Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen (219 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.04.2026 um 00:29 Uhr (Zitieren)
Klar, sie sind unsterblich, wir hingegen sterblich; sie sind mächtiger, können sich durch die Luft bewegen usw.
Alberto Manguel (Eine Geschichte des Lesens. Hamburg 1999, S. 344) macht auf einen weiteren Unterschied aufmerksam, der mir jedenfalls noch nicht aufgefallen war: Götter lesen keine Bücher.
Polytheismus: Aber sie produzieren Texte - in Form von Orakeln.
Monotheismus: Auch er produziert einen Text, schreibt ihn sogar auf - die zehn Gebote.
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
Γραικύλος schrieb am 02.04.2026 um 08:42 Uhr (Zitieren)
Interessante, unterhaltsame Geschichten, zum Beispiel. Einige von ihnen machen ja auch Musik. Sie unterhalten sich, sie feiern. Aber nirgends wird berichtet, daß sie lesen.
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
Γραικύλος schrieb am 02.04.2026 um 08:44 Uhr (Zitieren)
Orakel gehören in den Bereich der mündlichen Kommunikation. Menschen schreiben sie dann auf.
Wozu sollten sie lesen? Sie sind allwissend. Lesen würde sie als Hinzulernende zeigen. Freilich könnten sie von Menschen geschriebene Bücher lesen, um sich über den Unsinn zu amüsieren, der darinsteht. Oder um zu erschrecken, wenn sie eine Wahrheit - womöglich über sich selbst - darin finden - z.B. die berühmte Aussage von Feuerbach ...
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
meine Meinung schrieb am 02.04.2026 um 09:06 Uhr (Zitieren)
Als zusammengewürfelte Gottheit mehrerer
ehemaliger Stammesgottheiten beherrscht er vlt. nicht
alle Dialekte, von denen es womöglich keine
Schriftformen gab.
https://de.wikipedia.org/wiki/JHWH
PS:
Jahwe liest: das Herz/die Gedanken der Menschen.
Am Rande:
Vom hebräischen Wort für Herz (LEB) stammt
unser Wort Lebkuchen
וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל-לִבּוֹ
Transliteration und Analyse
Hebräisch: Wayyoˉmer Adonai el−libboˉ
Wörtliche Übersetzung: Und es sprach der Herr zu seinem Herzen.
Vergleichbar mit Homer, wo Odysseus sagt:
...ὀχθήσας δ' ἄρα εἶπε πρὸς ὃν μεγαλήτορα θυμόν
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
Γραικύλος schrieb am 02.04.2026 um 10:56 Uhr (Zitieren)
Nein, das sind die antiken Götter eindeutig nicht!
Und auch Jahwe ist es ursprünglich nicht, weshalb er Fehler begeht, dier ihn anschließend reuen etc.
Die Menschen denken sich Götter aus.
Sie statten sie mit allerlei Eigenschaften aus, von denen sehr viele sehr menschlich sind.
Unter diesen zugelegten Eigenschaften kommen durchaus kulturelle vor wie die Liebe zur Musik, überhaupt die Unterhaltung.
Das Lesen gehört nicht dazu.
Das fällt auf, da staune ich, das ist eine offene Frage.
Sie, die Götter, haben Interesse an den Taten der Menschen, aber nicht an deren Eigenschaft, sich Geschichten auszudenken.
Vielleicht, vielleicht ... weil sie wissen, daß sie selbst nur eine ausgedachte Geschichte sind, die Götter?
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
βροχή schrieb am 02.04.2026 um 11:05 Uhr (Zitieren)
Götter streben nach Wissen und manchmal auch nach Weisheit.
Sie können dies auf direktem Wege erlangen, sie sind nicht auf den Umweg der materiellen Aufzeichnung durch andere angewiesen.
Die Götter lesen Gedanken, sie kennen die erfundenen Geschichten, bevor sie zu Papier gebracht werden.
Die Götter sind so viel älter als die Schrift, deshalb lesen sie wenig.
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
Patroklos schrieb am 02.04.2026 um 11:21 Uhr (Zitieren)
Dass Götter so knifflige Sachen wie Weltall, Unendlichkeit und Ewigkeit geschaffen haben, ist schwer beeindruckend. Neidisch sind sie auf die Schöpfung der Menschen namens schwarze Löcher. Einige Götter bezweifeln die Existenz letzterer.
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
Γραικύλος schrieb am 02.04.2026 um 11:21 Uhr (Zitieren)
Das tun sie eher nicht.
Auch das bezweifle ich.
Es trifft übrigens nicht zu, daß wir Geschichten lesen, weil wir nicht allwissend sind, d.h. wissen wollen, wie die Geschichte ausgeht.
Manche literarischen Geschichten funktionieren sehr gut, obwohl man weiß, wie sie ausgehen. Deswegen lesen wir manche Geschichten wiederholt. Nicht zuletzt religiöse.
Das ist für mich nun überhaupt keine Erklärung. Zumal die schriftlichen Zeugnisse voll sind mit Göttern.
Götter, die so viel Wert auf die Aufmerksamkeit legen, die wir ihnen widmen (Opfer, Gebete), legen keinen Wert darauf, unsere Geschichten über sie zu lesen?
Ich glaube, die Frage erfordert Nachdenken, keine flotten Antworten.
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
Γραικύλος schrieb am 02.04.2026 um 11:22 Uhr (Zitieren)
Bei Patroklos' Bemerkung verstehe ich den Zusammenhang mit dem Thema nicht.
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
Patroklos schrieb am 02.04.2026 um 11:36 Uhr (Zitieren)
Die Götter haben so allerlei geschaffen. Im Unterschied dazu haben einzig die Menschen schwarze Löcher geschaffen. Wenn das kein Unterschied ist!
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
βροχή schrieb am 02.04.2026 um 12:08 Uhr (Zitieren)
Wer sagt überhaupt dass die Götter nicht lesen?
Die Menschen machen sich wenig Gedanken darüber ob und was die Götter lesen.
Viell. setzen sie es ja auch vorraus dass sie Götter alles lesen und erwähnen es deshalb nur selten?
Die Götter kennen eine Welt ohne Schrift sehr lange, sie brauchen keine Aufzeichnungen, weil sie selber wenig vergesslich sind und weil sie ihr Wissen nicht an neue Generationen übermitteln müssen.
Zeus verschlang Metis um weise zu werden.
Odin opferte lieber 1 Auge für Weisheit aus der Quelle, statt sich Bücherweisheit an zu lesen.
Re: Ein Unterschied zwischen Göttern und Menschen
βροχή schrieb am 02.04.2026 um 12:16 Uhr (Zitieren)
Bücher sind reflektierte Gedanken, sie sind eine Sekundärebene. Die Götter sind auf der Primärebene daheim.
Die da wäre?
Die Herkunft der Götter ist weitgehend geklärt
als menschlische Gedankenkonstrukte aufgrund
bestimmter, erklärbarer Daseins-Erfahrungen.
Die Entmythologisierung geht weiter und die
Räume für Götter/Gott zur Welterklärung werden immer
enger.
Davon bleibt aber der Bereich unberührt,
in dem Religion ihre Berechtigung hat: die
Regelung des menschl. Miteinander und das Aufstellen von
plausiblen Regeln, die ein humanes Zusammenleben in Freiheit
und Verantwortung mit ermöglichen können.