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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Heimkehr des Odysseus im Original (994 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 27.11.2010 um 20:12 Uhr (Zitieren)
ὧς φάτο, τῆς δ' αὐτοῦ λύτο γούνατα καὶ φίλον ἦτορ,
σήματ' ἀναγνούσῃ, τά οἱ ἔμπεδα πέφραδ' Ὀδύσσευς.
δακρύσασα δ' ἔπειτ' ἰθὺς κίεν, ἀμφὶ δὲ χεῖρας
δειρῇ βάλλ' Ὀδυσῆι, κάρη δ' ἔκυσ' ἠδὲ προσηύδα.
[...]

(Odyssee XXIII 205-208)

Eines der in der abendländischen Literatur seltenen Loblieder auf die eheliche Liebe ...
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Πέγασος schrieb am 28.11.2010 um 07:37 Uhr (Zitieren)
Und das Wissen um das kunstvoll gezimmerte Ehegemach spielte eine wichtige Rolle dabei ...
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
ανδρέας schrieb am 28.11.2010 um 11:47 Uhr (Zitieren)
Wie man sich bettet, so liebt man. Und so fällt sie ihm um den Hals ... . Heute laufen sich die Eheleute ja schon nach 20-tägiger Trennung davon und sind sich dann so lange böse, wie Odysseus "Reise" gedauert hat ...
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Γραικίσκος schrieb am 28.11.2010 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Kennt jemand, abseits der Odyssee, gute Literatur mit der Tendenz der Bejahung ehelicher Liebe?
Mit fällt nur eine Handvoll Liebeslieder an die Ehefrau ein. Meist über Ehen, die später doch geschieden wurden.
Es scheint so, daß die bereits erfüllte Liebe relativ wenig Stoff für dramatische Zuspitzung bietet. Man muß zu einem Umweg greifen wie zeitweilige Trennung, zeitweilige Versuchung o.ä.
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
ανδρέας schrieb am 28.11.2010 um 16:16 Uhr (Zitieren)
Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen;
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immer darinne sîn.

unbekannter Autor
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Ὑληβάτης schrieb am 28.11.2010 um 16:26 Uhr (Zitieren)
Ich könnte ja behaupten, dass Eure Beiträge tief blicken lassen, aber das würde zeigen, dass ich 1. jede Etikette im Gespräch fehlen lasse, 2. jede Erkenntnis darüber, wie scharf man Parallelen zwischen Autor und Werk sehen kann, vergessen hätte, 3. Humor nicht erkenne.

Es gibt übrigens noch eine schöne Stelle über Odysseus' Heimkehr, an die ich in letzter Zeit viel denken musste, wenn ich vom Fenster aus über die morgendlichen Dächer gesehen habe:
...
Leider kann ich die Stelle auf Anhieb nicht finden. Es handelt sich dabei um eine Beschreibung des Landes mit aufsteigendem Rauch. Sehr schöne Stelle, auch wenn meine Kürzestkurzfassung nicht annähernd so klingt.

Geht es denn, ανδρέας, dabei um die Ehe? Minnelyrik hat normalerweise nichts mit Ehe zu tun.
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Γραικίσκος schrieb am 28.11.2010 um 16:32 Uhr (Zitieren)
Das habe ich mich bei Andreas' Gedicht auch gefragt.

An Ὑληβάτης:
Mir ist das mal so aufgefallen, als ich ein Liebeslied von Bob Dylan an seine (damalige) Frau hörte: wie wenig ich dergleichen kenne.
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Γραικίσκος schrieb am 28.11.2010 um 16:35 Uhr (Zitieren)
Ich lasse mich gerne widerlegen. Aber glücklich verheiratet sein, reicht mir dazu nicht - ich hätte das schon gerne in Form von Literatur.
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Ὑληβάτης schrieb am 28.11.2010 um 16:52 Uhr (Zitieren)
Wer ist eigentlich dieser "Internal Server Error", der mir immer meine Beiträge klaut?

Hatten wir nicht mal das Thema, dass, wie mein Professor sagte, nur unglückliche Liebe in großer Literatur vorkäme?
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Γραικίσκος schrieb am 28.11.2010 um 16:55 Uhr (Zitieren)
Der "Internal Server Error" belästigt auch mich.
(Vor dem Abschicken Kopierfunktion anklicken, das hilft.)

Gut möglich, daß dieses Thema schonmal angeschnitten worden ist; als Phänomen beschäftigt es mich schon länger.
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Alexander schrieb am 28.11.2010 um 17:04 Uhr (Zitieren)
Die Minnelyrik, jedenfalls das, was als "hohe Minne" bezeichnet wird, ist ein einziger Lobgesang auf die Ehe. Besungen, bewundert, begehrt wird eine Frau, eine verheiratete Frau, die trotz all der Bewunderung ihrem Manne treu bleibt. Viele der Gedichte waren, wenn ich mich recht entsinne, Auftragsarbeiten, wobei galt: Je höher die Qualität, desto höher der Status des (männlichen) Auftraggebers - eine Möglichkeit zur Prestigesteigerung des "neuen" Adels.

Werke wie "Madame Bovary", "Effi Briest" etc. stellen sehr deutlich die Folgen unglücklicher Ehen dar - für die (damaligen) Leser vielleicht Beispiele, wie man es nicht machen sollte?

Die Darstellung des Unglücks ist zudem viel spannender, s. auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Anna-Karenina-Prinzip
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Γραικίσκος schrieb am 28.11.2010 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Die Frau, die der Versuchung standhält, das ist ein Spannungsprinzip, ja. Ich habe die Minnelyrik immer vom liebenden Sänger aus gesehen.
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Ὑληβάτης schrieb am 28.11.2010 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Ich wusste nicht, dass die Ehe in der Minnelyrik eine Rolle spielt. Bisher war mir der Wikipediaspruch geläufiger: "Minnedichtung reflektiert programmatisch unerfüllte Liebe, preist die Angebetete [...]"
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Alexander schrieb am 28.11.2010 um 17:14 Uhr (Zitieren)
Der liebende Sänger hielt sich an die Konvention. Ein junger Adliger hatte sich eine Angebetete zu suchen und sie anzuschmachten. Beide Seiten wussten, dass nicht mehr daraus werden konnte (Ausnahmen mag es gegeben haben). Oder er verdiente eben seine Brötchen damit.

Die Frau, die der Versuchung standhält, das ist ein Spannungsprinzip, ja.

Nichts anderes macht ja auch Penelope.
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
Ὑληβάτης schrieb am 28.11.2010 um 17:26 Uhr (Zitieren)
Elegante Überleitung. Chapeau, Alexander!
Re: Die Heimkehr des Odysseus im Original
ανδρέας schrieb am 29.11.2010 um 19:55 Uhr (Zitieren)
Ich danke Alexander für die Klarstellungen! Minne ist ein Beispiel für "Eheliteratur".

Aus der römischen Welt möchte ich 2 Zitate nachschieben, die zumindest die Rolle der Ehefrau darin klar umreißt:

"Hier ruht Anymone, die Frau des Marcus; sie war sehr gut und sehr schön, spann Wolle, war fromm, sittsam und sparsam, keusch, häuslich.“
(Corpus inscriptionum Latinarum – CIL- VI 11 602)

Die Frau an sich ist unvernünftig und, falls man ihr keine Kenntnisse vermittelt und nicht viel Bildung zukommen lässt, ein wildes Tier, maßlos in seinen Begierden.“
(Seneca, De constantia sapientis, 14,1)

Plinius war über seine Calpurnia jedenfalls recht entzückt, wie man Plinius Briefen 4,19 ((eine ideale Ehefrau) und 6,7 (starke gegenseitige Sehnsucht) entnehmen kann.

Allerdings ließ die sittenstrenge Sicht auf die Ehe sicher keine öffentlich gemachte Literatur intimeren Charakters zu. VOR der Ehe oder außerhalb mag das anders gewesen sein. So weiß man bis heute nicht wer sich hinter Catulls Lesbia verbarg.

Das war auch sicher besser für die Angebetete.
 
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