Γραικύλος schrieb am 15.03.2026 um 00:37 Uhr (Zitieren)
(Franz Kafka: Das Schweigen der Sirenen)
Cees Nooteboom zitiert dies als Motto seines Romans "Allerseelen".
Re: Das Schweigen der Sirenen
Persephone schrieb am 15.03.2026 um 01:37 Uhr (Zitieren)
Rilke kam auf eine ähnliche Idee.
Re: Das Schweigen der Sirenen
βροχή schrieb am 15.03.2026 um 05:47 Uhr (Zitieren)
Wenn die Sirene schweigt, hat sie sich total verausgabt, sie ist heiser und erspart der Umwelt Misstöne.
Re: Das Schweigen der Sirenen
Γραικύλος schrieb am 15.03.2026 um 16:07 Uhr (Zitieren)
Ich verstehe es so, daß das Ausbleiben von Verführung noch schrecklicher ist als die Verführung mit all ihren Folgen.
Jenes bedeutet: du bist uninteressant, unattraktiv, bedeutungslos (einsam?); dieses hingegen: du bis dem Tode geweiht ... und das sind wir schließlich alle (gemeinsam?).
Re: Das Schweigen der Sirenen
Persephone schrieb am 15.03.2026 um 18:55 Uhr (Zitieren)
In Kafkas kurzem Text, aus dem Nooteboom zitiert, liegt die vernichtende Kraft des Schweigens der Sirenen darin, dass es den Angeschwiegenen glauben macht, er habe sie, deren Gesang alles durchdringt, aus eigener Kraft (und sozusagen ohne Tricks) besiegt. Er verfällt der Hybris.
Dem entkommt Odysseus bei ihm nur, weil er fest an die Illusion des an sich kindischen und untauglichen Mittels, sich die Ohren zu verstopfen, glaubt. Er hört ihr Schweigen nicht, sondern denkt, sie singen.