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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
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Ägyptische Schöpfungsmythen #1
(195 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.03.2026 um 15:49 Uhr (
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Schöpfung
Bis zum Ende der Pharaonenzeit fanden die Vorstellungen, die die Ägypter von der S. hatten, ihren Ausdruck weitgehend in Ikonographie, Sprache und Ritual. Erst in der Ptolemäer- und Römerzeit wurde der S.-Prozeß explizit in eigenen Erzählungen beschrieben. Es sind uns drei bedeutende äg. S.-Mythen erhalten, die ihre Wurzeln jeweils in bestimmten lokalen Götterkulten hatten: In HERMOPOLIS MAGNA standen vier Urgötterpaare (die ACHTHEIT) im Mittelpunkt, in HELIOPOLIS waren es vier Generationen von Göttern (die NEUNHEIT), und in MEMPHIS konzentrierte sich der Mythos auf die Erscheinungsformen des Gottes PTAH.
Der Mythos der Achtheit befaßte sich v.a. mit dem ersten Schöpfungsgeheimnis: Wie konnte „Sein“ aus „Nichtsein“ entstehen? Nach der Erzählung von Hermopolis, deren früheste Fassung auf das MR zurückgeht, erstand der Sonnengott aus einer Gruppe von vier männlich-weiblichen Urgötterpaaren, deren Namen die Elemente des vor der S. herrschenden Urchaos beschreiben: das Urgewässer (NUN und Naunet), die räumliche Endlosigkeit (HEH und Hehet), die Finsternis (Keku und Kekuit) und die Verborgenheit (oder – in der frühesten Version – Dämmerung: AMUN und Amaunet).
Der Mythos von der Neunheit befaßte sich mit der nächsten Stufe der Kosmogonie: mit Teilung und Vervielfältigung. Wie verwandelte der Schöpfer den Einen in die Vielen? Verweisen auf die Neunheit in den PYRAMIDENTEXTEN zufolge galt bereits spätestens im AR die progressive Teilung und Zeugung neuen Lebens als göttlicher Schöpfungsakt, aus dem nacheinander vier Paare hervorgingen.
Nach dem heliopolitanischen Mythos von der Neunheit stand am Anfang ein geheimnisvoller Schöpfungsakt des Urgottes: Der Sonnengott ATUM – sein Name in den Sargtexten lautet „der Nichtvollendete, der vollendet geworden ist“ – erschuf sich selbst. Er brauchte dafür die Hilfe der Kräfte heka (das aä. Wort für MAGIE), sia (aä. Personifikation der „Erkenntnis“) und hu („das göttliche Wort“). Danach nahm er die erste Teilung vor: In einer Verbindung von Masturbation, Spucken und Niesen erzeugte er neues Leben und teilte es auf in das Gegensatzpaar Luft (der Gott SCHU) und Feuchtigkeit (die Göttin TEFNUT). Schu und Tefnut pflanzten sich fort und zeugten NUT und GEB, den Himmel und die Erde – eine bekannte Vignette aus dem TOTENBUCH zeigt, wie der Luftgott Schu den Himmel als Göttin Nut von der Erde, dem Gott Geb, trennt (s. NEUNHEIT).
Danach wendet sich der Mythos von der Neunheit dem Erscheinen der Gott-Menschen zu – den mythenumwobenen Söhnen und Töchtern von Geb und Nut: OSIRIS, SETH und ihren Schwester-Gemahlinnen ISIS und NEPHTHYS. Dieser Mythenzyklus, in dessen Mittelpunkt Osiris steht, entwickelt über die Lehre von der Entstehung der Welt hinaus Grundgedanken zu KÖNIGTUM und menschlichem Leid.
(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 268
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