Heute stellte Kai Pflaume in "Wer weiß den sowas?" eine Schätzfrage: "Wieviele Verse hat die Ilías?" Mir ist die Betonung auf der ersten Silbe geläufig, die Betonung auf der zweiten (wie beim Namen Elías) ist mir unvertraut - und habe ich auch noch nie gehört ...
Re: Ílias 0der Ilías?
βροχή schrieb am 17.03.2026 um 19:39 Uhr (Zitieren)
Iliás
Re: Ílias 0der Ilías?
Bukolos schrieb am 17.03.2026 um 22:27 Uhr (Zitieren)
Im Deutschen folgt man wohl üblicherweise der lateinischen Akzentsetzung (Ílias). Ähnlich z. B. Eurípides (abweichend von der griechischen Akzentstelle).
Re: Ílias 0der Ilías?
βροχή schrieb am 18.03.2026 um 07:07 Uhr (Zitieren)
Im Deutschen kenne auch ich nur Ílias.
Ilías hörte ich nie.
Diese Betonung zeigt tatsächlich eine frappierende Ähnlichkeit zum Namen Elías. Obwohl ganz unterschiedlich angeleitet aus Ilion bzw. Eliyahu.
Namen werden in der Aussprache sehr angepasst.
Die meisten Sprachen machen aus dem s ein d, hängen Buchstaben an, auch das noch.
Re: Ílias 0der Ilías?
Γραικύλος schrieb am 18.03.2026 um 09:38 Uhr (Zitieren)
Wenn Kai Pflaume Fremdwörter ausspricht, wird es immer abeneuerlich.
Offenbar zeigt man ihm auf seinem Bildschirn nicht die Aussprache an.
Re: Ílias 0der Ilías?
Bukolos schrieb am 18.03.2026 um 10:02 Uhr (Zitieren)
Allerdings nicht beliebig: Der Wortstamm im Griechischen lautet Ἰλιάδ-.
@Graeculus: Ist die Ilias im Deutschen noch ein Fremdwort? Dann wäre auch die Bibel noch ein Fremdwort ... Diesmal hatte Pflaume auch noch ein Problem mit der französischen Marianne, er sprach sie mit Nasal am Ende aus, als hieße sie Marian.
Re: Ílias 0der Ilías?
Patroklos schrieb am 18.03.2026 um 10:43 Uhr (Zitieren)
Die englische Aussprache von Thukydides ist charmant:
/θjuːˈsɪdɪdiːz/
Die russische Version von Th. ist mir ein Rätsel: Fukidid, ФУКИДИД
Re: Ílias 0der Ilías?
Bukolos schrieb am 18.03.2026 um 10:50 Uhr (Zitieren)
So wie aus Θεόδωρος Fjodor (Фёдор) wird.
Re: Ílias 0der Ilías?
Patroklos schrieb am 18.03.2026 um 11:06 Uhr (Zitieren)
Es geht auf die Rechtschreibreform von 1918 zurück. Doch warum, und vor allem: wozu?
Re: Ílias 0der Ilías?
βροχή schrieb am 18.03.2026 um 11:26 Uhr (Zitieren)
die machen notorisch aus th ein f
Leviathan -> Leviafan
Das θ um 90 grad gedreht wird zum Φ
Re: Ílias 0der Ilías?
Patroklos schrieb am 18.03.2026 um 11:50 Uhr (Zitieren)
Höflich gegenüber den Engländern:
Те́мза.
Danke für den Hinweis. Das Worumwillen bleibt unbeantwortet.
Re: Ílias 0der Ilías?
βροχή schrieb am 18.03.2026 um 12:20 Uhr (Zitieren)
Die optische Ähnlichkeit dieser 2 Buchstaben ist wohl kein Zufall. Die genaue Bewandnis kenne ich leider auch nicht.
Re: Ílias 0der Ilías?
Bukolos schrieb am 18.03.2026 um 12:39 Uhr (Zitieren)
Auf der Phonemebene gab es wohl schon früh für die durch die Grapheme russ. Ѳ ('fita' < gr. Theta) und russ. Ф ('ef' < gr. Phi) repräsentierten Laute keine Unterscheidung: Beide wurden als f-Laut realisiert.
βροχή schrieb am 18.03.2026 um 12:54 Uhr (Zitieren)
Das Fita kannte ich noch nicht. Wie es aussieht haben die Russen theta und phi lautlich gleichgesetzt. Aber wieso machten sie das, aus unkenntnis d. Originalaussprache dann wg. d. opt. Ähnlichkeit? Oder gibt es eine buchstabenunabhängige lautliche Beziehung?
Irgendwann waren 2 Bchstaben fuer 1 Laut zu unbequem, so dass der Buchstabe Fita durch phi erstzt wurde.
Re: Ílias 0der Ilías?
βροχή schrieb am 18.03.2026 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Leviafan ist übrigens ein sehr empfehlenswerter russischer Film. Durch diesen Filmtitel fiel mir diese Sache mit den Buchstaben auf.
Re: Ílias 0der Ilías?
Patroklos schrieb am 18.03.2026 um 13:07 Uhr (Zitieren)
Wassili und Basil erklären sich ebenfalls nicht unmittelbar. Oder?
Re: Ílias 0der Ilías?
βροχή schrieb am 18.03.2026 um 13:23 Uhr (Zitieren)
Das ist eine lautliche Beziehung, nichts spezifisch russisches. B und w (bzw. weiches v) sind eng verwandte Laute.
ein Bsp. aus den USA river -> ribber im slang d. Schwarzen
Re: Ílias 0der Ilías?
Patroklos schrieb am 18.03.2026 um 15:06 Uhr (Zitieren)
Kleiner Scherz, KI
Ein Ribber (Rippenstricker) ist ein YouTube-Anbaugerät für Metallbett-Strickmaschinen, das ein zweites Nadelbett gegenüber dem Hauptbett positioniert. Es ermöglicht das gleichzeitige Stricken von rechten und linken Maschen, was für die Herstellung von Rippenmustern (z.B. 1x1, 2x2) und Rundstrickwaren unerlässlich ist.
Re: Ílias 0der Ilías?
Patroklos schrieb am 18.03.2026 um 18:25 Uhr (Zitieren)
Ein Rückruf bei KI bestätigt: obiger Ribber-Text stammt von Loriot.
Re: Ílias 0der Ilías?
Bukolos schrieb am 19.03.2026 um 04:46 Uhr (Zitieren)
Die Frikativisierung des Beta war ja im Griechischen der Spätantike bereits abgeschlossen, so dass der Name des Βασιλεῖος schon von dessen Zeitgenossen als /wasilios/ ausgesprochen wurde.
Genauso waren gr. θ und φ schon in der Spätantike Reibelaute. Da der Laut /θ/ nie zum Phoneminventar des Russischen gehörte, erscheint bei der Übernahme gr. Fremdwörter mit /θ/ das Ausweichen in den stimmlosen labialen Frikativ, den /f/-Laut, naheliegend. Aufgrund des Lautzusammenfalls wurden Fita und Ef schon vor dem 17. Jh. zu Allographen. Eine differenzierte Verwendung beider Grapheme blieb offenbar eine Episode des 19. Jhs.
Re: Ílias 0der Ilías?
βροχή schrieb am 19.03.2026 um 05:42 Uhr (Zitieren)
Bukolos, du hast die lautliche Erklaerung gefunden.
Ich hatte schon vermutet, dass es eine gibt.
Die optische Drehung von θ zu Φ oder umgekehrt erscheint dadurch wieder rätselhaft. Diese hat ja schon lange vor der Übernahme ins russische stattgefunden.