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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ägyptische Schöpfungsmythen #2 (179 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.03.2026 um 00:14 Uhr (Zitieren)
Die sog. memphitische Theologie bietet eine alternative, aber trotzdem kompatible Version der Kosmogonie an: die Schöpfung durch das Wort. Der Text wurde wahrscheinlich im ausgehenden NR verfaßt und ist uns in Form des sog. SCHABAKA-Steins aus der 25. Dyn. erhalten (heute im Britischen Museum). Die hieroglyphische Inschrift erzählt, wie der memphitische Gott Ptah alle Dinge erschafft, indem er ihren Namen nennt.

Im Grunde war jede Lokalgottheit – von SOBEK bis BASTET – in gewisser Weise auch ein Schöpfergott bzw. eine Schöpfergöttin, doch dann drückten seine oder ihre besonderen Eigenschaften dem Thema S. einen eigenen Stempel auf. Der Widdergott CHNUM, eng verbunden mit dem fruchtbaren Nilschlamm und den daraus geformten Tongefäßen, galt als Schöpfergott, der die ersten Menschen auf einer Töpferscheibe erschaffen hatte. Der Fruchtbarkeitsgott MIN war dargestellt als eine Ikone männlicher Fruchtbarkeit. Seine Haltung mit erigiertem Phallus, dem erhobenen Arm, dessen Hand in die V-Form hineinragt, die vom Wedel über seiner Schulter gebildet wird, hat eine offensichtlich sexuelle Konnotation und könnte als eine Metapher für den Sexualakt selbst interpretiert werden. Im späten NR erfuhr das Motiv des URHÜGELS, der sich aus den Urgewässern des Nun erhebt, eine mythologische Wandlung: Jetzt war es der Kindgott NEFERTEM, der einem auf den Was-sern schwimmenden Lotos entstieg. Das TOTENBUCH bezeichnet auch den Sonnengott als „goldenen Jüngling, der dem Lotos entstieg“. Eine Gleichsetzung mit Nefertem, Schöpfung und Wiedergeburt, wünschte sich auch TUTANCHAMUN (1336-1327 v. Chr.); deshalb enthielt seine Grabausstattung eine farbige Holzskulptur seines eigenen jugendlichen Köpfchens, das aus einer Lotosblüte herausragt.

Die Vorstellungen der Ägypter von der S. waren eng verbunden mit ihrer Auffassung von Wiedergeburt und Erneuerung und vom Leben nach dem Tod. Ihre religiöse und funeräre Bilderwelt ist voll von Metaphern des Schöpfungsgeschehens; sie reichen vom Urhügel bis zum BENBEN-STEIN und dem SKARABÄUS, dem Käfer, der scheinbar wie von selbst aus der Mistkugel kommt.

Aus den Texten geht klar hervor, daß nach äg. Auffassung die S. nicht nur ein einmaliges Ereignis am Beginn des Universums war, sondern ein sich mit jedem neuen Tag oder jeder Jahreszeit ständig wiederholendes Phänomen, das auch untrennbar zusammenhing mit dem Weiterleben nach dem Tod. Die am häufigsten mit dem Schöpfungsvorgang assoziierte Gottheit war daher der Sonnengott: Sein Aufgang am Morgen, seine Reise am Himmel während des Tages und sein Untergang am Abend waren sichtbares Symbol für die zyklische Natur des Schöpfers.

(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 268)
 
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