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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Gyges von Lydien #2 (129 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 10.03.2026 um 14:55 Uhr (Zitieren)
Nikolaos von Damaskus, Universalgeschichte (ἱστορία καθολική) (F 47):
Danach wollte Sadyattes die Tochter des Myserkönigs Arnossos, die Tudo hieß, heiraten. Dieser (Arnossos) hatte die Stadt Ardynion in der Ebene von Theben gegründet. Als die Zeit gekommen war, die Frau zu sich zu holen, bespannte Sadyattes einen Wagen, ließ Gyges auf diesen aufsteigen und entsandte ihn zu seinem Schwiegervater, um ihm seine Braut zu bringen. Man erzählt, dass sich bei ihnen folgendes Vorzeichen ereignet hat. Als sie aufbrechen wollte, setzten sich zwei überaus große Adler auf das Gemach, in dem sie war. Die Seher sagten, dass das Mädchen in der Hochzeitsnacht die Frau zweier Könige sein werde.

Kurz danach kam Gyges an[,] und nachdem der Vater ihm die Braut übergeben hatte, führte er sie fort. Bei der Fahrt auf dem Wagen überkam Gyges ein Verlangen. Er versuchte, sie zu verführen, weil er sich nicht beherrschen konnte, und er machte sogar Annäherungsversuche bei ihr. Sie wies ihn aber sehr heftig zurück, wurde zornig und drohte ihm vieles Furchtbare an. Als sie beim König ankam, erzählte sie ihm alles, was Gyges getan hatte und wie er mit ihr Geschlechtsverkehr haben wollte. Der zornige König schwor, Gyges am nächsten Tag zu töten.

Dies hörte eine Dienerin, die in dem Gemach war und Gyges sehr gern hatte. Augenblicklich berichtete sie ihm alles. Noch in der Nacht ging er herum, teilte seinen Freunden die Nachricht mit und bat sie bei seiner Absicht, den König zu töten, um Hilfe. Er erinnerte sie aber auch an den Fluch des Ardys, denn dieser hatte die Mörder des Daskylos verflucht. (3) Weil er also unter diesen Umständen entschied, lieber [S]adyattes zu beseitigen, als selbst von ihm getötet zu werden, ging er mit einem Schwert zu ihm, nachdem er die vertrauenswürdigsten Freunde für sich gewonnen hatte. Die Dienerin öffnete die Tür des Gemachs, Gyges ging hinein und tötete den schlafenden Sadyattes, der drei Jahre lang geherrscht hatte.

Am Morgen ließ er in aller Ruhe seine Freunde und Feinde der Reihe nach zu sich kommen, als ob der König sie gerufen hätte, und er tötete die einen, von denen er glaubte, dass sie ihm feindlich gegenüberstehen würden, die anderen aber machte er zu Verbündeten, indem es ihnen Geschenke gab. Als viele um ihn zusammengekommen waren, bewaffnete er sich eiligst für die Herrschaftsübernahme, zog auf den Marktplatz aus und rief die Lyder zu einer Volksversammlung zusammen. Diese waren zuerst bestürzt, denn sie fanden seine Tat unerträglich, und lehnten sich gegen Gyges auf. Um sie zu beschwichtigen, bat Gyges um das Wort[,] und er belehrte die Menge über die Angelegenheit, von denen [sic!] sie nichts verstünde. Endlich ließen sie von ihrem Aufruhr ab. Einerseits hörten sie wohl zu, weil sie sich Klarheit wünschten, andererseits weil sie die Bewaffneten fürchteten, und sie schwiegen.

(Fragmente der Historiker, Nikolaos von Damaskus. Hrsg. v. Tino Shahin. Stuttgart 2018, S. 47-51)

(1) Vgl. F 44

[Vgl. Herodot I 8-14]

 
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