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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
sensus Fidelium (224 Aufrufe)
info schrieb am 28.03.2026 um 12:31 Uhr (Zitieren)
https://de.wikipedia.org/wiki/Sensus_fidei

heutige Kritik dazu:
Der Sensus Fidelium: Anspruch vs. Realität

1. Das theologische Ideal
Der Sensus fidelium (Glaubenssinn der Gläubigen) besagt theoretisch, dass die Gesamtheit der Getauften einen Instinkt für die Wahrheit des Evangeliums besitzt. Wenn alle Gläubigen in einer Glaubensfrage übereinstimmen, gilt dies als unfehlbar.

2. Die machtpolitische Kritik (Sensus Sacerdotum)
In der kirchlichen Praxis wird dieser „Glaubenssinn“ oft von oben nach unten gesteuert. Kritiker sehen darin eher einen:
Sensus Theologorum: Die Deutungshoheit liegt bei den Gelehrten, die religiöse Erfahrungen in dogmatische Sprache pressen.

Sensus Sacerdotum: Das kirchliche Lehramt (Papst und Bischöfe) entscheidet letztlich darüber, welche Überzeugung als „echter“ Glaubenssinn gilt und welche lediglich als „Zeitgeist“ oder „Irrtum“ verworfen wird.

3. Mechanismen der Steuerung
Indoktrination: Durch Erziehung, Katechismus und Predigt wird den Gläubigen vermittelt, was sie zu glauben haben. Der so erzeugte Konsens wird später als „ursprünglicher Glaubenssinn“ deklariert.
Zirkelschluss der Rechtfertigung: Die Hierarchie definiert, dass nur „praktizierende“ (also lehrtreue) Gläubige den echten Sensus fidelium tragen. Wer widerspricht, wird exkludiert, sodass die verbleibende Zustimmung als „universaler Konsens“ verkauft werden kann.

Soziale Konditionierung: Historisch war der Glaubenssinn oft ein Ergebnis von Konformitätsdruck innerhalb religiöser Milieus.

4. Fazit
Das Konzept dient der Institution oft als Legitimationswerkzeug. Während es als „Stimme des Volkes Gottes“ präsentiert wird, fungiert es in der Realität häufig als Bestätigung der klerikalen Machtstrukturen. Erst in der Moderne bricht dieser Mechanismus auf, da Gläubige vermehrt eine eigenständige, von der offiziellen Lehre unabhängige Urteilskraft entwickeln
.

M.E. ein weiteres, raffiniertes Gedankenkonstrukt
um möglichst große Bindung zu erzeugen.
Dabei wird auch hier mit vielen Leerformeln
gearbeitet getreu dem Motto:
Glaube nur, verstehen musst du es nicht!

2025 sind über 600.000 Mitglieder aus den
beiden Großkirchen ausgetreten.

In Deutschland es gibt mittlerweile
mehr Konfessionslose als Mitglieder der beiden großen
christlichen Kirchen (evangelisch und katholisch) in Deutschland.
Laut Daten von 2024/2025 sind weniger als 50 Prozent der
Bevölkerung Mitglied in einer dieser Kirchen, während die Gruppe
der Konfessionsfreien auf über 47 Prozent angewachsen.
Re: sensus Fidelium
βροχή schrieb am 28.03.2026 um 12:41 Uhr (Zitieren)
mehr Konfessionslose als Mitglieder der beiden großen
christlichen Kirchen


Wie gross an Migliederzahl ist denn die mit allergrösstem Abstand autoritärere Religions-Konfession in Dtl., die islamische?

Warum lässt du diese unter den Tisch fallen?

(Ich frag ja nur)




Re: sensus Fidelium
info schrieb am 28.03.2026 um 13:17 Uhr (Zitieren)
Warum soll ich im Kontext des Christentum
den Islam erwähnen? Worauf willst du damit hinaus?
Ich sehe ihn natürlich noch viel kritischer als den autoritären
Katholizismus, der am Karfreitag weiter für die
Bekehrung der Juden beten, die er über Jahrhunderte
zu Gottesmördern deklariert hat.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_F%C3%BCrbitten

Gestern stieß ich zufällig auf diesen Ex-Bischof:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Graber_(Bischof)

Hier ein paar Zahlen:

Der Islam in Deutschland: Zahlen und Strukturen (Stand 2026)
1. Mitgliederzahl und Anteil an der Bevölkerung
Gesamtzahl: In Deutschland leben ca. 5,3 bis 5,6 Millionen Muslime.
Bevölkerungsanteil: Dies entspricht etwa 6,4 % bis 6,7 % der Gesamtbevölkerung.
Vergleich: Damit ist der Islam nach der katholischen Kirche (ca. 20 Mio.) und der evangelischen Kirche (ca. 19 Mio.) die drittgrößte Religionsgruppe. Die größte Gruppe in Deutschland sind die Konfessionslosen (über 30 Mio.).

2. Fragmentierung statt zentraler Autorität
Anders als in der katholischen Kirche gibt es im Islam keine universelle Hierarchie oder ein "Papst-System". Die Autorität ist stark zersplittert:
Organisationsgrad: Nur etwa 15 % bis 25 % der Muslime sind Mitglied in einem der großen Dachverbände (z. B. DITIB, Zentralrat der Muslime).
Individuelle Praxis: Die Mehrheit der Muslime in Deutschland praktiziert ihren Glauben individuell oder ist säkular eingestellt, ohne feste Bindung an einen Verband oder eine Moscheegemeinde.

3. Die wichtigsten Strömungen (Konfessionen)
Sunniten (ca. 75 %): Die größte Gruppe, stark geprägt durch Migration aus der Türkei und dem arabischen Raum.
Aleviten (ca. 13 %): Eine eigenständige, oft als sehr liberal und progressiv wahrgenommene Glaubensrichtung.
Schiiten (ca. 7 %): Vor allem aus dem Iran, Irak und Libanon stammend.
Andere (ca. 5 %): Darunter Ahmadiyya, Sufis und weitere Gemeinschaften.

4. Kritikpunkt: Autoritäre Strukturen und Auslandssteuerung
Was oft als "autoritär" wahrgenommen wird, bezieht sich meist auf die großen Verbände:
DITIB: Als größter Verband untersteht er direkt der türkischen Religionsbehörde (Diyanet) in Ankara. Kritiker sehen hier eine staatlich-religiöse Einflussnahme aus dem Ausland.

Konservative Verbände: In einigen Verbänden herrscht ein traditionalistisches Verständnis vor, das oft im Kontrast zur pluralistischen Gesellschaft steht.

Fehlende Repräsentation: Da die Verbände nur eine Minderheit der Muslime vertreten, aber oft als einzige Ansprechpartner für den Staat auftreten, entsteht in der Öffentlichkeit oft ein verzerrtes Bild einer einheitlich konservativen Religionsgemeinschaft.


PS:
Der Papst weilt heute in Monaco.
Wie immer tiefenentspannt.
Ob er dort bei den Reihen Gelder für seinen
klammen Vatikan einwirbt?
Re: sensus Fidelium
info schrieb am 28.03.2026 um 13:18 Uhr (Zitieren)
Reihen --> Reichen
Re: sensus Fidelium
βροχή schrieb am 28.03.2026 um 14:09 Uhr (Zitieren)
Warum soll ich im Kontext des Christentum
den Islam erwähnen?

Gar nicht.

Du hast das Thema Religiöse / Konfessionslose aufgemacht, in diesem Kontext wäre es zu berücksichtigen.



Re: sensus Fidelium
Γραικύλος schrieb am 28.03.2026 um 14:28 Uhr (Zitieren)
In Deutschland gibt es christliche Kirchen mit einer förmlichen, vom Staat (--> Kirchensteuer) registrierten Mitgliederschaft. Und auch wenn sich unter diesen Kirchenmitgliedern von tiefer Religiosität bis hin zu völliger Gleichgültigkeit alle möglichen "Gläubigen" befinden, kann man sie doch auf diese Weise zählen. Man muß sich nur bewußt sein: gezählt wird die förmliche Mitgliedschaft.

Bei Moslems gibt es das nicht. Wie zählt man die? Nach welchen Kriterien zählt man eine so homogene Gruppe? Zumal auch keine Möglichkeit existiert, aus dieser Gruppe auszutreten (Apostasie). Also gehören dazu sogar Atheisten. (Und ich kenne solche.)
Re: sensus Fidelium
βροχή schrieb am 28.03.2026 um 14:41 Uhr (Zitieren)
Zumal auch keine Möglichkeit existiert, aus dieser Gruppe auszutreten (Apostasie)


Womit ein Sektenmerkmal erfüllt ist.



Re: sensus Fidelium
info schrieb am 28.03.2026 um 15:52 Uhr (Zitieren)
PS:
Erstmals in der Geschichte Deutschlands bilden Konfessionslose einen größeren Anteil an der Bevölkerung als Katholiken und Protestanten. Dies geht aus Daten hervor, die die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland zusammengetragen hat. Demnach gibt es rund 39 Millionen Menschen ohne Religionszugehörigkeit und etwa 38 Millionen, die noch Mitglied bei einer der beiden großen Kirchen sind.

Ende 2024 habe es in Deutschland erstmals mehr konfessionsfreie Menschen (47 Prozent) als römisch-katholische und evangelische Kirchenmitglieder zusammen (45 Prozent) gegeben, heißt es von den Forschern. Noch 1990 etwa lag der Anteil der Konfessionsfreien lediglich bei 22 Prozent. Die Zahl der Katholiken in Deutschland fiel 2024 erstmals unter die Marke von 20 Millionen (19,8 Millionen). Das hatte Ende März in Bonn die Deutsche Bischofskonferenz mitgeteilt. Der katholische Bevölkerungsanteil macht damit nur noch etwa 24 Prozent aus. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover teilte mit, Ende 2024 noch rund 18 Millionen (17,98) Menschen als Mitglied gehabt zu haben. Das sind etwa 21 Prozent.

Insgesamt verloren die beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr durch Austritte und Todesfälle zusammen mehr als eine Million Mitglieder. Dies brachte sozusagen die Wende im Verhältnis zu den Konfessionslosen.


https://www.sueddeutsche.de/politik/konfession-deutschland-kirchen-li.3230534
Re: sensus Fidelium
Γραικύλος schrieb am 28.03.2026 um 18:00 Uhr (Zitieren)
Womit ein Sektenmerkmal erfüllt ist.

Das mag sein. Aber ich weiß nicht, wie Du Moslems zählen willst.
Re: sensus Fidelium
info schrieb am 28.03.2026 um 18:25 Uhr (Zitieren)
vgl:

Die Frage nach einer Aufklärung im Islam wird in der Wissenschaft intensiv diskutiert, wobei oft das europäische Modell des 18. Jahrhunderts als Maßstab dient. Es gibt dabei drei wesentliche Perspektiven:

Erstens das Argument der Analogie zum Christentum. Befürworter dieser Sichtweise fordern eine historische Einordnung der religiösen Schriften und eine klare Trennung von Religion und Staat, ähnlich wie sie Europa durchlaufen hat. Dabei geht es vor allem darum, den Koran nicht als zeitloses Gesetz, sondern in seinem Entstehungskontext zu lesen.

Zweitens die Kritik am eurozentrischen Blickwinkel. Viele Forscher weisen darauf hin, dass der Islam keine zentrale Kirchenhierarchie wie das Papsttum besitzt, gegen die sich eine Aufklärung auflehnen müsste. Zudem gab es bereits im 19. Jahrhundert starke Reformbewegungen, die jedoch durch Kolonialismus und politische Instabilität oft unterbrochen wurden.

Drittens die Existenz einer modernen Reformtheologie. Denker wie Mouhanad Khorchide oder Abdennour Bidar arbeiten aktiv an einer islamischen Aufklärung, die die individuelle Vernunft über die blinde Nachahmung von Traditionen stellt. Sie betonen die Vereinbarkeit von Islam, Menschenrechten und Demokratie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Islam nicht zwangsläufig ein europäisches Muster kopieren muss. Es findet jedoch ein weltweiter innerislamischer Diskurs statt, in dem vernunftbetonte Ansätze gegen konservative Strömungen um die Deutungshoheit ringen. Politische Krisen und autoritäre Regime in vielen Ländern erschweren diesen Reformprozess jedoch erheblich.
 
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