, was sie für die Welt hielten.
Eine Religion kann sich auf das einstellen, was den Horizont ihres Gründers überstiegt. Ein Indiviuum kann das nicht, sofern sein Lebenshorizont zu klein ist.

Aber ich vestehe schon: Du meinst die Idee einer weltweiten Wirkung.
So gesehen, müßte man dann vermutlich China, das Reich der Mitte, hinzurechnen.

Man stelle sich vor, Alexander hätte etwas von der Vielweltendeutung der Quantenmechanik erfahren. "So viele parallele Universen! Welch eine Herausforderung!"
I cannot persuade myself not to laugh at Alexander the son of Philip, if it is true that when he heard there were in infinite number of worlds – Democritus says this in his writings – he was pained at the thought of not even being the master of the one we all know. Need one say how much Democritus would have laughed at him, laughter being his stock-in-trade?

(Aelian: Varia Historia IV 29)
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 17:33 Uhr (Zitieren)
Daraufhin sämtliche Jahreszahlen zu ändern, wäre ein beträchtlicher allen abverlangter materieller Aufwand dem ein lediglich von einigen gefühlter emotionaler Nutzen gegenüber stünde

Davon hat hier niemand gesprochen. Nur: daß das keine besonders edle Grundlage für die globale Bedeutung der christlichen Zeitrechnung ist - und keine, die andere Kulturen sonderlich beeindrucken müßte.
Es gibt halt noch heute! sehr verschiedene Zeitrechnungen auf der Welt. Kann die Welt sich auf eine einzige einigen? Nein.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
info schrieb am 25.04.2026 um 18:12 Uhr (Zitieren)
Kann die Welt sich auf eine einzige einigen? Nein.

Sommer-bzw. Winterzeit lassen grüßen.

Der EU-Zeitumstellungs-Stau (Stand 2026)

Der Beschluss: Bereits 2019 stimmte das EU-Parlament für die Abschaffung der Zeitumstellung.

Die Blockade: Die Mitgliedstaaten (der Rat) können sich nicht einigen, welche Zeit dauerhaft gelten soll.

Das "Flickenteppich"-Risiko: Ohne Einigung drohen unterschiedliche Zeitzonen zwischen Nachbarländern (z. B. Deutschland Winterzeit, Frankreich Sommerzeit), was Chaos im Flug- und Bahnverkehr sowie im Binnenmarkt auslösen würde.

Geografisches Dilemma: * Dauerhafte Sommerzeit: Im Westen (Spanien/Benelux) bliebe es im Winter bis 10:00 Uhr morgens dunkel.

Dauerhafte Winterzeit: Im Osten (Polen) würde die Sonne im Sommer bereits gegen 03:00 Uhr morgens aufgehen.

Aktueller Status: Das Projekt ist faktisch auf Eis gelegt. Die EU-Staaten fordern eine umfassende Folgenabschätzung, während andere politische Krisen das Thema von der Prioritätenliste verdrängt haben.

Ergebnis: Die Uhren werden bis auf Weiteres weiterhin zweimal im Jahr umgestellt.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 25.04.2026 um 18:26 Uhr (Zitieren)


. daß das keine besonders edle Grundlage für die globale Bedeutung der christlichen Zeitrechnung ist - und keine, die andere Kulturen sonderlich beeindrucken müßte.


Muss der Nullpunkt der Zeitrechnung edel sein?
Wieso dass denn?
Ist die Grundlage für den Nullpunkt der Temperatur, der Gefrierpunkt, edel?

Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Patroklos schrieb am 25.04.2026 um 18:54 Uhr (Zitieren)
Nein, nicht edel, keineswegs adlig.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 18:57 Uhr (Zitieren)
Muss der Nullpunkt der Zeitrechnung edel sein?

Nö. Aber es wäre schön(er), um die anderen Kulturen zu überzeugen.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 19:00 Uhr (Zitieren)
Der absolute Nullpunkt bei der Temperatur hat ein sehr gutes physikalisches Argument für sich.
Hingegen der christliche Nullpunkt? Nichts, was einen Buddhisten beeindrucken könnte.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 25.04.2026 um 20:41 Uhr (Zitieren)

Hingegen der christliche Nullpunkt? Nichts, was einen Buddhisten beeindrucken könnte.


Der "christliche" Nullpunkt müsste beeindrucken, wenn er eingeführt werden sollte. Das soll er aber nicht, er ist schon sehr lange im Gebrauch.

Wenn er mit großem Aufwand ein anderer eingeführt werden sollte, müsste der beeindrucken. Er müsste nicht nur beeindrucken, sondern echte nicht nur gefühlte Vorteile bringen.



Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Persephone schrieb am 25.04.2026 um 21:37 Uhr (Zitieren)
Das historische Besondere am christlichen Modell der Zeitrechnung ist doch der fundamentale disruptive Anspruch, ein Nullpunkt, der die Zeitachse selbst in zwei Richtungen öffnet. Vor und nach Christus. Das ist ein Novum, denn vorher rechnete niemand ernsthaft so. Nicht einmal bei Herrscherfiguren, die einander ablösten, übersteigenden historischen Bezugsgrößen wie der Gründung der Stadt Rom. Auch die Rechnung vom Anbeginn der wie immer entstandenen Welt besitzt keinen solchen Charakter, davor ist buchstäblich nichts, womit radikal gebrochen hätte werden können.

Und darin liegt die strukturelle Parallele zur paulinischen Denkfigur. Auch dort ist Christus nicht ein weiterer partikulärer oder einen bestimmten anderen bloß verdrängender Identitätsmarker. Das totale Angebot von Gal. 3,28 und ähnlichen Stellen lautet, dass einem alles, was einen durch soziale, kulturelle, sogar biologische Bindung bestimmt, dem Anspruch nach genommen wird (nicht Jude, nicht Christ, nicht Herr, nicht Sklave, nicht Frau, nicht Mann, nicht-x…), um dafür Christus als gemeinsame, neue Identität, ja Existenz zu erhalten.

Wer das annimmt, lebt sozusagen in seiner neuen Zeit, er lebt n. Chr., und alles, was ihn ehedem ausmachte, war v. Chr. In diesem Sinne ist der Christus der christlichen Zeitrechnung nie bloß eine biographische Figur wie andere gewesen, von deren Regentschaft, nicht Geburt (auch das, denke ich, neu, obwohl Paulus die Geburt egal war und Zeitrechnung nicht sein Fokus), man nach vorne gezählt hat. Das soll daher nicht heißen, dass Paulus das alles auf erfunden hat, und den mehrere Jahrhunderte dauernden Prozess der Verfestigung dieses Modells zur uns vertrauten christlichen Zeitrechnung nicht unterschlagen. Aber die ideengeschichtliche Parallele ist da.

Es ist schwer zu entscheiden, ob das Festhalten an einem solchen disruptiven Nullpunkt tatsächlich Ausdruck einer aus tiefliegenden Gründen beibehaltenen vormodernen Denkfigur ist oder ob es sich um die zufällige Trägheit eines kulturellen Dauerprovisoriums handelt, das die globale Moderne zwar längst funktional hinter sich gelassen hat, ohne es jedoch symbolisch ersetzen zu können.

Man könnte es als antimodernes Relikt lesen, insofern es an der Vorstellung festhält, Geschichte müsse sich an einem singulären, weltdeutenden Ereignis entzünden, das die Zeit selbst in ein Davor und Danach spaltet, eine Denkfigur, die der Moderne mit ihrem Misstrauen gegenüber absoluten Ursprüngen eigentlich fremd sein müsste. Einen über die Gewohnheit und Wechselkostenersparnis hinausgehende Zweckmäßigkeit im engeren Sinn kann das Modell nicht beanspruchen.

Für die reine Verwaltung von Staaten, Handel und Kommunikation auch im globalen Maßstab reichte eine lineare Zeitrechnung völlig aus. Ein funktionaler Kalender benötigt lediglich eine Konvention zur Synchronisation, keinen solchen Bruch. Die Einigung über sprachliche, kulturelle und andere Differenzen hinweg bliebe eine große Herausforderung, eine selbstreferentiellen Setzung (der Tag, an dem wir beschlossen haben, von heute an zu zählen) wäre die reinste Form der Konvention solcher funktionalen Vernunft. Aber anscheinend ist das außer Reichweite und schlicht nicht attraktiv genug.

Vielleicht doch, weil weite Teile der Menschheit von diesem die Zeitordnung bestimmenden Bruch als Grundlage der Rechnung nicht lassen wollen und nicht mehr akzeptieren, dass der neue Nullpunkt aus ihren Reihen (ob als Herrscher, innergeschichtliches Ereignis oder friedlicher Beschluss der Völker usw.) kommt.

Weder Revolutionen noch Weltkriege noch technische Zivilisationssprünge wie grandios, katastrophal oder genial immer haben diesen Anspruch bisher erfüllt. Mit Religion im engeren Sinne hat das nicht mehr viel zu tun, es ist ein Welt- und Zeitdeutungsmodell zwar christlichen Ursprungs, das jedoch einen allgemeineren Charakter der symbolischen Fixierung disruptiver Transzendenz angenommen hat.

Wenn wir noch einmal wirklich neu zu rechnen beginnen, dann in dieser Sichtweise vermutlich nicht aufgrund eines innergeschichtlichen Ereignisses, sondern weil etwas eingetreten sein wird, das unsere Existenz als Spezies von außen her ähnlich total infrage stellt.

En attendant les aliens.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Persephone schrieb am 25.04.2026 um 21:57 Uhr (Zitieren)
… nicht Grieche!
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Γραικύλος schrieb am 25.04.2026 um 23:26 Uhr (Zitieren)
Der "christliche" Nullpunkt müsste beeindrucken, wenn er eingeführt werden sollte. Das soll er aber nicht, er ist schon sehr lange im Gebrauch.

Wo? Global ja nun nicht.
Für eine globale Einrichtung taugt er nicht. "En attendant les aliens."

Nun, ich plädiere nicht für die Wiedereinführung einer Datierung nach den Olympischen Spielen oder der Gründung Roms, sondern bleibe bei v.u.Z./u.Z. Ein Kompromiß, wie gesagt.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 26.04.2026 um 05:27 Uhr (Zitieren)

. Es gibt halt noch heute! sehr verschiedene Zeitrechnungen auf der Welt. Kann die Welt sich auf eine einzige einigen? Nein.


. Wo? Global ja nun nicht.


Doch, die " Welt " hat sich geeinigt, weil ein einheitliches Format nützlich ist, unabhängig von Ideologie.

https://de.wikipedia.org/wiki/ISO_8601


Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 26.04.2026 um 05:37 Uhr (Zitieren)
Nicht einmal der christophobe Ostblock, der alles und jedes anders reglementierte, verpasste sich einen anderen Kalender.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 26.04.2026 um 05:50 Uhr (Zitieren)
... und der Ostblock war schon sehr christophob. Weihnachtsengel wurden offiziell Jahresendflügelfigur genannt, wie man heute die Osterhasen offiziell Schmunzelhase, Sitzhase, Schokohase nennt, mit Warnhinweis "könnte Spuren von Christentum enthalten".


Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Aurora schrieb am 26.04.2026 um 07:28 Uhr (Zitieren)
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Bukolos schrieb am 26.04.2026 um 10:46 Uhr (Zitieren)
Zitat von βροχή am 26.4.26, 5:50... wie man heute die Osterhasen offiziell Schmunzelhase, Sitzhase, Schokohase nennt, mit Warnhinweis "könnte Spuren von Christentum enthalten".

Übrigens:
Die Existenz des Osterhasen lässt sich wissenschaftlich nicht zweifelsfrei widerlegen, sondern wie alle Existenzaussagen nur entkräften.

(Wikipedia)
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Patroklos schrieb am 26.04.2026 um 11:22 Uhr (Zitieren)
Häsisches (leporidish)
"Mad as a March hare" is a common British English phrase, both now and in Carroll's time, and appears in John Heywood's collection of proverbs published in 1546. It is reported …that this proverb is based on popular belief about hares' behaviour at the beginning of the long breeding season, which lasts from February to September in Britain. Wiki.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 26.04.2026 um 13:34 Uhr (Zitieren)
. Die Existenz des Osterhasen lässt sich wissenschaftlich nicht zweifelsfrei widerlegen, sondern wie alle Existenzaussagen nur entkräften.


Wozu das? Sein Name flog bereits aus den Regalen raus, von ihm geht keine Gefahr mehr aus.
Wann wird man ihn anbieten unter der Bezeichnung Zuckerfestschokoladenfigur? Das es der Osterhase ist, wird ein Geheimtipp sein.




Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
info schrieb am 26.04.2026 um 15:09 Uhr (Zitieren)
Definition: Osterhase

Der Osterhase ist eine fiktive Symbolfigur des Osterfestes im christlich geprägten Brauchtum. Er gilt als der Überbringer der Ostereier, die er am Ostermorgen bemalt im Garten oder im Haus versteckt.

Zentrale Aspekte:
Symbolik: Der Hase gilt aufgrund seiner hohen Fortpflanzungsrate seit der Antike als Symbol für Fruchtbarkeit, das Leben und den Frühling.

Ursprung: Die erste schriftliche Erwähnung des Osterhasen findet sich im Jahr 1682 in der Abhandlung „De ovis paschalibus“ (Von Ostereiern) des Medizinprofessors Georg Franck von Franckenau.

Verbreitung: Im 19. Jahrhundert setzte sich der Osterhase als allgemeiner Eierbringer gegenüber anderen regionalen Tierfiguren (wie Fuchs oder Storch) durch, verstärkt durch die industrielle Herstellung von Schokoladenhasen und die Spielzeugindustrie.

Brauchtum: Der Glaube an den Osterhasen wird vor allem Kindern vermittelt, für die das Suchen der versteckten Eier und Süßigkeiten ein zentrales Element des Festes darstellt.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
Bukolos schrieb am 26.04.2026 um 15:55 Uhr (Zitieren)
Zitat von Patroklos am 26.4.26, 11:22"Mad as a March hare" is a common British English phrase

Der Phraseologismus mad as a hatter hat im Gegensatz dazu einen eher traurigen Hintergrund:
https://en.wikipedia.org/wiki/Erethism#History_among_hatters
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 26.04.2026 um 16:26 Uhr (Zitieren)
Wie schrecklich. Es gab andere Möglichkeiten, sogar mit Patent, diese wurden ignoriert.
Re: letzter Kometeneinschlag 536 n.u.Z.
βροχή schrieb am 26.05.2026 um 16:59 Uhr (Zitieren)
 
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