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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Folge mir! (420 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 31.03.2026 um 17:57 Uhr (Zitieren)
In den staubigen Straßen des alten Athens sollen Prostituierte Sandalen getragen haben, die einen Abdruck mit der Aufschrift "Folge mir" hinterließen.

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.ungewoehnliches-projekt-sexarbeiterinnen-kuratieren-ausstellung-in-bundeskunsthalle.8b001c1d-72bc-4959-81e1-f719a7f8b4ae.html

Woher stammt denn diese Information?
Re: Folge mir!
info schrieb am 31.03.2026 um 18:17 Uhr (Zitieren)
1. Archäologische Funde
Der deutlichste Beweis ist ein im Louvre (Paris) aufbewahrtes Tongefäß in Fußform. Die Sohle der dargestellten Sandale trägt die griechische Inschrift ΑΚΟΛΟΥΘΕΙ (Akolouthei), was übersetzt „Folge mir“ bedeutet. Die Buchstaben waren so angeordnet, dass sie beim Gehen auf weichem Untergrund lesbare Abdrücke hinterließen.

2. Literarische Quellen
Antike Autoren wie der christliche Gelehrte Clemens von Alexandria (ca. 150–215 n. Chr.) erwähnen diese Praxis in ihren Schriften. Er kritisierte die Sandalen als Zeichen von Dekadenz und Unmoral, da die Trägerinnen damit „unzüchtige Botschaften“ im Staub der Straße hinterließen.

3. Historischer Hintergrund
In den belebten Vierteln großer Städte wie Athen oder Korinth war der Wettbewerb unter den Prostituierten und Hetären groß. Da es keine Werbeplakate gab, nutzten sie ihre Kleidung und ihr Schuhwerk als mobile Werbefläche. Die Sandalen dienten als diskrete, aber effektive Einladung, die Kunden direkt zum Ziel führte.

Fazit
Es handelt sich nicht um eine moderne Legende, sondern um eine reale Marketingstrategie der Antike, die durch physische Artefakte und zeitgenössische Texte gut dokumentiert ist.[quote]
Re: Folge mir!
βροχή schrieb am 31.03.2026 um 19:57 Uhr (Zitieren)
heute noch gibt es das Sprichwort follow my footprints.

Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 31.03.2026 um 21:58 Uhr (Zitieren)
Zack, zack, zack … bumm! 1,2,3 … Fazit. Sieht aus wie eine stringente Deduktion aus wahren Prämissen, die brav aufgelistet werden, ist aber nur ein induktiv-assoziatives Kartenhaus.
Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 31.03.2026 um 23:12 Uhr (Zitieren)
1. Archäologische Funde

Der deutlichste Beweis ist ein im Louvre (Paris) aufbewahrtes Tongefäß in Fußform. Die Sohle der dargestellten Sandale trägt die griechische Inschrift ΑΚΟΛΟΥΘΕΙ (Akolouthei), was übersetzt „Folge mir“ bedeutet. Die Buchstaben waren so angeordnet, dass sie beim Gehen auf weichem Untergrund lesbare Abdrücke hinterließen.


Das unter dem Plural der Überschrift erwähnte Objekt ist allem Anschein nach bloß ein Einzelstück, das in der Datenbank des Louvre nicht aufscheint, aber mit einer Abbildung durchs Internet spukt als Schuh einer Prostituierten. Diese Story wird meist nicht näher begründet übernommen, aber es gibt vereinzelt Hinweise darauf, dass das eine mehr oder minder willkürliche Assoziation (z.B. mit Clemens von Alexandria) ist. Auch die Datierung schwankt.

A vase of uncertain date in the shape of a shoe with the word ΑΚΟΛΟΥΘΙ (‘follow’) on the bottom (Fig. 4) recalls the custom to which Clement alludes (Daremberg and Saglio 1904, 1828).


https://www.academia.edu/2372303/EPATON_BAMA_HER_LOVELY_FOOTSTEP_THE_EROTICS_OF_FEET_IN_ANCIENT_GREECE

A model of a sandal with the Greek inscription of 'ΑΚΟΛΟΥΘ[Ε]Ι' ("follow me") on its sole. From Egypt, 2nd Century AD.

Commonly thought to have been worn by prostitutes but could have been worn by pimps, guides or anyone wanting to be followed.


https://x.com/archeohistories/status/1568432537298673664

Es gibt in der Antike Aryballoi, Gefäße für Öle und Salben, die auch in Form beschuhter Füße hergestellt wurden, aber ich finde nirgendwo eine genauere Analyse, was dieses eine Objekt für eine Funktion als Tongefäß hatte, ob sich aus dem Stil des dargestellten Schuhs, seiner Machart irgendetwas ableiten lässt usw.

Warum muss die Nachbildung einer Sandale mit Inschrift als Tongefäß überhaupt ein wirklich getragenes Modell zum Vorbild haben? Beweis wofür also? Und was macht ihn zum deutlichsten? Dass es ein reales Ding ist?

Re: Folge mir!
Γραικύλος schrieb am 31.03.2026 um 23:45 Uhr (Zitieren)
Wo ist denn - falls vorhanden - das Zitat von Clemens Alexandrinus zu finden?
Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 01.04.2026 um 00:13 Uhr (Zitieren)
Die Assoziation, dass dieses Fundstück etwas mit der Kritik an Dekadenz und Frivolität weiblichen Schuhwerks durch Clemens von Alexandria zu tun hat, geht vmtl. auf das 19. Jahrhundert zurück.
Sie steht z.B. in einer Fußnote zu dessen Paedagogus 2,11,1, den wohl auch die KI assoziiert:

Zweites Buch
XI. Kapitel. Über die Fußbekleidung.
116.

1. Ähnlich verhalten sich die hoffärtigen Weiber auch hinsichtlich der Fußbekleidung und zeigen auch hierin ihre große Torheit. Eine wirkliche Schande sind jedenfalls „jene Schuhe, die mit goldenen Zieraten geschmückt sind“;1 aber auch die Nägel lassen sie in die Sohlen in schönen Zierlinien einschlagen; und viele lassen Bilder von Liebesumarmungen in die Schuhsohlen einschneiden, damit sie, wenn sie beim Auftreten einen Eindruck auf dem Erdboden machen, ihm mit jedem Schritt ein Siegelbild ihres unkeuschen Sinnes aufprägen.2



2. Ein Schuh ist erhalten, bei dessen Sohle die Nagellöcher die Inschrift bilden: ΑΚΟΛΟΥΘΙ „folge mir“; vgl. Pauly-Wissowa, Real-Enc. VIII 1345, 49.


https://bkv.unifr.ch/de/works/cpg-1376/versions/paidagogos-bkv/divisions/246#fn:1068

Im Pauly-Wissowa steht letztlich auch nicht mehr: https://elexikon.ch/RE/VIII,2_1345

Das scheint mir alles recht willkürlich. Im griechischen Text heißt es ἐρωτικοὺς ἀσπασμοὺς, das wird oben durch Liebesumarmungen übersetzt, andere geben es als erotic greetings wieder. Dass das ΑΚΟΛΟΥΘΕΙ allein wie auf dem Schuh(gefäß) als erotisch verstand wird, hat ja weitere Assoziationen zur Voraussetzung. Es bekommt diesen Sinn eigentl. erst, wenn man die Geschichte von der Prostituierten hinzudenkt, eine zirkuläre Begründung des Zusammenhangs.

Bei "worn by … anyone wanting to be followed" fällt mir spontan eine ganz andere antike Figur ein, die mehrfach mit diesem Wort ihr nachzufolgen aufgefordert hat. Und gingen seinen Nachfolgern nicht andere nach, die wiederum andere aufforderten nachzufolgen?

Ἀκολούθει μοι.
(Mt 9,9)
Re: Folge mir!
Bukolos schrieb am 01.04.2026 um 03:57 Uhr (Zitieren)
Die Annahme, die Inschrift auf der Sohle bilde einen Stempel, der eine Botschaft mit dem Fußabdruck aussende, unterstellt zudem, dass die Empfänger bereit gewesen wären, einen spiegelbildlichen Schriftzug zu entziffern.

Die christliche Deutung der tönernen Sandale hat einiges für sich, nicht zuletzt, da Sandalen das Schuhwerk der Jünger waren (Mk 6, 9) und Petrus auf Sandalen dem Engel folgt, als dieser ihn aus dem Gefängnis führt (Apg 12, 8 εἶπεν δὲ ὁ ἄγγελος πρὸς αὐτόν· ζῶσαι καὶ ὑπόδησαι τὰ σανδάλιά σου. ἐποίησεν δὲ οὕτως. καὶ λέγει αὐτῷ· περιβαλοῦ τὸ ἱμάτιόν σου καὶ ἀκολούθει μοι.)
Re: Folge mir!
βροχή schrieb am 01.04.2026 um 07:33 Uhr (Zitieren)
dass die Empfänger bereit gewesen wären, einen spiegelbildlichen Schriftzug zu entziffern.


War denn die Schrift auf der Sohle nicht spiegelverkehrt? Falls nicht, macht es keinen Sinn.


Die Strassen in denen die Prostituierten sich anboten, waren sandig? In der Stadt waren sie nicht gepflastert?

Re: Folge mir!
info schrieb am 01.04.2026 um 09:17 Uhr (Zitieren)
https://www.youtube.com/watch?v=l2xFfjSRxP8&list=RDl2xFfjSRxP8&start_radio=1

Erschien vor 51 Jahren, über ein halbes Jahrhundert.
Re: Folge mir!
Patroklos schrieb am 01.04.2026 um 11:09 Uhr (Zitieren)
Mulmig könnte die Situation sein, wenn das polizeifahrzeugliche „follow me“ vor uns erscheint.
Tam Fleck würde sagen: „it‘s gaun to be a terrible business“
Re: Folge mir!
info schrieb am 01.04.2026 um 11:49 Uhr (Zitieren)
„follow me“

https://www.youtube.com/watch?v=b9YyPIiT2pM&list=RDb9YyPIiT2pM&start_radio=1

(1978, 27 Wochen in den dt. Charts)

Der Liedtext, geschrieben von Amanda selbst, ist über Verführung und erzählt von einem Mädchen, das vom Teufel versucht ist. Die Musik und Produktion sind von Anthony Monn. Follow Me wurde im Frühling 1978 als erste Single aus Sweet Revenge ausgekoppelt.
Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 01.04.2026 um 12:37 Uhr (Zitieren)

Vorstellung, das sei eine Art der Werbung in solchen Schuhen herumlaufender Hetären gewesen, ist ziemlich absurd. Die Aufforderung, zu folgen, bezeichnet niemand Bestimmtes, enthält keine Informationen über die Trägerin, die sonst für eine Anbahnung Entscheidungskriterien darstellen dürften, das Terrain antiker Lebensräume würde eine solche Spur nicht kontinuierlich aufnehmen, geschweige denn erhalten. Dass durch den Imperativ Kunden wie von der Duftmarke einer läufigen Hündin angelockt ihr hinterherrennen, scheint mir daher eine erotische Phantasie gelehrter Interpreten des 19. Jahrhunderts, die das Fundstück und die Stelle aus Clemens von Alexandria zusammengebracht haben. Eigentlich sehr lustig, dass diese Verknüpfung es bis in eine aufklärende Ausstellung des 21. Jahrhunderts zum Thema Sexarbeit geschafft hat.
Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 01.04.2026 um 12:47 Uhr (Zitieren)
Es gab dagegen tatsächlich fuß-* und, wie mir scheint, auch schuhförmige** Stempel (aus Metall) mit frühchristlichen Botschaften, die auch als solche gebraucht wurden, weshalb die druckenden Buchstaben spiegelverkehrt ausgeführt wurden. Das tönerne Schuhgefäß hingegen scheint unter diesem Gesichtspunkt ein symbolisches Objekt gewesen zu sein. Man könnte also vllt. einwenden, dass es einem wirklich getragenen Schuhmodell nachempfunden wurde, da aber mit dem Ding, dessen Verwendungszweck nach wie vor unbestimmt scheint, niemand ging und stempelte, auf die Spiegelverkehrung verzichtet wurde aus Rücksicht auf den Betrachter. Plausibler macht das die Werbethese aus dem Paysexmilieu keineswegs.

* https://www.khm.at/kunstwerke/stempel-in-fussform-69722

** https://www.hist.uzh.ch/dam/jcr:c967a127-f75d-4009-b1f2-149d39efbb20/edcsj-010.pdf
Das Objekt auf S. 11 mit der spiegelverkehrten Inschrift SPES in DEO kommt mir auch von der Grundform verwandt vor.

https://x.com/archeohistories/status/1568432537298673664
Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 01.04.2026 um 13:06 Uhr (Zitieren)
Gibt es zur Form des tönernen Schuhs etwas zu sagen? Zur Größe, die leider nicht wirklich hervorgeht aus den Abbildungen? Waren Schuhmodelle damals so klar gegendert wie und wenn ja, wie? Kann man z.B. nur anhand der Schnittform es tendenziell als Frauenschuh einordnen? Das Modell ist spitz zulaufend und hat eine geschlossene Zehenbox, sieht für mich nicht nach freizügiger Riemchensandale aus und auch üppige Verzierungen, an denen Clemens von A. Anstoß nimmt, kann ich daran nicht erkennen.
Re: Folge mir!
Γραικύλος schrieb am 01.04.2026 um 13:55 Uhr (Zitieren)
Ich möchte mich bei Persephone und Bukolos bedanken: Das war eine solide Aufklärung über einen Bericht, der sich als Legende erwiesen hat.
Re: Folge mir!
Patroklos schrieb am 01.04.2026 um 14:16 Uhr (Zitieren)
Hier handelt es sich womöglich um ein Aufmerksamkeitszeichen, keinen illokutionären Akt.
Ein Schild vor/auf einem Pub „The Red Lion“ verweist gewöhnlich auf keinerlei Gefahr.
Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 01.04.2026 um 14:35 Uhr (Zitieren)
@Γραικύλος: Nichts zu danken, das ist doch das Spannende an diesem Forum! Sonst könnten wir ja alle still (und letztlich doch einsam trotz endloser "Dialoge") vor unseren uns unbarmherzig niederschmeichelnden KI-Chatbots versauern. An deren Copy-Paste-Nutzer hier möchte ich aber die freundliche Bitte richten, es angesichts solcher Wendungen nicht einfach bei dem in 15 Sekunden oder weniger ausgespuckten pseudodeduktiven Verkündigungen aus der Wolke der eben doch nicht Allwissenheit zu belassen, auch wenn es mühsam ist. Dankeschön.
Re: Folge mir!
Persephone schrieb am 01.04.2026 um 14:36 Uhr (Zitieren)
... den in 15 Sekunden
 
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