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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Vorrang Äthiopiens vor Byzanz (123 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.02.2026 um 00:03 Uhr (Zitieren)
[...] Schwer nur konntest du dich überwinden, über dieses strahlende Blatt (1) hinauszugehen, aber es lohnte sich vollauf, denn du lerntest im Fortgang der Geschichte von der Bundeslade (2) und der Göttlichkeit der irdischen Herrschaften, die sich darauf stützten, dass nach dem Zeugnis des Demateyos, Erzbischof von Rom – das heißt von Byzanz, denn das geistliche Rom war nicht die Hauptstadt des römischgläubigen Italien, sondern Konstantinopel -, die Beherrschung der Welt aufgeteilt war zwischen dem römischen Kaiser und dem von Äthiopien. Denn westlich und östlich von Jerusalem gehörte die Welt dem römischen Kaiser, aber südlich von Jerusalem und nach Westindien hin war sie im Besitz des Kaisers von Äthiopien.

Beide waren Teile desselben Sprosses, kamen sie von Sem, dem Sohne Noahs her, von dem wiederum Aram, David und Salomon herrührten. Beide waren sie Söhne Salomons, aber der äthiopische Kaiser war der Erstgeborener, also sein älterer Sohn. Wodurch das afrikanische Gebiet Äthiopiens nun offensichtlich das größte und älteste Reich der Welt war, geradezu der Hüfte dessen entschlüpft, der, von Gott geprüft, kein langes Leben und keine Reichtümer sich erbeten hatte, sondern Weisheit.
[...]

Seine Mutter hatte ihn im Schatten der Tewahedo-Kirche zur Gottesfurcht erzogen, denn jene war vom rechten Glauben, den es auf der ganzen Welt nur noch dort gab, im afrikanischen Land Äthiopien, bei den ägyptischen Kopten und in Armenien, während alle anderen sogenannten Christen, weil sie den häretischen und sündhaften Konzilien nach jenem vom Chalcedon zugestimmt hatten, also die Papisten, Calvinisten und sogar der Erzbischof von Konstantinopel, in Häresie lebten, der Teufel hatte ihnen die Augen verbunden.

Der heilige Kyrill aus Alexandria hatte sich wie ein Berg gegen diese verlogene Spaltung in Christi erhoben, die Trennung in seine göttliche und seine menschliche Natur, woran jene Häretiker glaubten, und gezeigt, dass, ganz im Ge-genteil, die beiden Naturen des Herrn vermengt waren und nicht geschieden werden konnten, verschmolzen in eine einzige, und dies glaubte die Tewahedo-Kirche, die diesen Glauben seit beinahe eineinhalbtausend Jahren aufrechterhielt. Christus hatte vom Anfang der Zeiten an in eins mit Gott existiert, der ihn aufgrund eines undurchdringlichen Geheimnisses gebar, und war von gleichem Ruhme und gleicher Macht. Von beiden entsprang, die Heilige Dreifaltigkeit vollendend, der Geist.

(Mircea Cărtărescu: Theodoros. Wien 2024, S. 150; 160)

(1) des Kebra Nagast (Kebra Negest), einer heiligen Schrift der koptischen Christen, entstanden wohl im 13. Jhdt.
(2) Dem Kebra Nagast zufolge hat Makeda, die Königin von Saba, während ihres Besuches bei König Salomon von diesem einen Sohn geboren: Menelik. Dieser hat als junger Mann seinen Vater besucht. Auf seinem Rückweg hat Salomon ihm jüdische Begleiter mitgegeben, die ohne Meneliks Wissen die Bundeslade mitgenommen und nach Äthiopien gebracht haben.

Ich nehme an, daß die Bedeutung Äthiopiens und der koptischen Christen aus eurozentrischer Sicht in der Tat stark unterbelichtet ist.
Re: Der Vorrang Äthiopiens vor Byzanz
Γραικύλος schrieb am 25.02.2026 um 00:19 Uhr (Zitieren)
der Erstgeborener --> der Erstgeborene
 
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