Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sokrates über Armut und Reichtum #2 (141 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.04.2026 um 14:13 Uhr (
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Xenophon, Gespräch über die Haushaltsführung (Oikonomikos) 2, 1-8:
Sokrates erläuterte: Erstens sehe ich, daß du genötigt bist, viele große Opfergaben darzubringen; andernfalls würden, glaube ich, weder Götter noch Menschen mit dir zufrieden sein. Zweitens bist du verpflichtet, viele Fremde aufzunehmen (3), und zwar in großzügiger Weise, drittens mußt du Bürger bewirten und ihnen helfen oder ohne Verbündete dastehen. Außerdem sehe ich, daß dir auch der Staat schon jetzt auferlegt, große Leistungen zu erbringen, das Halten von Pferden, die Ausstattung von Chören, die Ausrichtung von Wettkämpfen und die Übernahme hoher Staatsämter; wenn es aber gar zum Kriege kommen sollte, dann weißt du, daß sie dir auch die Ausrüstung eines Kriegsschiffs und Sondersteuern von solcher Höhe auferlegen werden, daß du sie nicht leicht tragen wirst. Wenn du aber den Anschein erweckst, irgendeine von diesen Leistungen mangelhaft zu erbringen, dann weiß ich, daß die Athener dich nicht geringer bestrafen werden, als wenn sie dich beim Diebstahl an ihrem Eigentum gefaßt hätten. Zudem sehe ich, daß du reich zu sein glaubst und dich gegenüber dem Vermögenserwerb sorglos verhältst, deine Aufmerksamkeit aber auf Lieblingsbeschäftigungen richtest, als könntest du dir das leisten. Deshalb bedauere ich dich aus Sorge, du könntest irgendeinen unheilbaren Schaden erleiden und in große Not geraten. Und ich, wenn ich doch etwas brauchen sollte, dann habe ich, wie auch du genau weißt, Freunde, die helfen würden, daß sie, wenn sie auch noch so wenig gäben, mich bei meinen Lebensbedürfnissen mit Überfluß überschütteten. Deine Freunde aber haben für ihre Einrichtung viel eher ein ausreichendes Vermögen als du für deine; dennoch schauen sie zu dir auf, als ob sie von dir Hilfe bräuchten.
Kritobulos erwiderte: Ich kann dem nicht widersprechen, Sokrates. [...]
(Xenophon: Ökonomische Schriften. Herausgegeben und übersetzt von Gert Audring. Berlin 1992, S. 36-39)
(3) Die Aufnahme von Gästen aus anderen Staaten im eigenen Hause und auf eigene Kosten gehörte zu den Pflichten, die die Polis ihren begüterten Bürgern auferlegte.
Re: Sokrates über Armut und Reichtum #2
Γραικύλος schrieb am 21.04.2026 um 15:11 Uhr (
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Das gibt die Belastungen eines wohlhabenden Mannes in Athen korrekt wieder ... weshalb Kritobulos auch nicht widerspricht.