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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Agasikles über die Sicherheit des Herrschers (160 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.03.2026 um 15:09 Uhr (Zitieren)
Agasikles war einer der frühen Könige Spartas (1. Hälfte 6. Jhdt. v.u.Z.).

Plutarch, Aussprüche von Spartanern (Moralia 208B):
Πρὸς δὲ τὸν εἰπόντα πῶς ἄν τις ἀδορυφόρητος ὢν ἄρχειν ἀσφαλῶς δύναιτο, „ἐὰν οὕτως,“ ἔφη, „αὐτῶν ἄρχῃ, ὥσπερ οἱ πατέρες τῶν υἱῶν.“

In answer to a man who raised the question how anyone could possibly rule in safety without protection of a bodyguard, he said, “If one rules his subjects as fathers rule their sons.”

[Plutarch: Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 242 sq.]
Re: Agasikles über die Sicherheit des Herrschers
meine Meinung schrieb am 14.03.2026 um 16:43 Uhr (Zitieren)
“If one rules his subjects as fathers rule their sons.”

Pauschal kann man das nicht sagen.
Es gibt genügend Fälle, wo Söhne einen
schlechten oder grausamen o.ä. Vater umgebracht haben.
Hier wird m.E. ein idealistisches Vaterbild vorausgesetzt,
das auf Wunschdenken beruht.
Re: Agasikles über die Sicherheit des Herrschers
Patroklos schrieb am 14.03.2026 um 17:17 Uhr (Zitieren)
Gott der Vater verhält sich gegenüber seinem Sohn eher ambivalent. Die Unterbindung der Kreuzigung hätte die Auferstehung entbehrlich gemacht. So aber eignet dem überlieferten Geschehen eine gewisse väterliche Grausamkeit (siehe oben).
Re: Agasikles über die Sicherheit des Herrschers
Andreas schrieb am 14.03.2026 um 17:52 Uhr (Zitieren)
Die Unterbindung der Kreuzigung hätte die Auferstehung entbehrlich gemacht.

Nein.
Auch ein natürlicher Tod hätte an der Erlösung nichts geändert,
wie sogar Joseph Ratzinger geschrieben
haben soll in den ersten Ausgaben seiner
Einführung in das Christentum.
Nicht auf die Todesart komme es an, sondern
auf die Menschwerdung als Solidarisierung
des Schöpfers mit seinem Geschöpf.

Die Passage wurde später entfernt.
Sie stand in einer Fußnote, soweit ich mich erinnere.

Leider wurde das so nicht zuende gedacht,
geschweige denn in der kirchl. Praxis umgesetzt,
wo immer noch das Leiden geradezu glorifiziert
und zelebriert wird.
Re: Agasikles über die Sicherheit des Herrschers
Γραικύλος schrieb am 14.03.2026 um 17:59 Uhr (Zitieren)
In der Klassifizierung der Herrscher bei Lao Tse (Gedicht 17) steht der be-/geliebte Herrscher nicht an der obersten Stelle, denn er ist durchaus noch gefährdet, z.B. durch Neid oder Rivalität.

4. der Herrscher, der verachtet wird
3. der, welcher gefürchtet wird
2. derjenige, der geliebt wird
1. der Herrscher, von dem man kaum weiß, daß er existiert; er agiert so geschickt (bzw. weise), daß die Leute denken, alles geschehe auf natürlichem Wege.

In der Übersetzung von Robert G. Henricks:
With the highest kind of rulers, those below simply know they exist.
With those one step down – they love and praise them.
With those one further step down – they fear them.
And with those at the bottom – they ridicule and insult them.

When trust is insufficient, there will be no trust in return.
Hesitant, undecided! Like this is his respect for speaking.
He completes his tasks und finishes his affairs,
Yet the common people say, “These things all happened by nature!”

Diesen Typus von Herrschaft erläutert Lao Tse in mehreren seiner Gedichte.

Vielleicht ist Lao Tse selbst kein schlechtes Beispiel dafür, denn er tritt völlig zurück, wir wissen nichts über ihn, nicht einmal seinen Namen ("Lao Tse" ist ein Titel) ... und doch hat er starken Einfluß.
Wie sollte ihn jemand als Person leiblich angreifen, wenn man nicht weiß, wer er ist?
Re: Agasikles über die Sicherheit des Herrschers
Andreas schrieb am 14.03.2026 um 17:59 Uhr (Zitieren)
PS:
Die Überlegung, dass auch ein natürlicher Tod an der Erlösung nichts geändert hätte, findet sich bei Ratzinger (unter anderem in seiner „Einführung in das Christentum“) im Kontext der Abkehr von der sogenannten „Satisfaktionslehre“ des Anselm von Canterbury.

Das Problem der Sühnetheorie: In der traditionellen (oft missverstandenen) Sichtweise musste Jesus am Kreuz sterben, weil nur ein gewaltsamer, qualvoller Tod ein „unendlich großes Opfer“ darstellte, das die „unendliche Beleidigung“ Gottes durch die Sünde des Menschen ausgleichen konnte.

Ratzingers Korrektur: Für Ratzinger ist nicht die Methode der Hinrichtung (das Kreuz) entscheidend für die Erlösung, sondern die Haltung Jesu. Erlösung geschieht durch das „Pro-existence“ (das Für-andere-da-Sein) Jesu, das sich in seinem ganzen Leben, besonders aber in seiner Hingabe bis zum Äußersten, zeigt.

Warum er das so formuliert

Ratzinger argumentiert, dass der Wert der Erlösung nicht in einer „blutigen Rechnung“ liegt, sondern in der Einswerdung Gottes mit dem menschlichen Schicksal.

Radikale Solidarität: Wenn Jesus ein Mensch ist, der in absoluter Einheit mit Gott lebt, dann ist jeder Moment seines Lebens – und eben auch sein Sterben – von unendlicher Kraft.

Der Gehorsam der Liebe: Es ist der Gehorsam und die Liebe, mit der er in den Tod geht, die heilsnotwendig sind. Wäre er eines natürlichen Todes gestorben, hätte er diesen Tod ebenfalls in einer Haltung der völligen Hingabe an den Vater vollzogen.

Die Umkehrung der Perspektive: Für Ratzinger war es wichtig, zu betonen, dass Gott nicht den Schmerz braucht, sondern die Liebe. Der gewaltsame Tod am Kreuz ist die historische Konsequenz der menschlichen Sünde (die Welt tötet den, der sie liebt), aber er ist nicht die notwendige Bedingung, damit Gott „versöhnt“ ist.
Re: Agasikles über die Sicherheit des Herrschers
Γραικύλος schrieb am 14.03.2026 um 18:02 Uhr (Zitieren)
Oh, bitte! Was hat das mit dem Agasikles-Thema zu tun?

Bald ist es hier soweit, daß man nichtmal mehr "Guten Morgen!" sagen kann, ohne daß eine theologische Diskussion entbrennt.
 
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